Joe Biden braucht noch Geduld | Aktuell Amerika | DW

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Im Rennen um das Weiße Haus verzögert sich die Entscheidung weiter. Der US-Bundesstaat Georgia gab bekannt, dass die Stimmzettel der Präsidentschaftswahl dort vermutlich neu ausgezählt werden. Grund ist der extrem knappe Ausgang: Zwar lag der demokratische Herausforderer Joe Biden hier vor dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump in Führung, doch der Vorsprung betrug nur etwas mehr als 1000 Stimmen.

Damit vereinigt Biden in vier von fünf noch umkämpften Bundesstaaten die meisten Stimmen auf sich – aber das Blatt könnte sich im Verlauf der weiteren Auszählung wieder wenden. So schmilzt offenbar der Abstand zu Trump in Arizona, wo Biden aber weiter mit deutlich mehr als 40.000 Stimmen führt. Gelänge es dem Demokraten allerdings, den Bundesstaat Pennsylvania zu holen, wo er zurzeit etwa 9000 Stimmen Vorsprung hat, wäre ihm im Electoral College eine Mehrheit sicher. 270 von insgesamt 538 Stimmen der Wahlleute werden zum Sieg benötigt.

 

Quelle für die Ergebnisse ist die amerikanische Nachrichtenagentur AP

 

“Diese Wahl ist nicht vorbei”

Das Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump warnte derweil davor, dessen Herausforderer schon jetzt zum Gewinner auszurufen. “Diese Wahl ist nicht vorbei”, erklärte der Anwalt des Teams, Matt Morgan. “Die falsche Prognose eines Sieges von Joe Biden basiert auf Ergebnissen aus vier Bundesstaaten, die noch lange nicht endgültig sind.”

USA Präsidentschaftswahlen | Donald Trump (Brendan Smialowski/AFP/Getty Images)

Will juristisch gegen eine Niederlage kämpfen: Amtsinhaber Donald Trump am Donnerstag im Weißen Haus

Ein US-Bundesrichter hatte zuvor den Antrag von Trumps Mannschaft auf einen Stopp der Auszählung in Pennsylvania abgelehnt. Der Amtsinhaber wollte erzwingen, dass die Auszählung nur dann fortgesetzt werden kann, wenn Beobachter aus seinem Lager dabeisein können. Allerdings hatten die Republikaner nach einem Gerichtsbeschluss bereits Zugang zu dem Wahlzentrum in Philadelphia. Trumps Anhänger vertreten indes die Ansicht, dass die Arbeit ihrer Beobachter behindert werde.

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Trumps Sohn fordert “totalen Krieg”

Der Präsident hatte sich bereits in der Wahlnacht zum Sieger erklärt und juristische Schritte angekündigt, was auch international als Angriff auf den demokratischen Wahlprozess gewertet wurde. Trumps ältester Sohn heizte die Stimmung zusätzlich an und forderte einen “totalen Krieg” gegen angeblichen Wahlbetrug. Es sei an der Zeit, “aufzuräumen und nicht mehr auszusehen wie eine Bananenrepublik”, schrieb Donald Trump junior auf Twitter. Der Onlinedienst versah die Kurzbotschaft mit dem Warnhinweis, der Inhalt sei “umstritten und möglicherweise irreführend”.

USA Präsidentschaftswahlen | Anhänger von Donald Trump (Jae C. Hong/AP Photo/picture alliance)

Für Amerika – und für Trump: Anhänger des Präsidenten in Las Vegas

Zwar stellten sich prominente Republikaner wie Lindsey Graham hinter Trump, es gab aber auch im eigenen Lager Kritik am Vorgehen des Präsidenten. Der Abgeordnete Will Hurd nannte Trumps Aufruf zu einem Stopp der Stimmauszählung “gefährlich und falsch”.

Herausforderer sucht Wogen zu glätten

Biden rief seinerseits zur “Ruhe” auf. Er habe “keine Zweifel”, dass er nach Auszählung aller Stimmen die Wahl gewinnen werde, sagte er. Nach Trumps Äußerungen schrieb Biden auf Twitter: “Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen.”

USA Präsidentschaftswahlen | Anhänger von Joe Biden (kyodo/dpa/picture alliance)

“Jede Stimme muss gezählt werden”: Biden-Unterstützer in Philadelphia

Der Präsident wird in den USA nicht direkt gewählt, sondern durch ein Gremium von Wahlleuten. Wer die Mehrheit von 270 Wahlleuten hinter sich bringt, kann ins Weiße Haus einziehen. Die Amtseinführung soll am 20. Januar 2021 stattfinden. Bis dahin wird es mit großer Wahrscheinlichkeit aber noch eine Schlacht vor den Gerichten geben. Befürchtet werden inzwischen auch Krawalle auf den Straßen.

jj/qu (dpa, ap, afp, rtr)




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