Feuergefecht am Airport Kabul | Aktuell Asien | DW

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Der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul wird immer gefährlicher. Am Montagmorgen wurden deutsche Soldaten vor dem Flughafen erstmals in ein Feuergefecht mit unbekannten Angreifern verwickelt. Eine afghanische Sicherheitskraft wurde dabei getötet, drei weitere wurden verletzt.

Zu dem Schusswechsel am Flughafen kam es nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr am Nordtor des Flughafens, vor dem seit Tagen Tausende Menschen warten, um auf einen der Evakuierungsflüge zu kommen. An dem Abwehrgefecht beteiligten sich offenbar vor allem Soldaten der inzwischen aufgelösten afghanischen Armee, die an der äußeren Zugangsschleuse zum Flughafen eingesetzt sind. Aber auch US-Soldaten, die die innere Zugangsschleuse bewachen, und Bundeswehrsoldaten griffen in das Abwehrgefecht ein.

Identität der Angreifer unbekannt

Über die Angreifer am Flughafen wurde zunächst nichts bekannt. Die US-Regierung hatte erst am Sonntag Sorgen vor einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Airport oder in der Umgebung geäußert. „Die Bedrohung ist real, sie ist akut, sie ist anhaltend“, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, dem Sender CNN. Man nehme die Warnungen „absolut todernst“.

Bundeswehrmaschine bei Evakuierungsflug

Bundeswehrmaschine bei Evakuierungsflug: „Wir haben unglaublich viele Flüchtlinge in der Stadt“

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bestätigte die Terrordrohungen und beschrieb die Lage in Kabul als sehr angespannt. „Wir haben unglaublich viele Flüchtlinge in der Stadt, wir haben eine verschlechterte Versorgungslage, wir haben zunehmend auch Drohungen auch von anderen terroristischen Gruppen“, sagte sie „Bild TV“. Die militant-islamistischen Taliban und der regional aktive Zweig des IS sind verfeindet und haben in der Vergangenheit gegeneinander gekämpft.

Kurswechsel in Kabul

Angesichts der Lage ist die Bundeswehr dabei, ihre Evakuierungsstrategie zu ändern. Deutsche Spezialkräfte sind nun offenbar auch außerhalb des geschützten Airports im Einsatz, um Menschen sicher zu den Evakuierungsflügen zu bringen. Es sei im Moment fast nicht mehr möglich, zum Flughafen zu gelangen, begründete Kramp-Karrenbauer den Schritt. „Deswegen müssen wir sehr viel stärker dazu übergehen, die Leute sozusagen ‚abzuholen‘.“

Das Verteidigungsministerium bestätigte die Rettung einer Münchner Familie, die nach Berichten von „Bild“ und „Spiegel“ von Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in den Flughafen gebracht wurde. Bei der Geheim-Operation „Blue Light“ hätten sich die deutschen Soldaten zu Fuß vorgearbeitet und eine 19-jährige, deren kleinen Bruder und ihre Mutter gerettet, meldet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die beiden Hubschrauber, die für Evakuierungsflüge aus dem Stadtgebiet nach Afghanistan gebracht worden waren, kamen bisher nicht zum Einsatz.

Taliban stellen Ultimatum

Es bleibt nicht mehr viel Zeit für weitere Rettungsaktionen. Die Taliban, die vor gut einer Woche die Macht in Afghanistan übernommen haben, wollen einer Verlängerung der Evakuierungsmission westlicher Staaten über den 31. August hinaus nicht zustimmen. Diese Frist sei eine „rote Linie“, so Suhail Schahin, ein Mitglied der Taliban-Delegation in Doha, der Hauptstadt Katars. „Wenn sie vorhaben, die Besatzung zu verlängern, wird das eine Reaktion hervorrufen“, sagte Schahin dem britischen Sender Sky News.

Joe Biden

US-Präsident Biden: Verlängerung der Evakuierungsmission nicht ausgeschlossen

Den großen Andrang am Flughafen in Kabul erklärte Schahin mit dem Wunsch vieler Menschen, der Armut in Afghanistan zu entfliehen. Ängste vor Unterdrückung durch die Taliban würden als Vorwand genutzt und seien unbegründet, behauptete der Taliban-Vertreter in Doha.

US-Präsident Joe Biden hatte eine Verlängerung der Evakuierungsmission nicht ausgeschlossen, zugleich aber deutlich gemacht, er hoffe, sie werde nicht notwendig sein. Der britische Premierminister Boris Johnson will bei einem virtuellen Gipfel der G7-Staats- Regierungschefs am Dienstag bei Biden für eine Ausweitung der Frist werben.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan 21.8.2021 DE

AR/jj (dpa, afp, epd, rtr)




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