Afghanistan-Einsatz kostete mehr als 17,3 Milliarden Euro | Aktuell Deutschland | DW

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Der 20 Jahre dauernde Einsatz deutscher Soldaten und Entwicklungshelfer in Afghanistan hat nach Angaben der Bundesregierung mehr als 17,3 Milliarden Euro gekostet. Den weitaus größten Posten machte dabei das Militär aus.

Für die Beteiligung der Bundeswehr an den Einsätzen International Security Assistance Force (ISAF), Operation Enduring Freedom (OEF) und der Resolute Support Mission (RSM) in Afghanistan seien durch den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung von 2001 bis zum 31. August 2021 insgesamt rund 12,3 Milliarden Euro an einsatzbedingten Zusatzausgaben geleistet worden, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion.

Wie die Deutschen Presse-Agentur berichtet, gab demnach das Auswärtige Amt rund 2,48 Milliarden Euro für sogenannte projektbezogene Personal- und Sachkosten aus. Diese Summe beinhaltet nicht Personal- und Betriebskosten des Auswärtigen Amtes, wie sie im regulären diplomatischen Betrieb sowieso entstehen.

Bundeswehrsoldat bei Kundus (2010)

Bundeswehrsoldat bei Kundus (2010): Großteil der Mittel gingen ans Militär

Das Entwicklungsministerium stellte binnen 20 Jahren rund 2,46 Milliarden Euro in Afghanistan zur Verfügung. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gab in zwei Jahrzehnten 33 Millionen Euro aus.

Verschlusssache BND-Ausgaben

Angaben zu den Ausgaben des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Afghanistan wurden als geheim eingestuft. „Eine Offenlegung der entsprechenden Informationen würde die Aufgabenerfüllung des Bundesnachrichtendienstes stark beeinträchtigen, was wiederum die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder ihren Interessen schweren Schaden zufügen könnte“, teilte die Bundesregierung dazu mit.

Mit Hinweis darauf stuft die Bundesregierung auch als Verschlusssache ein, welche mit deutschem Geld aufgebaute Infrastruktur nun von den Taliban genutzt wird. „Eine zur Veröffentlichung bestimmte Antwort der Bundesregierung auf diese Frage würde Informationen zum Modus Operandi, zu den Fähigkeiten und Methoden sowie zur Erkenntnislage des Bundesnachrichtendienstes einem nicht eingrenzbaren Personenkreis nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland zugänglich machen“, heißt es dazu.

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Hinweisschild für deutsches Straßenbauprojekt in Kabul (2013): Welche Infrastruktur wird von den Taliban genutzt?

Das Verteidigungsministerium will am Mittwoch mit einer Bilanz des weitgehend gescheiterten Einsatzes beginnen. An dem Zeitplan dafür wird auch nach Kritik aus dem Bundestag festgehalten, wie ein Sprecher des Ministeriums am Montag in Berlin deutlich machte. Er verwies auch auf eine am 13. Oktober geplante Würdigung des Einsatzes, die man den Soldaten schuldig sei. Das gelte auch für eine Bewertung des Einsatzes durch die höchsten Vorgesetzten. „Und wir müssen insgesamt in einer kritischen Bilanz offen darüber reden, was gut war, was nicht gut war und was wir gelernt haben“, sagte er.

Verteidigungspolitiker mehrerer Fraktionen wollen der geplanten Auftaktveranstaltung fernbleiben – verbunden mit Kritik an dem dafür gewählten Zeitpunkt kurz nach der Bundestagswahl. Darunter sind Vertreter von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen.

„Moralische Zumutungen“

Eine Bilanz des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in diesem Sommer hat jetzt aus seelsorgerischer Sicht der Militärpfarrer gezogen, der die deutschen Soldaten dabei begleitete: Thomas Bretz-Rieck sprach rückblickend von „moralischen Zumutungen“ für die Soldatinnen und Soldaten.

Anders als in der Ausbildung gelernt, hätten sie es bei dem Einsatz nicht mit anderen Kämpfern zu tun gehabt, sagte der Militärpfarrer dem Evangelischen Pressedienst. In Kabul hätten „Frauen, Männer und Kinder in Zivil“ vor vor den Soldaten gestanden, die „in einer existenziellen, bedrohlichen, ausweglosen Lage waren“.

Soldaten der Bundeswehr und anderer Armeen beim Evakuierungseinsatz am Flughafen Kabul

Soldaten der Bundeswehr und anderer Armeen am Flughafen Kabul (im August): „Nicht dafür ausgebildet“

„Die Soldatinnen und Soldaten haben Verletzte gesehen, beobachtet, wie Zivilisten davon abgehalten wurden, auf das Flughafengelände zu kommen“, so Bretz-Rieck. Sie seien gezwungen gewesen, auszuwählen, wer in den Flieger kommt und wer nicht, oder hätten entscheiden müssen, ob sie noch einen Angehörigen aus der Menge holen können. „Dem Einzelnen waren sehr viele existenzielle Entscheidungen aufgebürdet – in der Konsequenz vielleicht über Leben und Tod.“

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Bretz-Rieck begleitete die Bundeswehrangehörigen in den letzten Tagen des knapp zweiwöchigen Evakuierungseinsatzes im August. Der 57-Jährige ist Militärpfarrer in Seedorf (Niedersachsen), wo die Fallschirmjäger stationiert sind, die maßgeblich an der Evakuierung beteiligt waren.

Der Militärseelsorger zeige sich überzeugt davon, dass der Einsatz bei den Soldatinnen und Soldaten Spuren hinterlassen wird. „Jeder Einsatz verändert einen“, sagte er. Das heiße aber nicht unbedingt, „dass man gleich einen bleibenden Schaden davonträgt“.

AR/gri (dpa, epd)




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