Antisemitismus gegen Gil Ofarim: ″Packen Sie Ihren Stern ein″  | Aktuell Deutschland | DW

Antisemitismus gegen Gil Ofarim: ″Packen Sie Ihren Stern ein″  | Aktuell Deutschland | DW

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Der Musiker Gil Ofarim ist nach eigenen Angaben Opfer eines antisemitischen Vorfalls in einem Leipziger Hotel geworden. Dort habe ihn ein Mitarbeiter aufgefordert, seine Kette mit einem Davidstern einzupacken, berichtete Ofarim in einem veröffentlichten Video bei Instagram. Dann dürfe er einchecken.

Mitarbeiter lässt Ofarim stehen

Zuvor sei am Hotelempfang wegen technischer Probleme eine lange Schlange entstanden. Ofarim sagte, er habe sich eingereiht – mit seiner Davidstern-Kette um den Hals. „Das steht mir zu. Mache ich schon mein Leben lang“, sagte Ofarim im Video. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle.

Der Hotelmitarbeiter habe ihm die Antwort gegeben: „Um die Schlange zu entzerren“, dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe „irgendeiner aus der Ecke“ gerufen, dass er seinen Stern einpacken solle. Auch der Hotel-Mitarbeiter habe gesagt: „Packen Sie Ihren Stern ein.“ Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum verbunden werden. 

Der Sprecher der Leipziger Polizei, Olaf Hoppe, sagte, für ihn sei die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten „klar antisemitisch“. Die Polizei werde Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe. Je nach Ergebnis werde dann weiter ermittelt oder nicht. Mit Ofarim habe man bislang nicht gesprochen. Die Behörde kenne sein Video und habe es gesichert. 

Deutschland Leipzig The Westin Hotel

Ein Sprecher des „Westin Leipzig“ äußerte sich besorgt über die Berichte (Archivbild)

Ein Sprecher des Hotels „Westin Leipzig“ sagte, man sei besorgt über den Bericht und nehme die Angelegenheit extrem ernst. Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei. Ziel sei es, alle Gäste und Mitarbeiter unabhängig von ihrer Religion einzubeziehen, zu respektieren und zu unterstützen.

„Unfassbarer Fall“

Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien zeigten sich schockiert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb in einem Statement beim Kurznachrichtendienst Twitter, die Anfeindung sei erschreckend. Es sei zu hoffen, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe. Er hoffe ebenso, „dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.“ Der Pianist Igor Levit schrieb an das Hotel gerichtet: „Shame on you“.

Deutschland Leipzig | Verfassungsschutzbericht | Roland Wöller

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Sachsens Innenminister Roland Wöller hofft, dass Gil Ofraim Anzeige erstattet (Archivbild)

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sprach von einem „unfassbaren Fall von Antisemitismus“ und einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). „Eine rasche Antwort des Hotels ist überfällig. Aus unserer Sicht kann das nicht folgenlos bleiben“, schrieb die Bundesstelle auf Twitter. 

Auch sächsische Politikerinnen und Politiker äußerten sich. Sachsens Innenminister Roland Wöller hofft nach eigenen Worten darauf, dass der Musiker Anzeige erstattet, damit man den Vorgang polizeilich untersuchen könne. „Sachsen ist ein weltoffenes Land“, betonte der Ressortchef.

Rechter Rand in Sachsen wächst

Wöller musste auch den sächsischen Verfassungsschutzbericht für 2020 kommentieren. Als größte Gefahr wird darin der Rechtsextremismus benannt. „Unsere Demokratie war in jüngster Zeit noch nie so gefährdet wie aktuell“, sagte Wöller bei der Vorstellung des Papiers in Dresden. Sowohl linke als auch rechte Ränder erstarkten.

Dem Bericht zufolge wuchs die rechtsextreme Szene in Sachsen im Vorjahr auf 4800 Personen an (2019: 3400). Hintergrund sei die hohe Anzahl von Anhängern des AfD-„Flügels“, der seit März 2020 Beobachtungsobjekt der Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern ist. Der „Flügel“ habe sich zwar offiziell aufgelöst, bestehe aber informell fort.

EU-Kommission stellt Antisemitismus-Strategie vor

In Straßburg stellte die EU-Kommission derweil die erste „Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens“ vor. Hintergrund ist der zunehmende Antisemitismus in Deutschland und anderen europäischen Staaten. „Heute verpflichten wir uns, jüdisches Leben in Europa in all seiner Vielfalt zu fördern“, sagte
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Ihr Stellvertreter Margaritis Schinas erklärte, dies sei man den Überlebenden des Holocausts, aber auch künftigen Generationen schuldig. Die 27 Mitgliedstaaten sollen bis Ende kommenden Jahres eigene nationale Strategien entwickeln. Nach Angaben der EU-Grundrechteagentur sind neun von zehn Juden der Ansicht, dass Antisemitismus in ihrem Land zugenommen hat. 

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nob/jj (dpa, afp)




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