Europa schottet sich gegen Großbritannien ab | Aktuell Europa | DW

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Das europäische Festland macht nach und nach die Schotten dicht: Alle Verkehrswege zum Vereinigten Königreich sollen weitgehend unterbrochen werden. Weil Frankreich die Grenzen zum Vereinigten Königreich geschlossen hat, wurden der wichtige britische Hafen Dover am Ärmelkanal sowie der Eurotunnel geschlossen. Auch die niederländische Regierung lässt keine Passagiere von Fähren aus Großbritannien mehr einreisen.

Sowohl Frachtverkehr als auch Passagiere würden gebeten, nicht mehr anzureisen, gab der Hafen Dover am Sonntagabend bekannt. Diese Beschränkungen seien für mindestens 48 Stunden von Mitternacht an in Kraft. Nur der unbegleitete Frachtverkehr sei genehmigt. Der letzte Zug von Großbritannien durch den Tunnel nach Frankreich fuhr am Sonntagabend in London ab.

Noch entscheidet jedes EU-Land für sich

Frankreich hat das Einreiseverbot wegen der neuen hoch ansteckenden Variante des Coronavirus verhängt. Das Verbot gilt für alle Grenzübergänge auf dem Luft-, See-, Schienen- und Landweg aus dem Vereinigten Königreich. Auch Deutschland schränkt die Reisemöglichkeiten ein. Das Bundesverkehrsministerium hat ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien und Nordirland verfügt. Man berufe sich dabei auf eine EU-Verordnung, damit könne die Regelung ab Mitternacht zunächst bis zum 31. Dezember gelten, heißt es. Ausgenommen sind reine Frachtflüge, Flüge mit medizinischem Personal oder wenn Jets nur mit Crews an Bord nach Deutschland zurückkehren.

An weiteren Regelungen werde noch gearbeitet, teilte das Ministerium mit. Auch die Verbindungen nach Südafrika sollen eingeschränkt werden. Die mutierte Variante des Virus war in dem afrikanischen Land ebenfalls entdeckt worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, die neue Variante sei bisher noch nicht in Deutschland nachgewiesen worden. Aber man nehme die Meldungen darüber sehr ernst.

British Airways-Flugzeuge am Flughafen London Heathrow

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Beim Flugverbot waren Belgien und die Niederlande vorgeprescht. Neben Deutschland zogen inzwischen auch Irland und Bulgarien nach. Italien und Österreich kündigten eigene Maßnahmen an.

Probleme zuhauf

Premierminister Boris Johnson hat für diesen Montag ein Krisentreffen seiner Regierung einberufen. Ein “steter Fluss von Fracht” aus und nach Großbritannien müsse sichergestellt werden. Wegen der Schließung der wichtigen Verbindungen wird der Druck vor allem auf den Frachtverkehr zwischen Großbritannien und der EU noch stärker zunehmen. Ohnehin kommt es seit Wochen auf den Autobahnen Richtung Dover und dem Eurotunnel zu langen Staus. Grund sind das hohe Aufkommen zu Weihnachten, aber auch größere Lieferungen von medizinischem Material wegen der Corona-Pandemie. Zudem versuchen viele Unternehmen, vor Ablauf der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember ihre Lagerbestände aufzufüllen.

Der britische Logistikverband UK Logistics äußerte sich “besorgt über das Wohlergehen der Fahrer.” Man versuche mit Hochdruck, an mehr Informationen zu kommen. Der Lebensmittel- und Getränkeherstellerverband Food and Drink Federation warnte vor Engpässen bei frischen Lebensmitteln zu Weihnachten.

Festung gegen britische Corona-Variante

Nach einem bislang unbestätigten Bericht der “Bild”-Zeitung strebt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Total-Abriegelung Europas für Reisen von und nach Großbritannien bis zum 6. Januar an. Anfang der Woche soll demnach die EU über die komplette Einstellung des Personenverkehrs zwischen dem europäischen Festland und dem Königreich entscheiden.

Die Bundeskanzlerin, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen und Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, erörterten in einem Telefonat die neue Lage. Nach Angaben aus Elysée-Kreisen habe ein gemeinsames Vorgehen im Mittelpunkt der Gespräche gestanden. Es gehe darum, Einfallstore für das Virus zu schließen.

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Die Virus-Mutation ist nach britischen Behördenangaben bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an. Auch die Landesteile Wales und Schottland verschärften die Restriktionen.

Wirken die neu entwickelten Impfstoffe?

Die Regierung in London äußerte sich besorgt über die Virus-Mutation. “Sie ist außer Kontrolle, und wir müssen sie wieder unter Kontrolle bekommen”, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock in der BBC.

Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt das Virus, um in Zellen einzudringen. Der in Großbritannien eingesetzte Impfstoff des deutschen Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein. Deswegen gibt es die Befürchtung, dass der Impfstoff gegen die neue Variante möglicherweise nicht wirkt. Nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson gibt es aber keine Hinweise darauf, dass die Mutation schwerere Krankheitsverläufe oder eine höhere Sterblichkeitsrate auslöse oder dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien.

qu/rb/ml (afp, dpa, rtr)




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