Bund und Länder wollen Corona-Regeln neu justieren | Aktuell Deutschland | DW

Bund und Länder wollen Corona-Regeln neu justieren | Aktuell Deutschland | DW

0 Von


Wie soll die Politik auf die dramatisch zunehmende Welle der Neuinfektionen mit dem Coronavirus reagieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Beratungen von Bundeskanzler Olaf Scholz und der Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer, die sich an diesem Freitagmittag zu einer Videokonferenz treffen. Eine Beschlussvorlage für das Treffen, die der Deutschen Welle vorliegt, sieht unter anderem vor, die geltenden Fristen für eine Quarantäne zu verringern und die Zutrittsschwellen für die Gastronomie zu erhöhen. Genesene oder Geimpfte, die noch nicht „geboostert“ sind, brauchen demnach künftig „inzidenzunabhängig und bundesweit“ fürs Restaurant oder Café noch einen zusätzlichen aktuellen Test.

Mit einer Verkürzung der Quarantäne-Fristen sollen Personalengpässe nicht nur in Schlüsselbereichen wie dem Gesundheitssektor vermieden werden. „Künftig sollen diejenigen Kontaktpersonen, die einen vollständigen Impfschutz durch eine Auffrischungsimpfung vorweisen, von der Quarantäne ausgenommen sein“, heißt es in dem Papier. Ob sich die Runde zu derartigen Maßnahmen durchringt, ist offen, da es sich bei dem Papier um eine Diskussionsgrundlage handelt.

Keine großen Streitpunkte mehr?

Unmittelbar vor der Bund-Länder-Runde rechnet Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte allerdings nicht mehr mit großen Streitpunkten. „Es liegt ein Beschlussvorschlag vor. Und ich erwarte eigentlich, dass wir uns auf dieser Linie, die da vorgezeichnet wird, auch einigen können“, sagte der SPD-Politiker im ARD-Fernsehen. Es werde eine gemeinsame Regelung zu 2G plus im Kernbereich der Gastronomie geben sowie eine dringende Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel. „Und wir werden uns natürlich auch mit erleichterten Quarantäneregelungen beschäftigen, damit wir auch bei stark steigenden Fallzahlen die kritische Infrastruktur weiter am Laufen halten können“, sagte Bovenschulte.

Empfehlung:   Ausnahmezustand über Madrid verhängt | Aktuell Europa | DW

Wegen des befürchteten steilen Anstiegs der Infektionszahlen durch die Omikron-Variante hatten Bund und Länder bei Gesprächen am 21. Dezember verschärfte Kontaktbeschränkungen beschlossen. Kurz nach Weihnachten traten sie in den meisten Bundesländern in Kraft: Seitdem dürfen sich auch Geimpfte und Genesene nicht mehr unbegrenzt treffen, sondern maximal zu zehnt, Kinder nicht mitgezählt. Für Treffen, an denen auch nur ein Ungeimpfter oder nicht Genesener beteiligt ist, gilt schon länger: Es dürfen nur Leute des eigenen und maximal zwei Personen eines anderen Haushalts dabei sein, Kinder nicht mitgezählt. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich vor den Beratungen am Freitag für weitere Kontaktbeschränkungen ausgesprochen. Der Expertenrat der Bundesregierung empfiehlt dies vorerst aber nicht.

Expertenrat warnt vor Überlastung der Kliniken

In die heutigen Bund-Länder-Beratungen dürfte nicht zuletzt die zweite Stellungnahme dieses Expertenrats einfließen. Das Gremium aus Virologen, Immunologen, Kinder- und Jugendmedizinern, Ethikern und Bildungsforschern hatte das Papier am Donnerstag vorgelegt. Es schätzt die Situation so ein: Trotz abklingender Delta-Welle und gesunkener Patientenzahlen in den Kliniken ist die Belegung der Intensivstationen weiterhin auf einem hohen Niveau, teils seien Intensivkapazitäten auch „dauerhaft ausgelastet“. Die Omikron-Variante wird nach Ansicht der Experten „zeitnah“ auch in Deutschland dominant sein.

Die Experten verweisen auf erste Studien, die darauf hindeuteten, dass Omikron zu milderen Krankheitsverläufen führt – auch bei Kindern – und dass Krankenhausaufnahmen seltener werden. Sie bekräftigen aber, dass bei vielen gleichzeitig auftretenden Infektionen trotzdem viele Menschen ins Krankenhaus kommen könnten. Bei sehr hohen Inzidenzwerten sei mit einer „erheblichen Belastung und regional auch Überlastung“ der Kliniken zu rechnen. Gewarnt wird auch erneut vor Personalausfällen durch viele gleichzeitige Ansteckungen.

Empfehlung:   EU erwartet von Erdogan ″nachhaltige Deeskalation″ | Aktuell Europa | DW

Inzidenzwert steigt und steigt

Schon seit Tagen stellt das Robert-Koch-Institut eine deutliche Zunahme der gemeldeten Corona-Neuinfektionen fest. Der Inzidenzwert bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist erneut stark geklettert. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 303,4 an. Am Vortag hatte sie bei 285,9 gelegen, vor einer Woche bei 214,9. Der Wert beziffert die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen. Die Inzidenz liegt damit wieder so hoch wie zuletzt vor Weihnachten.

Wie das RKI nun unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 56.335 Neuinfektionen verzeichnet. Es war bereits der dritte Tag in Folge mit mehr als 50.000 Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es noch 41.270. Ferner wurden 264 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gezählt.

Der seit Tagen sichtbare Anstieg der Zahlen wird vor allem auf die Ausbreitung der hochansteckenden Virus-Variante Omikron zurückgeführt, die in anderen europäischen Ländern und den USA bereits für Höchststände gesorgt hat. In Deutschland liegt der Schwerpunkt weiter deutlich in Norddeutschland und dort bei den Stadtstaaten: In Bremen schoss sie sogar auf 799,6 nach oben. In Berlin liegt die Inzidenz jetzt bei 511,5, in Hamburg bei 444,1.

kle/pg (dpa, afp, rtr, epd)




Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

DigistoreProfi stellt den RSS-Nachrichtendienst nur zur Verfügung und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unsere Nachrichten soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.

Empfehlung:   Meeresschutzgebiet um Galapagos-Inseln vergrößert | Aktuell Amerika | DW