Fehlurteil gegen Schwarzen nach vier Jahrzehnten aufgehoben | Aktuell Amerika | DW

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Ein Richter in Missouri ordnete die sofortige Freilassung des 62-jährigen Kevin Strickland an. Der Afroamerikaner sei 1979 einzig und allein auf Grundlage der Aussage einer Augenzeugin verurteilt worden, die ihre Aussage später widerrufen habe. Der damalige Schuldspruch sei deswegen nicht haltbar.

„Ich bin nicht unbedingt wütend. Das wäre zu viel. Ich glaube, ich habe Emotionen entwickelt, von denen Sie alle noch nichts wissen“, sagte Strickland Reportern, als er das Western Missouri Correctional Center in Cameron verließ. „Freude, Trauer, Angst. Ich versuche herauszufinden, wie man diese Emotionen zusammen bringt.“

Urteil ohne Beweis

Strickland war 1979 wegen eines Dreifachmordes in der Stadt Kansas City in Missouri zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Opfer waren im Vorjahr gefesselt und erschossen aufgefunden worden. Eine Jury aus ausschließlich weißen Geschworenen sprach den Afroamerikaner schuldig. Die einzige Überlebende des Verbrechens hatte Strickland als einen der vier Täter identifiziert. Sie zog dies Aussage später aber zurück.

Kevin Strickland

Er ist wieder draußen – Kevin Strickland kann sein Glück noch nicht so recht fassen

Auch zwei andere wegen des Dreifachmordes verurteilte Männer sagten damals aus, Strickland sei nicht beteiligt gewesen, und nannten zwei andere Männer. Es gab keinerlei Beweis, der Strickland mit den Morden in Verbindung brachte – und er hatte ein Alibi für die Tatzeit.

Zuletzt kam auch die zuständige Staatsanwaltschaft zu dem Schluss, dass Strickland unschuldig sei. „Zu sagen, dass wir äußerst erfreut und dankbar sind, wäre eine Untertreibung“, so Staatsanwältin Jean Peters Baker. „Das bringt endlich einem Mann Gerechtigkeit, der so, so lange auf tragische Weise wegen einer falschen Verurteilung gelitten hat.“

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Kritik am Justizsystem

Für Strickland hatte sich das von der Jura-Fakultät der Universität von Missouri in Kansas City gegründete Midwest Innocence Project eingesetzt, das versucht, zu Unrecht verurteilte Menschen freizubekommen. Geschäftsführerin Tricia Rojo Bushnell beschreibt den Kampf für Strickland so: „Selbst wenn man den Staatsanwalt auf Deiner Seite hast – es hat uns Monate  gekostet, um Strickland nach Hause zu holen. Und er kommt nach Hause aus einem System, das ihm keine Entschädigung für die 43 verlorenen Jahre zahlt.“

In den USA werden nur dann Entschädigungen gezahlt, wenn ein Fehlurteil durch einen DNA-Beweis widerlegt wird. „Das ist keine Gerechtigkeit“, so Bushnell. „Aber wir hoffen, dass die Leute nun zuhören und die Frage stellen: ‚Wie sollte unser Justizsystem aussehen?'“

fab/AR (afp, ap)




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