Deutschland reduziert Botschaftspersonal in Kabul | Aktuell Asien | DW

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“Wir werden die Belegschaft der deutschen Botschaft in Kabul in den nächsten Tagen auf das operativ notwendige absolute Minimum reduzieren”, sagte Außenminister Heiko Maas nach einer Sitzung des Krisenstabes in Berlin.

Maas kündigte auch an, es werde “sofort” ein Krisenunterstützungsteam nach Kabul geschickt, das dabei helfen solle, die “Sicherheitsvorkehrungen” zu erhöhen und “die Maßnahmen, die wir beschlossen haben, umzusetzen”. Zudem würden die “ohnehin für diesen Monat vorgesehenen Charterflüge” vorgezogen, mit denen Mitarbeiter der Deutschen Botschaft und afghanische Ortskräfte nach Deutschland gebracht werden sollen.

Visa werden in Deutschland ausgestellt

Ortskräften, die noch kein deutsches Visum hätten, werde dieses künftig in Deutschland erteilt. “Das wird die Ausreise beschleunigen”, betonte Maas. Die diplomatische Vertretung werde jedoch arbeitsfähig bleiben.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan DE

Der Außenminister appellierte abermals an alle Deutschen, Afghanistan jetzt zu verlassen. Nach Schätzung des Auswärtigen Amts in Berlin befindet sich “eine hohe zweistellige Zahl” deutscher Staatsbürger in Afghanistan. Bundeswehrangehörige und anderes “entsandtes Personal”, etwa in der Botschaft, sind dabei nicht mitgerechnet.

USA schicken 3000 Soldaten

Auch andere westliche Staaten bemühen sich fieberhaft, Landsleute und Botschaftspersonal auszufliegen. Zuletzt teilten Dänemark und Norwegen mit, ihre Botschaften bis auf weiteres komplett zu schließen.

Die USA haben bereits angekündigt, ihr Botschaftspersonal in den kommenden Wochen auf ein Minimum zu reduzieren. Außerdem sollen 3000 zusätzliche Soldaten zur Sicherung des Flughafens nach Kabul verlegt werden, um den Abzug von Teilen des Personals zu unterstützen. Außenministerium und Verteidigungsministerium in Washington stellten in Aussicht, dass die Truppen sehr schnell am Hindukusch sein sollen.

Kabul, Afghanistan | Binnenvertriebene aus den nördlichen Provinzen

Tausende Vertriebene suchen in Kabul Zuflucht

Zugleich versicherte der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, die Botschaft in Kabul bleibe an ihrem derzeitigen Standort geöffnet. “Es handelt sich nicht um eine Evakuierung. Es handelt sich nicht um einen vollständigen Rückzug”, so Price. “Wir haben vor, unsere diplomatische Arbeit fortzusetzen.” Die Taliban hätten klar und deutlich gesagt, dass sie nicht darauf aus seien, diplomatische Einrichtungen anzugreifen, so Price weiter.

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Große Gebietsgewinne der Taliban

Die radikalislamischen Taliban setzen ihre Gebietsgewinne in rasantem Tempo fort und haben inzwischen mehr als die Hälfte aller Provinzhauptstädte eingenommen. Nach der zweitgrößten Stadt Kandahar in der Nacht zu Freitag und der wichtigen Stadt Laschkargah am Morgen eroberten die Islamisten mit Pul-i Alam in der Provinz Logar eine Provinzhauptstadt nur rund 70 Kilometer südlich von Kabul.

Damit wächst die Sorge, dass die muslimischen Extremisten schon bald vor der Hauptstadt mit ihren rund vier Millionen Einwohnern stehen. Viele Menschen aus anderen Landesteilen haben sich in den vergangenen Wochen dorthin geflüchtet.

US-Militär schickt 3000 zusätzliche Soldaten zum Flughafen Kabul

Ein afghanischer Polizist in Herat – auch hier haben die Taliban inzwischen die Überhand

Aus Sicherheitskreisen heißt es seit längerem, dass in der Provinz Logar Taliban-Kämpfer für einen Angriff auf Kabul versammelt werden. Die Taliban kontrollieren fünf der sieben Bezirke, die beiden in der Nähe zur Provinz Kabul liegenden – Choschai und Mohammed Agha – sind umkämpft.

Derweil haben die Taliban einem Lokalpolitiker zufolge nach der Einnahme der Stadt Herat einen wichtigen Milizen-Kommandeur in ihre Gewalt gebracht. Mohammed Ismail Khan sei zusammen mit dem Provinzgouverneur und Sicherheitsbeamten den Taliban übergeben worden, sagte Provinzratsmitglied Ghulam Habib Haschimi. Die Taliban hätten zugesagt, den Beamten keinen Schaden zuzufügen. Kahn ist einer der prominentesten Milizenführer Afghanistans. Er hatte zuletzt Verbände gegen die Taliban angeführt.

Seehofer will alles für Ortskräfte tun

In Berlin versicherte Bundesinnenminister Horst Seehofer, er wolle alle in dem Land verbliebenen ehemaligen Mitarbeiter Deutschlands schnellstmöglich ausfliegen lassen. “Die Situation in Afghanistan wird immer bedrohlicher”, erklärt der CSU-Politiker. “Ob Charterflüge oder Visa-Erteilung nach Ankunft in Deutschland: Ich unterstütze alle Maßnahmen, die eine schnelle Ausreise unserer Ortskräfte und ihrer Familien ermöglichen”, fügte er mit Blick auf die ehemaligen afghanischen Unterstützer Deutschlands hinzu. “Am Innenministerium wird die zügigen Ausreise der Ortskräfte und ihrer Familien nicht scheitern. Für Bürokratie ist keine Zeit, wir müssen handeln.” Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte am Vortag erklärt, einige Ausreisen würden dadurch verhindert, dass die afghanischen Behörden gültige Ausweisdokumente verlangten.

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Nach Einschätzung der Vereinten Nationen wird die Lage der Menschen in Afghanistan immer bedrohlicher. “Wir stehen kurz vor einer humanitären Katastrophe”, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Genf. Vor allem Frauen und Kinder flüchteten vor den vorrückenden Taliban. Inzwischen sei die Lebensmittelversorgung von etwa einem Drittel der Bevölkerung nicht mehr sichergestellt, teilte zusätzlich ein Sprecher des Welternährungsprogramms mit.

uh/ml/jj (dpa, afp, rtr)




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