Aserbaidschan: Armenische Kräfte weiten Kampfzone aus | Aktuell Asien | DW

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Die seit mehr als einer Woche andauernde kriegerischen Auseinandersetzungen um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach fordern immer mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung. Die Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig, diese gezielt unter Beschuss zu nehmen.

Gegenseitige Vorwürfe der Konfliktparteien

So schrieb der aserbaidschanische Präsidentschaftsberater Hikmet Hadschijew auf Twitter, armenische Streitkräfte hätten Raketenangriffe gegen “aserbaidschanische Zivilisten und zivile Infrastruktur” geflogen. Das armenische Außenministerium wiederum warf den aserbaidschanischen Truppen vor, “bewusst die Zivilbevölkerung anzugreifen”.

Nach armenischen Angaben bombardierten aserbaidschanische Soldaten am Sonntag erneut die Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach, Stepanakert und weitere Städte. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben. Aserbaidschan warf Armenien einen Raketenangriff auf die zweitgrößte Stadt Gandscha vor. Auf Videoaufnahmen waren zerstörte Häuser in der 330.000-Einwohner-Stadt zu sehen.

Berg-Karabach Konflikt (David Ghahramanyan/NKR InfoCenter/PAN Photo/Reuters)

Zerstörte Häuser in Stepanakert

„Ausweitung der Kampfzone”

Der Präsident Berg-Karabachs, Arajik Harutjunjan, erklärte, seine Streitkräfte hätten eine Militärbasis in Gandscha angegriffen. Vorwürfe gezielt Zivilisten angegriffen zu haben, wies er zurück. Zugleich drohte er mit einer Ausweitung der militärischen Aktivitäten auf “das gesamte Staatsgebiet Aserbaidschans”. Ab jetzt seien auch die Stützpunkte in weiteren aserbaidschanischen Städten Ziele.

Der aserbaidschanische Präsidentschaftsberater Hadschijew erklärte, armenische Streitkräfte hätten bereits die Industriestadt Mingetschawir und den rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Baku entfernten Bezirk Abscheron angegriffen. Verteidigungsminister Sakir Hassanow sprach von einer “Ausweitung der Kampfzone”.

Rotes Kreuz kritisiert willkürliche Bombardierung

Seit Beginn der heftigen Kämpfe vor einer Woche wurden mindestens 250 Menschen getötet, darunter 42 Zivilisten. Die Berichte über Opferzahlen sind allerdings unvollständig. Beide Konfliktparteien sprechen von tausenden getöteten Kämpfern auf Seiten des Gegners und reklamieren militärische Erfolge für sich.

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Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) prangerte unterdessen die willkürliche Bombardierung von Städten und Dörfern an. Das Völkerrecht verbiete “wahllose und unverhältnismäßige Angriffe”, hieß es in einer Erklärung der in Genf ansässigen Organisation. Die Konfliktparteien müssten alles tun, um Zivilisten und zivile Infrastruktur wie Krankenhäuser, Schulen und Märkte zu schützen. Durch die heftigen Kämpfe seien hunderte Gebäude sowie Schulen und Krankenhäuser beschädigt worden, kritisierte das IKRK.

Russland Moskau Außenminister Heiko Maas bei Lawrow (DW/M. Soric)

Russlands Aussenminister Sergej Lawrow zeigt sich über den Konflikt besorgt

Auch Russland zeigte sich besorgt angesichts steigender Opferzahlen in der Zivilbevölkerung. Es sei eine schnellstmögliche Waffenruhe notwendig, forderte Außenminister Sergej Lawrow. Nach Angaben seines Ministeriums in Moskau telefonierte er am Sonntagabend mit seinem armenischen Kollegen Sohrab Mnazakanjan.

Aserbaidschan lehnt Feuerpause ab

Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew ließ dagegen in einer Fernsehansprache durchblicken, dass er aktuell eine von Russland, der EU und den USA geforderte Feuerpause ablehnt. “Aserbaidschan hat eine Bedingung, und das ist die Befreiung unserer Gebiete”, sagte Alijew. Bergkarabach gehöre zu Aserbaidschan. Armenien müsse das akzeptieren und einen Zeitplan für einen Rückzug nennen. Danach werde sein Land die Kampfhandlungen einstellen. Man werde Armenien aber nicht die Zeit zum Hochfahren seiner Stärke geben.

Armenien und Aserbaidschan kämpfen schon seit Jahrzehnten um die Region Berg-Karabach. Die überwiegend von Armeniern bewohnte Region mit rund 150.000 Einwohnern hatte sich 1991 nach einem Krieg von Aserbaidschan losgesagt. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Nach internationalem Recht gehört sie aber weiter zu Aserbaidschan und wird nicht als unabhängige Republik anerkannt. Da das mehrheitlich christliche Armenien mit Russland verbündet ist und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus. Durch den Südkaukasus laufen zudem wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

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Sorge vor weiterer Ausweitung des Konflikts

In der internationalen Gemeinschaft wächst auch die Sorge dass in Berg-Karabach islamistische Terroristen aus Syrien und Libyen ihr Geld mit Kämpfen verdienen könnten. Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan wirft der Türkei vor, Söldner in den Südkaukasus verlagert zu haben. Auch Russland hatte mitgeteilt, plausible Hinweise darauf zu haben.

ww/as (dpa, afp, rtr)




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