Belarus fängt Flugzeug ab und nimmt Aktivist fest | Aktuell Europa | DW

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Roman Protassewitsch befand sich auf einem Flug zwischen den EU-Mitgliedsstaaten Griechenland und Litauen. Bei einer erzwungenen Zwischenlandung in Minsk wurde er festgenommen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Belta berichtet, war ein belarussischer Kampfjet aufgestiegen und hatte die Passagiermaschine über belarussischem Staatsgebiet abgefangen und zur Landung in der Hauptstadt Minsk gezwungen.

Staatspräsident Alexander Lukaschenko selbst habe dies angeordnet, mit der Begründung, es habe eine Meldung über explosive Stoffe an Bord gegeben. Die belarussische Präsidentschaft bestätigte, dass ein Kampfflugzeug vom Typ MiG-29 aufgestiegen sei, um das Flugzeug mit dem Oppositionellen an Bord abzufangen. Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten der Passagiermaschine um die Landeerlaubnis gebeten hätten. Eine Stellungnahme der Fluggesellschaft Ryanair gibt es noch nicht.

Screenshot flight radar Ryanair-Flug FR4978 Belarus

Die Maschine hatte Litauen fast erreicht, bevor sie in Minsk zwischenlanden musste

Wie der Oppositionskanal Nexta berichtet, wurde das Flugzeug nach der Notlandung überprüft. Dabei wurde kein Sprengstoff gefunden. Anschließend seien “alle Passagiere zu einer weiteren Sicherheitskontrolle geschickt” worden. Unter ihnen habe sich auch Protassewitsch befunden. “Er wurde festgenommen.”

Protassewitschs Nachrichtenkanal auf dem Messaging-Dienst Telegram gehört zu den wichtigsten Informationsquellen der Opposition. Nach den Massenprotesten gegen Lukaschenko im vergangenen Jahr war der 26-Jährige zur Fahndung ausgeschrieben worden.

Belarus Minsk 2017 | Roman Protasevich, Festnahme

Bei Protesten in Minsk im Jahr 2017 war Roman Protassewitsch (M.) von Spezialeinsatzkräften festgesetzt worden (Archivbild)

Die ebenfalls im Exil lebende Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja prangerte die Festnahme ihres Mitstreiters an. Die Regierung von Belarus habe die Landung der Maschine mit Protassewitsch an Bord “erzwungen”, schrieb sie auf Twitter. Belarus habe für die Festnahme die Sicherheit der Passagiere und der Zivilluftfahrt aufs Spiel gesetzt. Protassewitsch drohe nun die Todesstrafe in seinem Heimatland.

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Der litauische Präsident Gitanas Nauseda protestierte gegen die erzwungene Zwischenlandung und Protassewitschs Festnahme. “Das ist ein nie dagewesener Vorfall (…) Das Regime von Belarus steht hinter dieser abscheulichen Aktion”, schrieb er auf  Twitter. Nauseda forderte die Verbündeten Litauens in der EU und der NATO zu umgehenden Reaktionen auf.

Die deutsche Bundesregierung verlangt eine offizielle Stellungnahme von Belarus. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Miguel Berger, schrieb auf Twitter, eine “sofortige Erklärung” sei nötig.

Lukaschenko regiert Belarus seit 1994. Im vergangenen Jahr hatte er Massenproteste gegen seine offizielle Wiederwahl im August gewaltsam niederschlagen lassen. Menschenrechtsgruppen zufolge nahmen die Behörden seitdem rund 35.000 Personen fest. Behördenangaben zufolge wurden mehr als 1000 Gerichtsverfahren gegen Protestteilnehmer eröffnet.

uh/rb (dpa, rtr, afp)




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