Amnesty: Sexuelle Gewalt war Kriegswaffe in Tigray | Aktuell Afrika | DW

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Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation, für den Mitarbeiter von Amnesty International (AI) Opfer befragt haben, zeichnet ein erschreckendes Bild, wie sich die äthiopischen Streitkräfte und ihre Verbündeten an der Zivilbevölkerung vergangen haben. Beim Konflikt in der äthiopischen Krisenregion Tigray war systematische Gewalt gegen Frauen und demnach bisher weit verbreitet.

Sie seien Opfer von Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, sexueller Versklavung, Verstümmelung der Genitalien und anderer Formen der Folter geworden, erklärte die Menschenrechtsorganisation zur Vorstellung ihres Berichts. Die Opfer seien gedemütigt worden; oft habe es diskriminierende Beleidigungen mit ethnischem Bezug und Todesdrohungen gegeben.

“Erschreckende Gleichgültigkeit”

Angehörige der äthiopischen Armee, aber auch Soldaten aus Eritrea, die sich mit der äthiopischen Zentralregierung gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) verbündet hatten, sowie Angehörige der paramilitärischen Spezialpolizei der Region Amhara und die amharische Miliz Fano hätten die Gräueltaten begangen. Sie alle hätten auf grausame Weise sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt, heißt es in dem Amnesty-Bericht.

Die Afrika-Expertin von Amnesty, Franziska Ulm-Düsterhöft, sagte: “Ziel der äthiopischen Streitkräfte und ihrer Verbündeten ist offenbar die gezielte Demütigung und Terrorisierung von Menschen tigrayischer Herkunft und die Zerstörung von Familien und Gemeinden.” Das Ausmaß der Gewalt offenbare eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Leben.

Amnesty sprach zwischen März und Juni mit 63 Überlebenden von Vergewaltigung und anderer sexualisierter Gewalt sowie mit Gesundheitseinrichtungen in Tigray. Die registrierten demnach 1288 entsprechende Fälle allein von Februar bis April 2021. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen.

Sudan Äthiopien Flüchtlinge

Flüchtlinge aus Tigray erreichen den Grenzfluss zum Sudan (Archivbild)

Äthiopische Regierungstruppen hatten im November eine Offensive gegen Tigrays TPLF begonnen, die in der gleichnamigen Region an der Macht war. Vor den Kämpfen, in die sich dann noch das Nachbarland Eritrea und Milizen aus der benachbarten Region Amhara einschaltete, flohen Hunderttausende Menschen, Tausende Menschen wurden seither getötet.

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Hintergrund des Konflikts sind jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung in Addis Abeba. Die TPLF dominierte Äthiopiens Politik mehr als 25 Jahre, bis Regierungschef Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam. Zur Volksgruppe der Tigray gehören etwa sechs Prozent der knapp 110 Millionen Einwohner des Vielvölkerstaates Äthiopien.

Im Juni hatte die Zentralregierung überraschend eine einseitige Waffenruhe in Tigray verkündigt, die die Kämpfe aber nicht stoppte. Allen Konfliktparteien werden schwere Verbrechen vorgeworfen.

qu/wa (dpa, epd)




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