Abwärtsspirale an deutschen Theatern befürchtet | Aktuell Deutschland | DW

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„Ich fürchte, dass die Häuser in eine doppelte Klemme geraten“, sagte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Carsten Brosda, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Einerseits haben sie weniger Einnahmen an der Kasse, weil das Publikum nur langsam zurückkehrt, andererseits sind auch die Kommunen als Zuwendungsgeber durch Corona finanziell klammer.“ Das könne zu einer Abwärtsspirale führen.

Bühnen haben wichtige Aufgabe

Brosda, der zugleich Hamburger Kultursenator ist, warnte, die Politik dürfe hier keinen Fehler machen. „Die Bühnen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Gesellschaft aus dieser Krise wieder herausfindet.“     

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Die Zuschauer kehrten nur zögerlich in die Theater zurück – hier im Foyer des Berliner Ensembles

Von den Theatern selbst forderte der Sozialdemokrat eine verstärkte Bereitschaft zur Erneuerung. „Die Bühnen können nicht sagen: Wir machen nach Corona einfach so weiter wie bisher, und das Publikum kommt zurück“, sagte er. „Das wird ein hartes Stück Arbeit, und die Theater müssen ihren Standort in der Gesellschaft teilweise neu definieren.“

Theaterbesuch intensiver als Netflix

Auf Dauer werde das Publikum aber merken, dass ein Theaterbesuch ein intensiveres Erlebnis sei, als sich Zuhause einen Film im Streamingdienst anzuschauen, ist Brosda überzeugt. Der Deutsche Bühnenverein ist ein Interessen- und Arbeitgeberverband von Theatern und Orchestern in Deutschland.

Deutschland Dresden Flash-Galerie 013

Stark betroffen von der Pandemie sind vor allem die erfolgreichen Häuser – hier die Semperoper in Dresden

Anders als in der Öffentlichkeit oft dargestellt, ist die Finanzlage an vielen Häusern derzeit noch relativ entspannt. Während der Lockdown-Phasen haben die Einsparungen durch Kurzarbeit die fehlenden Erlöse aus dem Ticketverkauf häufig mehr als ausgeglichen, zumal die Eintrittsgelder im Schnitt ohnehin nur 20 Prozent der Etats ausmachen, den Rest tragen Länder und Kommunen.

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Stark betroffen sind vor allem die erfolgreichen Häuser, die vor Corona sehr hohe Eigeneinnahmen erzielten, etwa die Semperoper in Dresden oder die Bayerische Staatsoper in München. In solchen Fällen hat die öffentliche Hand teilweise Geld nachgeschossen.

Mit Sorge beobachten viele Intendanten aber, dass das Publikum auch im Frühherbst nur zögerlich in die Säle zurückkehrte, als die Corona-Bestimmungen vergleichsweise locker waren. Das könnte womöglich auf eine dauerhafte Entwöhnung von kulturellen Gewohnheiten hindeuten.

nob/djo (afp, kna)




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