Corona-Aktuell: Angela Merkels kalte Dusche für alle Hoffenden | Aktuell Europa | DW

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Fünf Tage vor neuen Beratungen von Bund und Ländern hat Kanzlerin Angela Merkel Erwartungen auf ein schnelles Ende der Corona-Pandemie in Deutschland gedämpft. “Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, und sie fällt vor allem in eine schlechte Jahreszeit”, sagte Merkel in Berlin. “Sie wird uns noch den ganzen Winter beschäftigen.” Auch die positiven Nachrichten über die Impfstoffentwicklung würden daran nichts ändern und sich noch nicht auswirken. Deshalb müssten Corona-Vorsichtsmaßnahmen weiter gelten.

Spahn: Anzeichen für positive Veränderung

Eine Spur optimistischer äußerte sich Gesundheitsminister Jens Spahn. Er sieht Anzeichen für eine positive Veränderung der Corona-Lage in Deutschland. Die Dynamik des Infektionsgeschehens habe sich in den vergangenen Tagen “deutlich reduziert”, sagte Spahn den Fernsehsendern RTL und ntv. “Es steigt noch, aber es steigt weniger stark.” Noch sei es aber zu früh, von einer “Trendwende” zu sprechen. Am kommenden Montag wollen Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erneut über die Corona-Lage beraten.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wiehler (l.), und Gesundheitsminister Jens Spahn vor der Presse in Berlin (Foto: Tobias Schwarz/Reuters)

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wiehler (l.), und Gesundheitsminister Jens Spahn vor der Presse in Berlin

Nach jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden innerhalb von 24 Stunden bundesweit 18.487 neue Corona-Infektionen gemeldet. Das sind 3155 Fälle mehr als am Dienstag. Im Vergleich zum Mittwoch vergangener Woche ist der Wert etwas höher.

Beschränkungen in Heimen verfassungswidrig?

Die wegen Corona verhängten Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen in Pflegeheimen verstoßen einem Gutachten zufolge in weiten Teilen gegen das Grundgesetz. “Gutachter Friedhelm Hufen hat begründete Zweifel daran, dass das Infektionsschutzgesetz eine hinreichende Ermächtigungsgrundlage für die gravierenden Eingriffe in die Grundrechte von Menschen in Pflegeeinrichtungen darstellt”, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) in Bonn mit.

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Dem Gutachten zufolge müssten die negativen Auswirkungen der Maßnahmen auf die Gesundheit der Heiminsassen bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung viel stärker in den Blick genommen werden. Eine niemals zu rechtfertigende Verletzung der Menschenwürde liege in jedem Fall vor, wenn Menschen aufgrund von Besuchsverboten einsam sterben müssten, hieß es.

Wie massiv darf die Isolation von alten und pflegebedürftigen Menschen in deutschen Heimeinrichtungen sein? (Foto: Swen Pförtner/dpa/picture-alliance)

Wie massiv darf die Isolation von alten und pflegebedürftigen Menschen in deutschen Heimeinrichtungen sein?

Die BAGSO forderte mit Blick auf die Studien-Ergebnisse Politik, Behörden sowie Heimleitungen auf, die Grundrechte der Betroffenen zu wahren. Sie tue das mit “besonderer Dringlichkeit”, weil vielerorts Pflegeeinrichtungen Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen angesichts gestiegener Infektionszahlen wieder verschärften.

Corona-Fälle in Italien überschreiten die Millionengrenze

Italien hat die Schwelle von einer Million registrierter Corona-Fälle überschritten und einen neuen Höchstwert bei der Zahl der Menschen, die durch das Coronavirus ums Leben gekommen sind. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starben binnen 24 Stunden 623 Menschen mit SARS-CoV-2. In dieser Zeit wurden knapp 33.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet, was die Gesamtzahl auf rund 1,028 Millionen Fälle steigen ließ. Bereits am Dienstag war die Zahl der COVID-19-Opfer mit 580 innerhalb eines Tages so hoch wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. Insgesamt starben in dem Land mit rund 60 Millionen Einwohnern damit knapp 43.000 Menschen mit dem Virus.

Die Regierung in Rom hatte im Kampf gegen die Pandemie das Land in drei Risikozonen eingeteilt und die Maßnahmen in einigen Regionen am Dienstag weiter verschärft. Zu den vier bereits bestehenden Roten Zonen mit den strengsten Regelungen kam zuletzt Bozen-Südtirol hinzu. In die mittlere Risikozone (orange) wurden die Toskana, Basilikata, Ligurien im Nordwesten, Umbrien in Mittelitalien und die Abruzzen aufgenommen. Damit bestehen für mehr als die Hälfte der 20 italienischen Regionen strenge Ausgangsbeschränkungen.

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Neue Höchststände im Iran 

Im Iran haben die Zahlen der Corona-Toten und der Neuinfektionen neue Höchstwerte erreicht. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starben binnen eines Tages 462 Corona-Patienten. Im gleichen Zeitraum wurden 11.780 Neuinfektionen registriert. Damit liege die Gesamtzahl der Corona-Toten im Land aktuell bei fast 40.000, die der Infizierten bei über 700.000, hieß es in Teheran weiter. Die Fallzahlen dürften jedoch mehr als doppelt so hoch sein wie angegeben, weil es im Iran laut Gesundheitsexperten noch zu wenige Testmöglichkeiten gibt.

Notstand in Slowakei bis 29. Dezember 

Die slowakische Regierung verlängerte den seit Oktober geltenden Notstand bis zum 29. Dezember. Die unabhängig davon geltende Ausgangssperre soll dagegen nach derzeitiger Planung nicht verlängert werden. Bislang ist vorgesehen, dass schon Ende dieser Woche das Verbot ausläuft, ohne negativen Corona-Test die eigene Wohnung zu verlassen. Dies bleibe unverändert, erklärte Justizministerin Maria Kolikova in Bratislava.

Budenzauber der besonderen Art: Antigen-Schnelltests in der slowakischen Hauptstadt Bratislava (Foto: Vladimir Simicek/AFP/Getty Images)

“Budenzauber” der besonderen Art: Antigen-Schnelltests in der slowakischen Hauptstadt Bratislava

In einer international beispiellosen Aktion hatte die Slowakei an den vergangenen beiden Wochenenden fast alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen. Wer keinen negativen Test vorweisen kann, darf seither nicht einmal zur Arbeit gehen. Geschäfte wurden zwar nicht behördlich geschlossen, dürfen aber nur Kunden einlassen, die einen negativen Test vorweisen können. Die Schulen sind landesweit nur für Kinder bis zehn Jahren geöffnet.

“Sputnik V” mit 92 Prozent Wirksamkeit

Nur zwei Tage nach dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer hat nun auch der russische Impfstoffentwickler verkündet, dass sein Vakzin zu mehr als 90 Prozent sicher sei. Die Wirksamkeit von “Sputnik V” liege bei 92 Prozent, teilten das Gamaleja-Forschungsinstitut und der russische Staatsfonds RDIF, der den Impfstoff finanziert, in einer gemeinsamen Erklärung mit.

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Der russische Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien, in der er außer auf seine Verträglichkeit auch auf seine Wirksamkeit untersucht wird. Laut der Erklärung beziehen sich die Berechnungen nun auf ein Zwischenergebnis bei 16.000 Probanden. Nur 20 von diesen, darunter auch aus der Gruppe der Placebo-Empfänger, hätten nach Erhalt der zweiten Dosis COVID-19 entwickelt. Dies entspreche einer “Wirksamkeitsrate von 92 Prozent”.

sti/kle (afp, dpa, rtr)




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