Afghanische Soldaten bringen sich in Sicherheit | Aktuell Asien | DW

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Nach dem Abzug der NATO-Truppen gerät die afghanische Armee immer stärker in Bedrängnis. Zuletzt flohen mehr als 1000 Soldaten vor den vorrückenden Taliban ins benachbarte Tadschikistan, wie der dortige Grenzschutz mitteilte. Die Taliban hätten „volle Kontrolle“ über sechs Bezirke in der Provinz Badachschan im Nordosten Afghanistans erlangt, teilte das tadschikische Komitee für nationale Sicherheit zusätzlich mit.

Der in der Provinz Badachschan stationierte Soldat Abdul Basir zeigte Verständnis für die Entscheidung seiner Kameraden. „Sie wollten sich nicht ergeben. Sie hatten um Verstärkung gebeten, aber ihr Ruf wurde ignoriert“, sagte er. Ein afghanischer Regierungsvertreter in Kabul erklärte, die Islamisten hätten den Soldaten den Rückzugsweg abgeschnitten, und ihnen sei keine andere Wahl geblieben. Die Taliban hatten zuvor sechs strategisch wichtige Bezirke in der nördlichen Provinz Badakschan erobert, die an Tadschikistan und China grenzt. Bereits davor waren Hunderte afghanische Soldaten nach Tadschikistan geflohen.

Die Taliban rücken seit Wochen vor und haben bereits zahlreiche andere Bezirke unter ihre Kontrolle gebracht. Vorausgegangen war der Beginn des Abzuges ausländischer Truppen. Die USA planen, ihre Soldaten bis zum August vollständig zurückzuholen. Der wichtigste Luftwaffenstützpunkt Bagram wurde am Freitag an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Von dort aus waren in den 20 Jahren des Afghanistan-Einsatzes zahlreiche Angriffe gegen die Taliban und andere islamistische Gruppen gestartet worden. Die Bundeswehr, die in Kundus im Norden stationiert war, hatte am 30. Juni ihren Einsatz beendet und die letzten Soldaten abgezogen.

Besorgt wegen der Lage zeigte sich auch Russland. Kremlsprecher Dmitri Peskow beklagte eine Destabilisierung wegen des Abzugs der Truppen der USA und ihrer Verbündeten. Zur Frage möglicher zusätzlicher Kontingente für eine Verstärkung der in Tadschikistan stationierten russischen Streitkräfte sagte er, dies müssten das russische Militär und der Grenzschutz entscheiden. Eine Entsendung russischer Truppen nach Afghanistan werde es aber nicht geben, betonte er.

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Deutsche Visa für Ortskräfte

Die deutsche Bundesregierung hat im Rahmen ihres Schutzprogramms für afghanische Ortskräfte und ihre Familien bislang 2400 Visa für die Aufnahme in Deutschland erteilt. Die Lage vor Ort sei aber schwierig und ein geplantes Kontaktbüro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) habe den Betrieb noch nicht aufgenommen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Seit Ende Juni seien sechs Ortskräfte, die für die deutschen Bundeswehrsoldaten gearbeitet haben, gemeinsam mit ihren Ehefrauen und Kindern in Deutschland angekommen. Rund 30 weitere Personen, die als gefährdet gelten, werden nach Angaben aus Bundeswehrkreisen in den kommenden Tagen erwartet. Die Bundeswehr habe bis zu ihrem Abzug in der vergangenen Woche Unterstützung geleistet und für 446 Ortskräfte und ihre Familien – insgesamt 2250 Personen – Reisedokumente vor Ort ausgegeben, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Viele von denen wollen aber so lange in ihrer Heimat bleiben, wie es die Sicherheitslage zulässt.

uh/sti (dpa, afp, rtr)




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