Deutschland erkennt Kolonialverbrechen in Namibia als Völkermord an | Aktuell Deutschland | DW

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“Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen”, sagt Außenminister Heiko Maas in Berlin. Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an und benennt dies auch so. Eine offizielle Bitte um Vergebung soll durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem Festakt im namibischen Parlament erfolgen.

1,1 Milliarden Euro für Entwicklungsprojekte

Die Nachkommen der Opfer wird die deutsche Regierung mit einem Milliardenbetrag unterstützen. “Als Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde, wollen wir Namibia und die Nachkommen der Opfer mit einem substanziellen Programm in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung unterstützen”, erläutert Maas. Mit dem Geld sollen über einen Zeitraum von 30 Jahren vor allem Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama gefördert werden. Dabei soll es auf Wunsch der namibischen Seite um die Bereiche Landreform einschließlich Landkauf und Landentwicklung, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen, wie das Auswärtige Amt mitteilt.

Namibia Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Windhuk

Entwicklungsminister Gerd Müller trifft 2019 in Windhuk Angehörige der Herero und Nama

Die Bundesregierung betont zugleich, aus ihrer Anerkennung des Völkermords und der Gründung des Hilfsfonds ergäben sich keine rechtlichen Ansprüche auf Entschädigung, es gehe um eine politisch-moralische Verpflichtung.

Zuvor hatten Delegationen beider Länder nach mehr als fünfjährigen Verhandlungen eine Einigung über eine gemeinsame politische Erklärung erzielt, der beide Regierungen nun zugestimmt haben.

Soldaten des deutschen Kaiserreichs 1904 in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika

Soldaten des deutschen Kaiserreichs 1904 in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika

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Das heutige Namibia war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Im Mittelpunkt des Dialogs zur Aufarbeitung der Vergangenheit standen die Geschehnisse zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, als Truppen des deutschen Kaiserreichs unter Lothar von Trotha (1848-1920) äußerst brutal gegen Herero und Nama vorgingen. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet.

Der deutsche Außenminister weist mit Blick auf das Abkommen darauf hin, das sei kein Schlussstrich unter die Vergangenheit. Es sei aber “ein wichtiger Schritt, um die Verbrechen aufzuarbeiten und gemeinsam die Zukunft zu gestalten”.

se/bru (dpa, kna, afp) 




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