In Süditalien entwickelt sich ein neuer Migrations-Hotspot | Aktuell Europa | DW

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In der süditalienischen Küstenstadt Roccella Ionica und anderen Gemeinden der Region seien im Oktober bereits etwa 7000 Migranten angekommen – dreimal so viele wie im Vorjahr, schreibt die Zeitung „La Repubblica“. Viele der Migranten seien aus Afghanistan, bestätigte die Präsidentin des dortigen Roten Kreuzes im Fernsehsender Rainews 24. Den Berichten zufolge wählen die Menschen die neue Route von Ägypten oder der Türkei aus, anstatt die italienische Insel Lampedusa anzusteuern. Auf diese Weise wollen sie vermeiden, von der Küstenwache Libyens abgefangen zu werden.

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Ansa kamen am Samstag fast 330 Migranten auf einem Fischerboot in Roccella Ionica an. Vor Ort sind jedoch nicht genug Kapazitäten zur Aufnahme so vieler Menschen vorhanden. „Roccella hat sehr viel getan, aber kann nicht das Unmögliche schaffen“, zitierte Ansa Bürgermeister Vittorio Zito. In den Medien war gar die Rede davon, Roccella sei das neue Lampedusa.

Unterdessen rettete die Organisation Ärzte ohne Grenzen in mehreren Einsätzen knapp 300 Menschen im zentralen Mittelmeer aus Seenot. Darunter befänden sich viele Frauen und Kinder, teilte die Hilfsorganisation mit. Die Menschen seien in Schlauch- und Holzbooten unterwegs gewesen. Die Aktivisten des Hilfsprojekts Alarm Phone meldeten am Sonntag außerdem zwei Boote mit schätzungsweise insgesamt 120 Menschen in Seenot. Eines davon befände sich in der maltesischen Such- und Rettungszone. Bei Alarm Phone können sich Menschen in Seenot melden. Die Aktivisten dokumentieren die Fälle nach eigenen Angaben und informieren die zuständigen Küstenwachen. Viele Migranten legen meist von den Küsten Nordafrikas ab und versuchen, Italien zu erreichen.

Letzte Migranten verlassen „Sea-Watch 3“

Ebenfalls am Sonntag brachte das private deutsche Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ in Süditalien die letzten von insgesamt 412 geretteten Bootsmigranten an Land. „Wir sind erleichtert, diese herausfordernde Woche erfolgreich abgeschlossen zu haben“, teilte der Betreiberverein Sea-Watch via Twitter mit. Nach sieben Rettungseinsätzen und längerem Warten war der Organisation am Freitag das Einlaufen in den Hafen Pozzallo auf Sizilien erlaubt worden. In den vergangenen Tagen hatte es demnach bereits drei Evakuierungen vom Schiff gegeben. So wurden zwei hochschwangere Frauen kurz vor der Entbindung von der italienischen Küstenwache abgeholt sowie mehrere Frauen mit schweren Verbrennungen.

Italien I Migranten: Schiff Sea Watch 3 in Pozzallo

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Migranten verlassen die „Sea-Watch 3“ im Hafen von Pozzallo

Bereits am Samstag waren die Regensburger Seenotretter Sea-Eye in Palermo mit der „Sea-Eye 4“ zu einem weiteren Einsatz ins Mittelmeer aufgebrochen. Sie ist ein Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert wird. Es fordert von der künftigen Bundesregierung eine Kehrtwende in der Migrationspolitik.

In der Vergangenheit mussten private Seenotretter oft tagelang auf die Zuweisung eines sicheren Hafens in Europa warten. Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung für Migranten aus Afrika, die auf der Überfahrt nach Europa häufig in Seenot geraten. Nur private Organisationen halten mit verschiedenen Schiffen Ausschau nach gefährdeten Menschen. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) im Mittelmeer mindestens 1.530 Menschen zu Tode gekommen oder gelten als vermisst.

Papst fordert Hilfe für Migranten

Papst Franziskus rief derweil die Länder der Welt auf, in der Migrationskrise in Libyen zu handeln. „Ich bitte die internationale Gemeinschaft ein weiteres Mal, sich an die Versprechungen zu halten, eine gemeinsame und konkrete Lösung für die Migrationsströme in Libyen und dem gesamten Mittelmeerraum zu finden“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor vielen Gläubigen und Pilgern auf dem Petersplatz.

Der 84-Jährige forderte unter anderem, die Priorität auf die Rettung der Menschen im Mittelmeer zu legen und ihnen ein würdiges Leben sowie den Zugang zu Asylverfahren zu garantieren. „Ich drücke den Tausenden Migranten, Flüchtlingen und Schutzsuchenden in Libyen meine Nähe aus“, sagte der Argentinier. „Ich höre eure Schreie und bete für euch.“ So viele dieser Männer, Frauen und Kinder seien unmenschlicher Gewalt ausgesetzt. Papst Franziskus setzt sich seit langem für die Belange von Flüchtlingen ein.

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kle/qu (epd, dpa, kann)

 




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