Kardinal Angelo Becciu im Vatikan vor Gericht | Aktuell Europa | DW

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Nach zweijährigen Ermittlungen hat im Vatikan ein Prozess gegen den einst mächtigen Kardinal Angelo Becciu begonnen. Dem 73-Jährigen werden im Zusammenhang mit einem für den Vatikan ruinösen Kauf einer Luxus-Immobilie in der Sloane Avenue in London Veruntreuung, Amtsmissbrauch und Zeugenbeeinflussung vorgeworfen. Hintergrund sind Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in das verlustreiche Geschäft mit der Immobilie im Stadtteil Chelsea, die in Luxus-Wohnungen umgewandelt werden sollte.

Insgesamt neun Angeklagte

Es ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte des katholischen Kirchenstaats, dass ein Kardinal von der vatikanischen Strafverfolgungsbehörde angeklagt wurde. Gemeinsam mit Becciu stehen neun weitere Personen wegen Veruntreuung, Geldwäsche und Betrug vor Gericht, darunter der ehemalige Präsident der vatikanischen Finanzaufsicht (AIF), René Brülhart. Das vatikanische Staatssekretariat und die Vatikanbank (IOR) treten als Nebenkläger in dem Verfahren auf. Am ersten Verhandlungstag ging es um Verfahrensfragen.

Auch der Ex-Präsident der vatikanischen Finanzaufsicht, René Brülhart, steht vor Gericht

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Becciu musste im vergangenen September von seinem Posten als Präfekt der Heiligsprechungskongregation zurücktreten. Papst Franziskus hatte Becciu – auch sieben Jahre Chef des einflussreichen vatikanischen Staatssekretariats – nicht zuletzt wegen des Verdachts entlassen, dass Geld aus dem “Peterspfennig”, der Kollekte für den Vatikan, für die Deals verwendet wurde. 

Austausch von Säcken voll Bargeld

Die 487 Seiten umfassende Anklageschrift in dem Großprozess schildert dubiose und riskante Investitionen von vatikanischen Geldern in Millionenhöhe. Auch Details wie der Austausch von Säcken mit Bargeld und Geheimtreffen in Luxushotels werden darin geschildert. Die Ankläger sprechen von einem “räuberischen und einträglichen System”, das durch “Komplizenschaft und Duldung” ermöglicht worden sei.

Papst Franziskus schmiss Kardinal Becciu 2020 aus dem Staatssekretariat und entzog diesem die Finanzhoheit

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Als Konsequenz aus dem Immobilienskandal hatte Franziskus im vergangenen November dem Staatssekretariat des Vatikans die Finanzhoheit entzogen. Für die Verwaltung von Vermögen und Immobilien der Spitzenbehörde ist nun die vatikanische Güterverwaltung Apsa zuständig.

Hoher Posten mit Benedikts Hilfe 

Kardinal Becciu hat wiederholt seine Unschuld beteuert und bezeichnet sich selbst als Opfer einer Verschwörung. Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung, deren Ziel es sein soll, seine Chancen beim nächsten Konklave zur Wahl des Nachfolgers von Papst Franziskus zu zerstören. Der langjährige Vatikandiplomat war übrigens 2011 von Papst Benedikt XVI. zum Substituten ernannt worden, also zum Chef im Staatssekretariat mit weitreichenden Kompetenzen in der Finanzverwaltung. Damit galt Becciu nach dem Papst und dem Kardinalstaatssekretär als vatikanische “Nummer drei”.

sti/AR (afp, dpa, epd, kna)




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