EU wartet auf den Impfstoff von AstraZeneca | Aktuell Europa | DW

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Die Vorzeichen scheinen nicht schlecht: Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft an diesem Freitag den Zulassungsantrag des britisch-schwedischen Pharma-Unternehmens AstraZeneca. Es wird mit einer bedingten Zulassung gerechnet. Sollte dies der Fall sein, will die EU-Kommission den Impfstoff mit Namen “Covishield” schnell zulassen.

Impfstoff kostet weniger und ist leicht zu lagern    

Das zusammen mit der Universität Oxford entwickelte Vakzin hat den Vorteil, dass es deutlich billiger und leichter zu lagern ist als die bereits in der EU zugelassenen Impfstoffe des Mainzer Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer sowie der US-Firma Moderna. So muss das Vakzin nicht tiefgefroren aufbewahrt werden.

Coronavirus | Impfstoff und Impfzentren

In Großbritannien wird das AstraZeneca-Vakzin allen Altersklassen verabreicht – hier ein 80-jähriges Ehepaar in einem Impfzentrum in Sunderland

Doch es gibt massive Lieferprobleme und unklar ist auch die Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs bei älteren Menschen. Der Hersteller hat in seinen klinischen Tests zur Wirksamkeit des Vakzins bei Menschen ab 65 Jahren nur wenige Daten erhoben.

Neue Impfreihenfolge? 

Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) deshalb, das Präparat nur den Personen anzubieten, die 18 bis 64 Jahre alt sind. Die Entscheidung führte angesichts der generell geringen Menge an verfügbaren Impfdosen zu einer neuen Diskussion über die Reihenfolge der Corona-Impfungen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte im ZDF: “Man muss jetzt nochmal die Impfpriorität und Impfhierarchie überdenken.” Der Impfstoff von AstraZeneca solle nun vermehrt an medizinisches Personal verabreicht werden. Gleichzeitig äußerte Söder die Befürchtung, dass die Unsicherheit um das Vakzin die Akzeptanz der Impfungen untergraben könnte.

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Bayerns Regierungschef Markus Söder plädiert dafür, nun verstärkt das Pflegepersonal zu impfen

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Ähnlich äußerte sich SPD-Chefin Saskia Esken. Sie sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: “Wir müssen zum einen umgehend alternative Impfstoffe für über 65-Jährige beschaffen und zum anderen die Impfreihenfolge für den in Kürze eintreffenden AstraZeneca-Impfstoff neu koordinieren”. Vor allem Klinik- und Pflegepersonal sollten als Erste von den nun freien Ressourcen profitieren.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 94,4 

Das Robert-Koch-Institut meldete an diesem Freitag 839 weitere Corona-Todesfälle binnen eines Tages. Insgesamt sind somit bislang 55.752 Menschen in Deutschland im Zusammenhang mit COVID-19 gestorben. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich dem Institut zufolge um 14.022 auf 2,192 Millionen. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in diesem Zeitraum, ging weiter zurück und liegt nun bei 94,4. Am Donnerstag war dieser Wert erstmals seit drei Monaten unter die Marke 100 gesunken.   

Von der Leyen: Der Vertrag ist glasklar   

Doch was den heftigen Streit zwischen der EU-Kommission und AstraZeneca um Lieferengpässe angeht, ist eine Lösung nicht in Sicht. Bereits vor Monaten hat sich die EU nach Angaben aus Brüssel 300 Millionen Impfdosen gesichert und eine Option auf weitere 100 Million Dosen ausgehandelt.

Belgien Brüssel | EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen pocht auf die Einhaltung der Lieferverträge

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen drängte den Hersteller nochmals zu klaren Lieferzusagen. “Es gibt verbindliche Bestellungen und der Vertrag ist glasklar”, verteidigte sie die europäische Impfstrategie im Deutschlandfunk. Um das zu zeigen, wolle man das Dokument an diesem Freitag publik machen.

Großbritannien will den Vertrag nicht öffentlich machen

Das lehnt Großbritannien mit Verweis auf Sicherheitsrisiken allerdings nach wie vor ab. “Die Regierung verheimlicht überhaupt nichts”, bekräftigte Staatssekretärin Lucy Frazer im Sender BBC auf die Frage, warum Großbritannien Informationen zurückhalte. Es gehe um Sicherheitsaspekte.

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Vor einer Woche hatte AstraZeneca Produktionsengpässe in einem Werk in Belgien eingeräumt und angekündigt, die der EU zugesagte Liefermenge nicht einhalten zu können. Ein EU-Diplomat sprach von einer Verringerung des Lieferumfangs um mehr als 60 Prozent im ersten Quartal.

39 Millionen Impfdosen von AstraZeneca?

Nun soll AstraZeneca angeboten haben, die Liefermenge auf möglicherweise 39 Millionen Dosen im ersten Quartal zu steigern, was die EU allerdings auch als völlig unzureichend ansieht.

Nach dem im August geschlossenen Vertrag müsste das Unternehmen mindestens 80 Millionen Dosen der EU zur Verfügung stellen. “Möglicherweise wären es sogar 120 Millionen, je nachdem, wie man den Vertrag liest”, sagte ein hoher Beamter in Brüssel.

Für Großbritannien und andere Nicht-EU-Staaten plant AstraZeneca wohl keine Lieferkürzungen.

se/sti (dpa, afp, rtr, epd)




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