″Die Spieler waren nicht 100 Prozent konzentriert″ | Aktuell Amerika | DW

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Die Geschichte des Finales der Copa America ist schnell erzählt: Argentinien beendet mit einem 1:0 (1:0)-Erfolg über Brasilien ausgerechnet im Stadion Maracana in Rio de Janeiro die jahrzehntelange Durststrecke. Torschütze war Angel de Maria (22. Minute) mit einem feinen Lupfer. Für Superstar Lionel Messi war es der erste große Titel in der argentinischen Nationalmannschaft überhaupt.

Paolo Rink: „Brasilien hat keinen guten Tag erwischt“

„Das war kein attraktives Finale. Argentinien hat sich nach dem Führungstor darauf beschränkt, die Räume eng zu machen und den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Und Brasilien hatte einfach keinen guten Tag erwischt. So hat Argentinien leider im Maracana-Stadion gewonnen“, sagte der gebürtige Brasilianer und deutsche Nationalspieler Paolo Rink der Deutschen Welle und zog damit ein erstes Fazit des Endspiels. Der ehemalige Leverkusener Bundesligaprofi, der heute im Süden Brasiliens lebt, hätte sich mehr spielerisches Element der Selecao gewünscht und beklagte: „Doch da kam einfach zu wenig.“

Ex-Nationalspieler Paolo Rink

Ex-Nationalspieler Paolo Rink war mit der Leistung Brasiliens nicht zufrieden (Foto: Tobias Käufer)

Sportlich endete das Turnier für die Gastgeber also mit einer Enttäuschung. Über weite Strecken mangelte es der kurzfristig nach Brasilien verlegten Großveranstaltung an Atmosphäre und Ambiente. „Ohne Zuschauer fehlt einfach was“, sagte Rink. Argentinien (Corona-Pandemie) und Kolumbien (Sozialproteste) waren kurzfristig als Gastgeber ausgefallen.

Durchwachsene Bilanz der Gastwirte

Gastronom Thiago Bri vom Restaurant Dantes in Rio de Janeiro hatte sich ebenfalls mehr erwartet. Zumindest zum Finalspiel war sein Laden gut gefüllt, allerdings überwiegend mit Argentiniern, die in Brasilien leben. „Während der Copa gab es kaum einen Unterschied zu normalen Tagen. Viele Menschen haben das Turnier einfach ignoriert“, sagt Bri der DW. Für ein besseres Geschäft sorgten die gleichzeitig laufenden Spiele der Europameisterschaft. „Die Ausländer, die in Rio sind, kamen eigentlich zu jedem Spiel zu uns. Ich bin sicher beim Finale England gegen Italien werden wir ein volles Haus haben.“

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Zumindest in der Finalnacht gut gefüllt: Das Restaurant Dantes in Rio de Janeiro (Foto: Ramona Samuel)

Politische Nebengeräusche

Das gesamte Turnier wurde von politischen Nebengeräuschen überschattet: Ein Missbrauchs-Skandal im Verband CBF, dazu die Diskussion darüber, ob das Turnier überhaupt im Virusvariantengebiet hätte ausgetragen werden sollen. „Natürlich hat das die Konzentration der Spieler beeinflusst“, sagte der brasilianische Fußball-Profi Felipe Adao, der in seiner Karriere auch in der Schweiz für Luzern spielte, im Gespräch mit der Deutschen Welle. „Brasilien erlebt einen schwierigen Moment, wir stecken inmitten einer parlamentarischen Untersuchung der Corona-Politik und dann sollen sich die Spieler äußern. Die Politik, der CBF-Skandal, da ist man nicht 100 Prozent fokussiert.“

Ex-Nationalspieler Cláudio Adalberto Adão, einst von Pele für den Kader des FC Santos empfohlen und heute Trainer, glaubt mit einem vollen Stadion wäre das Finale anders verlaufen. „Mit einem ausverkauften Maracana hätte Brasilien heute eine Hand am Pokal gehabt. Das wäre ein anderes Spiel gewesen“, erklärte Adão gegenüber der DW nach der Partie.

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Längst nicht überall waren die Bars in Rio de Janeiro beim Finale so gut besucht

So kamen nur knapp 5000 Zuschauer in den Genuss, den wohl brisantesten Klassikers des südamerikanischen Fußballs live erleben zu dürfen. Einige griffen dafür tief in die Tasche und zahlten für ein Ticket bis zu 5000 US-Dollar an Zwischenhändler. Ein Finale für eine Handvoll Reiche mit Beziehungen. Auch das passt zu einem Turnier, dem die Seele fehlte und das wohl nur stattfand, um die TV-Gelder für die Verbände zu retten.

Deutlich besser war die Stimmung im Land des Siegers: Noch in Nacht strömten tausende Fans zum Obelisken in Buenos Aires: Ohne Abstand und viele ohne Maske. Und dass, obwohl Argentinien noch am Donnerstag 20.000 Neu-Infektionen gemeldet hatte.

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