Eine Riesin: US-Autorin Joan Didion gestorben | Aktuell Amerika | DW

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„Self-respect – its source, its power“, war der Titel ihres ersten Texts, den die junge 20-jährige Joan Didion in New York für die „Vogue“ schrieb. Die Schilderung der Werte von Charakter und Selbstbewusstsein hatte bereits etwas Programmatisches für die Arbeit dieser Autorin, deren Werk später so grundlegend werden sollte für das, was in den USA guten Journalismus ausmachte: das genaue Beobachten der Zeitläufte, der sozialen und politischen Umstände, der ausgeprägte Stil einer Reporterin. Didion wurde mit ihren Artikeln, Novellen und Büchern zu einer Chronistin der Vereinigten Staaten.

„New Journalism“

Im Alter von 87 Jahren ist die zarte, starke Frau nun gestorben, wie die New York Times als erstes meldete. Ihr Name wurde genannt in einem Atemzug mit Tom Wolfe und Hunter S. Thompson – mit allem, was in den 1950er und 1960er Jahren als „New Journalism“ die Veröffentlichungen in den USA prägte.

Später Star auf Netflix

Wer Didion liebte oder auch wer sie nicht kannte, dem sei die großartige Netflix-Dokumentation empfohlen, die Didions Neffe Griffin Dunne 2017 über die Frau gedreht hat. „Joan Didion: The Center Will Not Hold“ ist nicht nur ein Einblick in das besonders kreative Leben einer Frau, sondern auch eine Spurensuche nach Verwerfungen in der Gesellschaft, die heute nicht nur in den USA für Spaltungen sorgen. „Die Mitte wird nicht halten“ – so ist es auch gekommen.

Joan Didion | amerikanische Journalistin und Schriftstellerin

Als Journalistin und Schriftstellerin erfolgreich: Didion in den 1970er Jahren

Ihr Leben zu beschreiben wäre nicht möglich ohne die Erwähnung ihres Mannes, John Gregory Dunne, der sich zunächst beim Time Magazin einen Namen als Autor gemacht hatte. Heute würde man von einem „Power-Couple“ sprechen, das sich stets inspirierte, anspornte, kritisierte. Beide waren ihre ersten Leser, und wenn es für den anderen in Ordnung war, war es auch für alle anderen. „A star is born“, eines ihrer gemeinsamen Drehbücher, ein Kino-Welthit, lange vor Lady Gaga mit Barbra Streisand. 

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Zur Tragik des Lebens von Joan Didion gehört, dass ihr Mann und ihre gemeinsame Adoptivtochter Quintana Roo Dunne in kurzer Folge starben. Den Tod ihres Mannes verarbeitete die Autorin in ihrem autobiografischen Buch „The Year of Magical Thinking“ im Jahr 2005. Der Roman wurde in den USA ein Bestseller, gewann den National Book Award und wurde für den Broadway umgesetzt – mit Vanessa Redgrave auf der Bühne.

Joan Didion | amerikanische Journalistin und Schriftstellerin

Cola, Zigaretten – und Sätze, die Stimmungen einfingen: Joan Didion

Als sie – und auch das kann man in der Netflix-Dokumentation sehen – an der Umsetzung für die Bühne arbeitete und da auch über Quintanas Erkrankung schreiben musste, machte sich das Team ernsthafte Sorgen um die zarte Frau, die am liebsten eiskalte Cola trank und so oft mit Zigarette gesehen wurde. Regisseur David Hare berichtet: „Das Großartige an der Arbeit mit Joan ist, dass sie sich nie anmerken lässt, wenn sie sich unwohl fühlt.“ Und: „Damals wog sie nur noch 34 Kilogramm. Und ich sagte zu ihr, wenn wir dieses Stück machen, braucht sie ein bisschen Fleisch auf den Knochen. Dafür werde ich sorgen.“

Im Weißen Haus gefeiert

Das Rezept: „Wenn ich mit ihr arbeitete, gab es Sandwiches, dann sagte ich: ‚Ich werde meins nicht essen, bis Du Deines gegessen hast….'“ Als die Spielzeit vorbei war, sei Joan in ziemlich guter Form gewesen.

Nun ist die Frau, die Ex-Präsident Barack Obama einst im Weißen Haus als herausragende Persönlichkeit des Landes feierte, in Manhattan den Folgen ihrer Parkinson-Krankheit erlegen. 




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