Boris Johnson meldet sich aus der Quarantäne | Aktuell Europa | DW

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Er habe keine Symptome und fühle sich “fit wie ein Turnschuh”, sagte der britische Premier Boris Johnson. Auch Gesundheitsminister Matt Hancock beschrieb Johnson als “putzmunter”. Johnson hatte am Donnerstag den Abgeordneten Lee Anderson getroffen, der anschließend positiv auf das Virus getestet geworden war.

In einem Video im Kurzbotschaftendienst Twitter verwies Johnson auf seine schwere Corona-Erkrankung im Frühjahr. Obwohl er “die Krankheit bereits hatte und vor Antikörpern nur so strotze”, habe er sich nun erneut in Quarantäne begeben, sagte der Premierminister. “Wir müssen die Ausbreitung der Krankheit unterbrechen, und eine der Möglichkeiten, wie wir das jetzt tun können, besteht darin, uns 14 Tage lang selbst zu isolieren.”

Seine Arbeit werde er von seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street aus weiterführen, um die Corona-Politik der Regierung zu koordinieren.

Handelsbeziehungen nach australischem Vorbild

Johnson war Ende März positiv auf das Coronavirus getestet worden und schwer erkrankt. Seine Verlegung auf die Intensivstation inmitten der Corona-Krise hatte Großbritannien in einen Schockzustand versetzt. Die Krankheit setzte Johnson knapp einen Monat lang außer Gefecht, durch sein Übergewicht galt er als Risikopatient.

Die Quarantäne des britischen Regierungschefs kommt für die Brexit-Verhandlungen mit der EU zur Unzeit. Johnson signalisierte, dass Großbritannien auch ohne ein Handelsabkommen auskommen könne. Der Premierminister ließ über sein Büro mitteilen, er werde keine Vorschläge akzeptieren, die die Hoheitsrechte des Landes unterhöhlten. Falls die EU die Souveränitätsrechte des Landes nicht akzeptiere, werde sich Großbritannien mit einem ähnlichen Status der Handelsbeziehungen zur EU begnügen, wie ihn etwa Australien innehabe. Darin sind lediglich einfache Grundprinzipien für den gegenseitigen Warenaustausch festgelegt. Dennoch gibt sich der Premier zuversichtlich, dass sein Land auch dann “florieren” werde.

Nordirland Grenze Irland Rinder (picture-alliance/Xinhua/H. Yan)

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Die Nordirlandfrage ist nach wie vor ein Knackpunkt in den Brexit-Verhandlungen

In der EU sieht man die Zeit für die Verhandlungen in Brüssel verrinnen. Es werde “furchtbar eng” und sei “vielleicht schon zu spät” für eine rechtzeitige Übereinkunft vor 2021, warnte ein ranghoher EU-Vertreter, der nicht genannt werden wollte. Als ein Stolperstein gilt das geplante britische Binnenmarktgesetz. Es würde London die Möglichkeit geben, die im Brexit-Vertrag bereits festgeschriebene Regelung auszuhebeln, wonach in der britischen Provinz Nordirland auch künftig EU-Zoll-Regeln gelten sollen. Die EU fordert, die Pläne fallenzulassen, da mit dem Gesetz internationales Recht gebrochen würde.

Nach dem EU-Austritt ist Großbritannien bis Ende 2020 in einer Übergangsphase, in der noch EU-Regeln gelten. Um die künftigen Beziehungen samt Freihandelsabkommen wird seit Monaten gerungen – bislang ohne Ergebnis, weshalb die Wirtschaft ab 2021 Zollschranken und massiv erschwerte Handelsbeziehungen befürchtet.

nob/rb (afp, rtr)




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