Bayer einigt sich im Glyphosat-Streit mit US-Klägern auf Vergleich | Wirtschaft | DW

Bayer einigt sich im Glyphosat-Streit mit US-Klägern auf Vergleich | Wirtschaft | DW

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Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat in den Rechtsstreitigkeiten um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup einen milliardenschweren Vergleich mit Klägern in den USA erzielt. Das teilte das Unternehmen in Leverkusen mit. Demnach ist Bayer bereit, bis zu 10,9 Milliarden Dollar (9,8 Milliarden Euro) zu zahlen, um fast alle der zahlreichen Glyphosat-Verfahren in den USA beizulegen und drohenden Rechtsrisiken in der Zukunft vorzubeugen.

Dreiviertel der Verfahren sollen beendet werden

Durch den Kompromiss sollen laut dem Konzern etwa 75 Prozent der aktuellen Verfahren zum Abschluss gebracht werden – mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen. Darüber hinaus erzielte der Konzern auch Einigungen bei weiteren Klagen, die den umstrittenen Unkrautvernichter Dicamba betreffen. Das Unternehmen werde 8,8 bis 9,6 Milliarden Dollar zahlen, um die aktuellen Fälle beizulegen. Hinzu kämen 1,25 Milliarden US-Dollar, “um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen”, hieß es in der Erklärung.

Monsanto Roundup Unkrautvernichter (picture-alliance/Photoshot)

Wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels Roundup sieht sich Bayer in den USA mit mehr als hunderttausend Klagen Klagen konfrontiert

Diesem Teil der Vereinbarung müsse noch ein Richter im US-Bundesstaat Kalifornien zustimmen. “Die Vereinbarungen wurden von Vorstand und Aufsichtsrat der Bayer AG unter Mitwirkung des eigens dafür eingerichteten Ausschusses zum Glyphosat-Rechtskomplex einstimmig genehmigt”, erklärte der Chemiekonzern. “Sie enthalten keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens.”

Teures Monsanto-Erbe

Der Leverkusener Dax-Konzern hatte sich 2018 mit dem mehr als 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisiken ins Haus geholt. Dessen glyphosathaltige Unkrautvernichter, neben Roundup auch Dicamba und PCB, stehen im Verdacht Krebserkrankungen hervorzurufen. Nachdem Bayer in drei Prozessen hohe Schadenersatz-Urteile kassiert hatte, warfen immer mehr Menschen dem Konzern vor, durch die Verwendung von Monsantos Unkrautvernichtern Krebs bekommen zu haben.

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Die Leverkusener wiesen die Vorwürfe stets zurück und bekamen dabei zuletzt nochmals Rückendeckung von der US-Umweltbehörde EPA, die Glyphosat bei vorschriftsmäßigem Gebrauch nicht als Gesundheitsrisiko einstuft. Nun teilte der Konzern mit, er habe sich trotzdem für den Vergleich entschieden, weil ein jahrelanger Prozessmarathon in den USA mit ungewissem Ausgang wahrscheinlich weit teurer geworden wäre. Die anstehenden Berufungsprozesse in den USA, in denen anders als bislang keine Geschworenen, sondern Berufsrichter geurteilt hätten, sollen trotz des Vergleichs weiterlaufen.

Bayer für Vergleich finanziell gerüstet

Die Glyphosat-Klagewelle hatte Bayer an der Börse massiv unter Druck und die Konzernführung um Vorstandschef Werner Baumann stark in die Kritik gebracht. Finanziell ist Bayer gerüstet für einen Vergleich. Allein der Verkauf der Tiermedizin-Sparte soll Bayer 7,6 Milliarden Dollar einbringen – den Großteil davon in bar, einen kleineren Teil in Aktien des Käufers Elanco. Die Bayer-Aktie drehte im Späthandel ins Plus, nachdem sie vorher bis zu 3,6 Prozent nachgegeben hatte.

ww/uh (dpa, afp, rtr)

 




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