Biden: ″Chaos″ bei US-Truppenabzug war unvermeidbar | Aktuell Welt | DW

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Nach Angaben der Bundeswehr fliegt der A400M über 200 Schutzbedürftige zunächst in die rund 600 Kilometer nördlich gelegene usbekische Hauptstadt Taschkent, wie bereits bei den ersten Evakuierungsflügen. Mittlerweile habe die Bundeswehr über 900 Personen auf dem Luftweg aus Afghanistan herausgebracht.

Wegen chaotischer Zustände am Flughafen Kabul hatte der Evakuierungseinsatz am Montag schleppend begonnen. Inzwischen hat sich die Lage etwas entschärft und das Rollfeld kann durchgehend für Starts und Landungen genutzt werden. US-Generalstabschef Mark Milley sagte, die Sicherheitslage am Flughafen sei gegenwärtig stabil. Nach US-Angaben sichern inzwischen rund 4500 amerikanische Soldaten den Airport. Vor dem Flughafen haben die Taliban Checkpoints errichtet.

Die USA forderten die neuen afghanischen Machthaber auf, allen Ausländern und ausreisewilligen Afghanen ungehindert eine Evakuierung zu ermöglichen. „Uns liegen Berichte vor, wonach die Taliban entgegen ihren öffentlichen Erklärungen und ihren Zusagen gegenüber unserer Regierung Afghanen, die das Land verlassen wollen, daran hindern, den Flughafen zu erreichen“, sagte Vize-Außenministerin Wendy Sherman. Die Vereinigten Staaten erwarteten aber, dass die Islamisten allen Ausländern und allen Afghanen, die das Land verlassen wollten, „dies sicher und ohne Schikanen ermöglichen“. US-Vertreter seien deswegen direkt mit den Taliban in Kontakt getreten.

Afghanistan I Evakuierungsflüge aus Kabul

Geschafft: Einstieg zu einem Evakuierungsflug

Das Chaos beim Abzug der US-Truppen war nach Ansicht von Präsident Joe Biden unvermeidbar – aufgrund des Zusammenbruchs der afghanischen Regierung, des Militärs und der schnellen Machtübernahme der Taliban. Er wisse nicht, wie man es hätte schaffen können, den Abzug angesichts dieser Lage „ohne Chaos“ zu meistern, sagte Biden in einem Interview des Fernsehsenders ABC. Gleichzeitig versicherte er, die US-Soldaten am Flughafen Kabul könnten notfalls auch über den geplanten Abzugstermin am 31. August hinaus bleiben, falls bis dahin noch nicht alle ausreisewilligen Amerikaner evakuiert worden seien.

Washington Rede Präsident Biden Aghanistan

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Joe Biden sieht keine Fehler bei der US-Regierung im Umgang mit dem Chaos in Kabul

Bundesaußenminister Heiko Maas nannte am Mittwochabend die Lage am Flughafen von Kabul weiterhin zum Teil „außerordentlich chaotisch“. „Die Anzahl der Zugangspunkte ist beschränkt. Und nach unseren Informationen scharen sich Hunderte von Menschen vor diesen Toren, teilweise werden das auch Tausende, und dabei ist es immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen“, sagte Heiko Maas nach der Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin. Deutschland wolle weiterhin so viele Menschen wie nur irgendwie möglich aus Afghanistan in Sicherheit bringen. Derzeit gebe es „keine belastbaren Sicherheitszusagen, dass die Taliban afghanische Staatsangehörige frei zur Botschaft und zum Flughafen passieren lassen,“ fügte Maas hinzu.

Afghanistan I Flughafen in Kabul

Warten auf den rettenden Flug

Viele Länder versuchen, so schnell wie möglich eigene Landsleute und Afghanen auszufliegen, die etwa für die Streitkräfte anderer Staaten oder internationale Organisationen tätig waren und nun Racheaktionen der Taliban befürchten. Inzwischen haben Großbritannien, Frankreich, Italien und die Türkei Luftbrücken eingerichtet. Die Niederlande, Polen und Tschechien starteten ebenfalls erste Flüge.

Desaster der Geheimdienste: Totale Fehleinschätzung

Das US-Militär erklärte unterdessen, es habe keine Warnungen der Geheimdienste gegeben, die einen so schnellen Kollaps von Regierung und Streitkräften in Afghanistan vorhergesehen hätten. „Es gab nichts, das ich gesehen habe, oder irgendjemand anders, das auf einen Zusammenbruch dieser Armee und dieser Regierung innerhalb von elf Tagen hingewiesen hätte“, sagte Generalstabschef Milley. Es habe mehrere Szenarien gegeben, darunter eine rasche Machtübernahme der Taliban nach einem Kollaps. „Aber der zeitliche Rahmen eines schnellen Zusammenbruchs wurde weithin auf Wochen, Monate oder sogar Jahre nach unserem Abzug eingeschätzt“, sagte Milley.

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Die Frage nach einem möglichen Versagen der Geheimdienste bei der Einschätzung der Lage in Afghanistan dürfte am heutigen Donnerstag in Berlin auch das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags beschäftigen. Bei einer Sondersitzung wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch der Chef des für die Auslandsaufklärung zuständigen Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, erwartet. Das Gremium überwacht die Arbeit der deutschen Geheimdienste.

qu/mak (dpa, rtr, afp)




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