Intensivmediziner: ″Wir haben fünf nach zwölf″ | Aktuell Deutschland | DW

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“Nach einem vorübergehenden Rückgang der Fallzahlen über die Osterfeiertage setzt sich der starke Anstieg der Fallzahlen fort”, schrieb das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Lagebericht. Die Zahl der von den Gesundheitsämtern gemeldeten Corona-Neuinfektionen bestätigen den Trend: Demnach registrierte das RKI binnen 24 Stunden 29.426 Corona-Neuinfektionen und 294 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung.

Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 20.407 Neuinfektionen verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, stieg damit von 153,2 am Vortag auf 160,1.

Intensivmediziner appellieren an Politik

Das verstärkte Infektionsgeschehen macht sich auch auf den Intensivstationen immer stärker bemerkbar. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die in ihrem Intensiv-Register täglich die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern dokumentiert, erwartet, dass der bisherige Höchststand von etwa 6000 COVID-19-Intensivpatienten noch im April wieder erreicht wird.

Angesichts der Entwicklung sendet der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivbettenregisters, Christian Karagiannidis, erneut einen Hilferufe. “Wir können es uns nicht leisten, noch wochenlang zu diskutieren”, warnte er im “Tagesspiegel”. Der frühere Präsident der Vereinigung, Uwe Janssens, sagte im Fernsehsender Phoenix: “Wir haben fünf nach zwölf, ihr müsst jetzt handeln, es muss jetzt eine Strategie verfolgt werden, die bundesweit einheitlich gilt.” Wären die vor Wochen beschlossenen Maßnahmen flächendeckend umgesetzt worden, hätte man die aktuelle Entwicklung mit einem starken Anstieg der Infektionszahlen noch abschwächen können.

Polen Sommerempfang im deutschen Generalkonsulat in Breslau

Hubert Aiwanger, Parteichef der Freien Wähler, will gegen das Infektionsschutzgesetz vorgehen (Archivbild)

Wenn das geplante Bundesgesetz erst Ende April beschlossen werde, werde die Patientenzahl auf 7000 steigen, hatte der jetzige Divi-Präsident Gernot Marx bereits prognostiziert. “Wir reden über sehr viele schwere Erkrankungen und über viele Menschen, die das nicht überleben werden”, sagte er. Karagiannidis betonte, den Tod seien Intensivmediziner zwar gewohnt – “aber so etwas hat es noch nicht gegeben”.

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Freie Wähler kündigen Verfassungsbeschwerde an

Derweil geht der Streit um die “Bundes-Notbremse” weiter. Die Bundesvereinigung der Freien Wähler kündigte an, per Verfassungsbeschwerde am Bundesverfassungsgericht gegen die geplante Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes vorgehen zu wollen. Der Bund sei nicht die richtige Ebene, pragmatische und sinnvolle Entscheidungen anstelle der Länder zu treffen, sagte Parteichef Hubert Aiwanger. Aus Sicht der Freien Wähler werde mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes das Subsidiaritätsprinzip ausgehebelt.

Die vom Bundeskabinett verabschiedete Änderung des Infektionsschutzgesetzes sieht bundeseinheitliche Maßnahmen für Regionen mit vielen Neuinfektionen vorsieht. Damit müssten sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen zwischen 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr und geschlossene Läden einstellen. Die Neuerungen sollen jedoch erst in der kommende Woche vom Parlament beschlossen werden und dann den Bundesrat passieren. Allerdings gibt es deutliche Kritik von der Opposition und einigen Bundesländer. Von diesen wiederum setzen die meisten, die in einer Bund-Länder-Konferenz beschlossene Notfallbremse ab einer Siebentage-Inzidenz von 100 seit Wochen nicht konsequent um. 

ww/nob (dpa, afp)




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