AfD vor Führungswechsel: Jörg Meuthen hört auf | Aktuell Deutschland | DW

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Nach sechseinhalb Jahren an der Spitze der AfD will Jörg Meuthen nicht erneut zur Wiederwahl antreten. Das geht aus einem Brief hervor, den er an die Mitglieder der Partei verschickt hat und der verschiedenen Medien vorliegt. Er habe sich nach intensiven Überlegungen und Gesprächen mit seiner Familie entschlossen, bei der Neuwahl des Parteivorstandes im Dezember nicht mehr für den Spitzenposten zu kandidieren, heißt es in einem Rundschreiben von Meuthen an die Mitglieder der „Alternative für Deutschland“.

Die AfD hatte bei der Bundestagswahl 10,3 Prozent der Stimmen erzielt. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte sie mit 12,6 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis erreicht. Als Spitzenkandidaten waren der andere Co-Parteichef, Tino Chrupalla, und Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel angetreten, die beide als Widersacher Meuthens gelten.

Keine Gründe angeführt

Konkrete Gründe für seinen Schritt, sich von der Parteiführung zurückzuziehen, nannte Meuthen in dem Schreiben an die Mitglieder nicht. „Ich werde selbstverständlich meine politische Arbeit fortsetzen“, schreibt Meuthen in dem Rundbrief. Er sprach von einer „unglaublich fordernden, von manchen Härten und Enttäuschungen“ geprägten Zeit an der Parteispitze.

Deutschland AfD Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel

AfD-Führungsspitze Meuthen, Chrupalla und Weidel: Angespanntes Verhältnis

Meuthen ist Europaabgeordneter. Er hatte in den vergangenen zwei Jahren für einen gemäßigteren Kurs der AfD plädiert. Damit hat er sich Feinde gemacht in der Rechtsaußen-Strömung der Partei um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke. Diese Strömung wird vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Bestrebung beobachtet.

„Das ist eine persönliche Entscheidung von Jörg Meuthen“, sagte Chrupalla der Deutschen Presse-Agentur. Das Verhältnis zwischen den beiden Co-Vorsitzenden war zuletzt sehr angespannt. Die AfD will ihren neuen Parteivorstand auf einem zweitägigen Bundesparteitag in Wiesbaden wählen, der für den 11. Dezember geplant ist.

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Bleibt es bei der Doppelspitze?

Er habe ja bereits angekündigt, dass er dort erneut kandidieren wolle, sagte Chrupalla. Wer – sollte es bei der Doppelspitze bleiben – aus seiner Sicht als Co-Vorsitzender infrage käme, wollte er nicht sagen. Aus der AfD ist zu hören, man sollte neben Chrupalla, der aus Sachsen stammt, einen Co-Vorsitzenden aus dem Westen wählen. Genannt werden in diesem Zusammenhang unter anderem Bundestagsfraktionschefin Weidel, der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen und der bayerische AfD-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Peter Boehringer.

Er wünsche den Delegierten auf dem Bundesparteitag eine glückliche Hand bei der Wahl der neuen Parteispitze, schrieb Meuthen. „Mögen sie eine besonnene Wahl treffen und vernünftige Vorstandsmitglieder wählen, die unsere Partei als entschiedene Rechtsstaatspartei und als starke und einzige entschlossen freiheitlich-konservative Kraft weiter voranbringen.“

Meuthen war im Sommer 2015 auf einem von Tumulten geprägten Parteitag in Essen erstmals zum Co-Vorsitzenden gewählt worden. Damals stand mit ihm Frauke Petry an der Spitze der Partei. Sie verließ die AfD nach der Bundestagswahl 2017 und beklagte einen Rechtsruck der Partei.

AR/kle (dpa, afp)




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