Deutscher Umweltpreis 2020: ″Träumereien funktionieren″ | Aktuell Deutschland | DW

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“Mit der Vergabe des Deutschen Umweltpreises werden Einsatz und Leistungen ausgezeichnet, die jetzt und zukünftig entscheidend und in vorbildhafter Weise zum Schutz und zur Erhaltung unserer Umwelt beitragen” – so steht es in den Statuten des Deutschen Umweltpreises. Seit 1993 wird er von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) verliehen und ist mit 500.000 Euro nach Angaben der Stiftung die höchst dotierte unabhängige Umweltauszeichnung Europas.

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An diesem Sonntag wird den Preis auch Annika Trappmann gemeinsam mit ihrem Bruder Hugo Sebastian Trappmann in Hannover entgegennehmen. Die Geschwister leiten die Blechwarenfabrik Limburg.

Der Betrieb hat eine 140-jährige Unternehmensgeschichte und mehr als 300 Beschäftigte. 22.000 Tonnen Weißblech werden jedes Jahr verarbeitet – das entspricht der Stahlmenge von drei Eifeltürmen. Die Blechcontainer, Lackdosen und Eimer finden Verbraucher etwa in Baumärkten, andere Blech-Verpackungen gehen in die Industrie.

Klimaschutz durch Neubau

Ursprünglich, sagt Annika Trappmann, wollte sie in einem Großkonzern arbeiten und war bereits in einem Bewerbungsverfahren, als in dem Familienunternehmen in Limburg dringend jemand für das Umweltmanagement gesucht wurde.

“Ich habe Betriebswirtschaft studiert, mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Management. Da lag nahe, dass ich das mache”, erzählt die 28-Jährige im Gespräch mit der DW. Kurz danach holte der Vater ihren heute 38-jährigen Bruder in die Geschäftleitung – die Familie ist eine von zwei Inhaberinnen des Unternehmens. Seit 2020 sind beide Geschwister in der Leitung tätig.

Annika Trappmann hatte vom ersten Tag an viel zu tun, denn die Blechwarenfabrik Limburg zog um. Die damals 24-Jährige übernahm die Projektleitung und Bauüberwachung.

Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung

Mit dem Neubau der Fabrik sollten die Blechwarenfabrik effizienter und umweltfreundlicher werden. “Es war klar: Entweder wir investieren und werden effizienter oder wir werden in wenigen Jahren vom Markt verdrängt.” In der Branche herrsche ein enormer Preisdruck und Konkurrenzkampf, so Trappmann.

Umweltpreisträger Hugo Sebastian Trappmann überprüft mit einem Mitarbeiter eine Maschine in der Blechwarenfabrik Limburg

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Neue Maschinen und digitalisierte Abläufe ermöglichen eine deutliche CO2-Reduktion

“Mitarbeiter haben viel Wissen darüber, was in einem Unternehmen verbessert werden kann, deswegen haben wir Projektgruppen gebildet, die den Unternehmens-Neubau mitgestaltet haben. Dabei waren Träumereien ausdrücklich willkommen.” Viele dieser Träumereien sind mittlerweile Realität geworden – “weil sie funktionieren”, sagt die junge Geschäftsführerin.

Viele Neuerungen entwickelten die hauseigenen Ingenieure selbst. “Wir fanden einfach keine Partner auf dem Markt, die genau so ambitionierte Vorstellungen hatten wie wir.”

2600 Tonnen weniger CO2-Emmissionen

So kommt das neue Fabrikgebäude ohne konventionelle Heizung aus. Für die Wärme im Winter sorgt allein die Abwärme aus der Produktion. Im Sommer macht die durch Umwandlung der Wärmeenergie eine Kühlung möglich. Metallreste fallen durch neu entwickelte Maschinen und verbesserte Produktionsabläufe fast gar nicht mehr an. “Das Tolle an Stahl ist ja, dass es sich zu fast 100 Prozent recyceln lässt.” Rund 100 Tonnen Weißblech spart der Betrieb so ein.

Beleuchtet wird die Fabrik mit stromsparenden LED-Leuchten, die sich je nach Bedarf automatisch an- oder ausschalten. Solaranlagen auf den Dächern sorgen für Strom. Schon ein Drittel der Produktion wird damit betrieben. “Wir hoffen, dass wir den Strom künftig mit neuer Batterie-Technik speichern und noch mehr davon in die Produktion speisen können”, so Annika Trappmann.

Dank aller Maßnahmen stößt die Blechwarenfabrik Limburg jetzt nach eigenen Angaben jährlich etwa 2600 Tonnen weniger Kohlendioxid aus und spart 30 Prozent der vorherigen Energiekosten ein.

“Richtungsweisend für produzierende Branchen”

Für dieses Engagement erhält das Geschäftsführer-Duo nun den begehrten Deutschen Umweltpreis. Die von den Unternehmern eingesetzten Maßnahmen seien “als Best-Practice-Beispiel im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes richtungsweisend für viele andere produzierende Branchen”, so die Jury.

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Den Preis teilen sich Annika und Hugo Sebastian Trappmann mit Klima-Ökonom Professor Ottmar Edenhofer. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hatte die Idee der CO2-Bepreisung entwickelt. Sie habe wichtige Impulse in der Debatte über finanzielle Anreize für mehr Klima- und Naturschutz geliefert, so die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Den Ehrenpreis der Stiftung in Höhe von 10.000 Euro erhält der Wissenschaftler Martin Sorg, der die Forschungen beim Entomologischen Verein Krefeld koordiniert. Seine Studie, die belegt, dass die Menge der Fluginsekten in den vergangenen Jahren um 76 Prozent zurückging, habe Gesellschaft, Politik und Wissenschaft wachgerüttelt, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Was mit ihrem Preisgeld von 250.000 Euro geschehen soll, sei für sie und ihren Bruder bereits klar, erzählt Annika Trappman: Es fließt ins Unternehmen – für Sonderprojekte in Sachen Energieeffizienz und Ressourcenschonung.




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