Kanzler Kurz: Keine Entwarnung nach Anschlag | Aktuell Europa | DW

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“Es ist definitiv ein Terroranschlag”, bestätigte Sebastian Kurz dem Sender ORF. Er verurteilte die Tat als “widerwärtig”. Innenminister Karl Nehammer berichtete in einer Pressekonferenz von mehreren Toten. Mindestens ein Täter sei noch auf der Flucht. Nehammer rief die Bevölkerung auf, das Stadtzentrum von Wien zu meiden und auch am Dienstag wenn irgend möglich zunächst zu Hause zu bleiben. Für Kinder sei die Schulpflicht für Dienstag ausgesetzt.

Das Motiv des Attentats ist nach den Worten von Österreichs Kanzler Kurz weiter offen. Ein antisemitischer Hintergrund könne angesichts des Tatorts nicht ausgeschlossen werden, sagte er mit Blick auf den Ort der ersten Schüsse nahe der Hauptsynagoge.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben einen schwerbewaffneten Täter erschossen. Ein Passant starb durch Schüsse der Angreifer. Zudem wurden mindestens 15 Menschen mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht, sieben von ihnen sollen schwer verletzt sein. Unter den Schwerverletzten ist auch ein Polizist, der nach Angaben von Kurz mittlerweile außer Lebensgefahr ist. 

Sechs verschiedene Tatorte

Der Angriff hatte gegen 20.00 Uhr in einem Ausgehviertel begonnen, wo kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs waren. Die ersten Schüsse seien in der Seitenstettengasse abgegeben worden, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die jüdische Hauptsynagoge der Stadt. Der Polizei zufolge gab es sechs verschiedene Tatorte. An dem Angriff seien mehrere Täter mit “Langwaffen” beteiligt gewesen.

Österreich Wien | Bewaffnete Polizisten nahe der Oper nach Schießerei im Stadtzentrum (Joe Klamar/AFP)

Bewaffnete Polizisten nahe der Oper nach Schießerei im Stadtzentrum

Auf Videos, die der Privatsender “Oe24” ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

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Auch nach Mitternacht ist das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadtsind weiträumig abgesperrt. Neben der Polizei sind auch Soldaten im Einsatz. “Ob es möglich ist, morgen in der Früh ganz normal das öffentliche Leben aufzunehmen, das wird stark von der heutigen Nacht abhängen und ob es gelingt, die Verdächtigen zu fassen beziehungsweise auszuschalten”, sagte Kurz.

War Wiens Synagoge ein Ziel?  

Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig hatte zuvor im ORF berichtet, dass bei dem Angriff “wahllos auf Personen in den Lokalen” geschossen worden sei – vor allem auf solche, die draußen gesessen hatten. Einer der Angreifer habe womöglich einen Sprengstoffgürtel getragen. Es könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob es “weitere Gefahrenmomente gibt”.

Ob die Wiener Hauptsynagoge Ziel des Angriffs war, lasse sich noch nicht bestätigen, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. Sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an derselben Adresse seien zum Zeitpunkt der ersten Schüsse aber bereits geschlossen geschlossen gewesen, so Deutsch.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilten den Angriff scharf und sicherten den Opfern Beistand zu. Kurz sprach von einem “widerwärtigen Terroranschlag”. “Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen”, erklärte Kurz. Die Polizei werde entschlossen gegen die Täter vorgehen.

“Wir alle sind tief betroffen”, schrieb Van der Bellen auf Twitter. Gedanken und Mitgefühl seien bei den Opfern, Verletzten und deren Angehörigen. Der Bundespräsident betonte: “Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen.” Zugleich bedankte sich Van der Bellen für den Beistand anderer Staats- und Regierungschefs.

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Auswärtiges Amt: “Dem Hass nicht weichen”

Die Bundesregierung reagierte entsetzt auf den mutmaßlichen Terroranschlag. Es kämen “erschreckende, verstörende Meldungen” aus der österreichischen Hauptstadt, twitterte das Außenministerium. In seinen Reisehinweisen für Österreich warnte das Ministerium vor der unklaren Lage nach dem mutmaßlichen Terrorangriff.

Französischer Präsident bietet Hilfe an

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach Österreich sein Mitgefühl aus. Die Franzosen teilten den Schock und die Trauer der Österreicher, schrieb Macron auf Deutsch und Französisch auf Twitter. Nach Frankreich werde es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. 

Macron habe Österreichs Kanzler Sebastian Kurz volle Solidarität und Unterstützung Frankreichs zugesagt und Hilfe angeboten, falls diese notwendig sei, hieß es aus Kreisen des Präsidentenpalasts in Paris. In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen drei Anschläge gegeben. Die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

EU verurteilt Tat als “feigen Akt”

EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilte die mutmaßliche Terrorattacke als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte. “Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Menschen in Wien nach dem schrecklichen Anschlag”, teilte Michel mit. Europa stehe an der Seite Österreichs. Ähnlich äußerten sich auch EU-Parlamentspräsident David Sassoli und der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. 

rb/ww/cw (dpa, rtr)




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