Ermittlungen nach Attacke auf Kippaträger in Köln | Aktuell Deutschland | DW

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Köln am späten Freitagabend: In einem Park der nordrhein-westfälischen Millionenmetropole wird ein 18-jähriger Jude von anderen Heranwachsenden schwer verletzt – offenbar weil er Kippa trug, die jüdische Kopfbedeckung für Männer. Wie die Kölner Polizei mitteilte, war der junge Mann von einer Gruppe junger Leute antisemitisch beleidigt, geschlagen und getreten worden. Außerdem sei ihm die Kippa vom Kopf gerissen und gestohlen worden.

Immer mehr Vertreter von Politik und Religion im westdeutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen melden sich zu Wort und verurteilen die Prügelattacke vom Wochenende. Die Synagogen-Gemeinde Köln zeigte sich „entsetzt“, „traurig“ und „wütend“ über den Vorfall. Die Mitglieder fühlten sich „nicht mehr sicher in ihrer Stadt“, sagte Vorstandsmitglied Felix Schotland. Er forderte von Polizei und Justiz, mit der nötigen Härte des Gesetzes gegen antisemitische Exzesse vorzugehen. Nicht nur mit Blick auf das bevorstehende jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana verlangte die Gemeinde Sicherheit, um unbeschwert feiern zu können – wenn das überhaupt noch möglich sei.

„Hässliche Fratze des Antisemitismus“

„Der feige Angriff auf einen jungen Mann in der Nacht zu Samstag in Köln hat offensichtlich wieder einmal die hässliche Fratze des Antisemitismus in Deutschland sichtbar gemacht“, sagte die Antisemitismusbeauftragte des Landes, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, in Düsseldorf. „Angriffe auf Leib und Leben von Jüdinnen und Juden sind widerwärtige Attacken, die konsequent verfolgt und mit aller Härte des Gesetzes bestraft werden müssen.“

Als „beschämend“ bezeichnete es der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, „dass antisemitisches Gedankengut und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger noch immer an der Tagesordnung sind“. Kirche und Gesellschaft hätten eine besondere Verantwortung dafür, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen könnten, so der katholische Geistliche.

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Fahndungserfolg mit Überwachungskameras

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) warb für mehr Aufklärung unter jungen Menschen über das Judentum. Die Tat von Köln sei auch ein Zeichen dafür, dass vor allem jungen Menschen in Schulen, Bildungseinrichtungen oder anderen öffentlichen Einrichtungen mehr über jüdisches Leben vermittelt werden müsse, so ORD-Vorstand Avichai Apel in Frankfurt am Main: „Jede Attacke auf jüdisches Leben ist eine zu viel und greift damit auch die gesamte Gesellschaft an.“

Henriette Reker

Oberbürgermeisterin Reker: „In Köln muss jeder angstfrei leben können“ (Archivbild)

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker drückte ebenfalls Entsetzen und Bedauern über die Tat aus. „In unserer Stadt muss jeder und jede angstfrei leben können“, machte Reker deutlich. „Diese Weltoffenheit gehört zu Köln und macht diese Stadt aus, daher schmerzen solche Übergriffe hier bei uns ganz besonders.“

Die Polizei nahm bereits kurz nach der Tat einen 18- und einen 19-Jährigen vorläufig fest, die an dem Überfall beteiligt gewesen sein sollen. Möglich machte es die Videoüberwachung der Polizei an den Kölner Ringen unweit des Tatorts im Kaiser-Wilhelm-Park. Die beiden Verdächtigen mussten aber mangels Haftgründen wieder entlassen werden. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Laut Polizei erlitt der 18-jährige Jude bei der Attacke unter anderem einen Bruch des Jochbeins und musste in eine Klinik. Inzwischen sei er aber wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

AR/jj (kna, epd, afp, dpa, Polizei Köln)




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