Lage in Kasachstan eskaliert | Aktuell Asien | DW

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Die Ausschreitungen in der Republik Kasachstan dauern an.In der Millionenstadt Almaty habe vor dem Rathaus einen „heftigen Schusswechsel“ zwischen Dutzenden bewaffneten Menschen und dem Militär gegeben, meldete die russische Staatsagentur Tass unter Berufung ihres Korrespondenten vor Ort. Offenbar gibt es Todesopfer.

Laut Polizeisprecher Saltanat Asirbek hätten „extremistische Kräfte“ versucht, Verwaltungsgebäude sowie die Zentrale und mehrere Dienststellen der Polizei in der Metropole im Südosten des zentralasiatischen Landes zu stürmen. Dutzende Angreifer seien „eliminiert“ worden, so die martialischen Worte des Polizeisprechers, die von den Nachrichtenagenturen Interfax-Kasachstan, Tass und Ria Nowosti zitiert werden. Deren Identitäten würden nun ermittelt. Das lässt darauf schließen, dass diese Protestierenden ums Leben gekommen sind.

Genaue Lage ist unklar

In weiteren Berichten heißt es, 300 Soldaten seien etwa in gepanzerten Mannschaftswagen angerückt. Sie hätten den Platz umstellt. In verschiedenen Stadtteilen Almaty laufen offenbar Einsätze gegen Demonstranten, die Berichten zufolge auch bewaffnet sein sollen. Einwohner seien aufgerufen worden, an sicheren Orten zu bleiben und Straßen zu meiden.

Soldaten im Einsatz gegen Protestierende in Almaty

Soldaten im Einsatz gegen Protestierende in Almaty

Eine unabhängige Bestätigung der Vorgänge gibt es bislang nicht. Internetseiten kasachischer Medien sind derzeit nicht vom Ausland aus zu erreichen. Die genaue Lage ist deshalb unklar. Im Land wurde offenbar abermals das Internet abgeschaltet. In der Millionenstadt Almaty war das Mobilfunknetz außer Betrieb. Bislang hatten die Behörden nur acht getötete Polizisten und Soldaten offiziell bestätigt. Zu Todesopfern unter Zivilisten gab es bislang keine Angaben.

Im Zentrum Almatys gebe es keine Demonstranten und Soldaten mehr, berichtet das kasachische Medium „Vlast“. Viele Supermärkte und Geschäfte seien geplündert worden, darunter der Laden eines Waffenhändlers. Zudem seien viele Geldautomaten gesprengt worden. „In der Stadt riecht es stark nach Feuer.“

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Landesweiter Ausnahmezustand

Dagegen zeigen Videos aus der Hauptstadt Nur-Sultan (früher Astana), wie das öffentliche Leben in den neuen Tag startete. Zu sehen sind Autos und Linienbusse auf den Straßen, aber auch ein großes Aufgebot an Sicherheitskräfte, das Regierungsgebäude abgeriegelt hat. Am Flughafen der Stadt fielen Berichten zufolge zunächst bis zum Mittag alle Flüge aus. Im gesamten Land gilt der Ausnahmezustand. Vor einigen Banken bildeten sich lange Warteschlangen.

Karte Kasachstan Nur-Sultan Almaty DE

Auslöser der größten Protestwelle seit Jahren war Unmut über deutlich gestiegene Treibstoffpreise an den Tankstellen der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik. Als Reaktion auf die teils gewaltsamen Proteste entließ Präsident Kassym-Jomart Tokajew die Regierung, bevor in der Nacht zum Donnerstag das Militär in Almaty einschritt.

Angesichts der Unruhen hat Russland Soldaten nach Kasachstan verlegt. Es seien Fallschirmjäger als Teil einer Friedenstruppe entsandt worden, meldeten mehrere russische Staatsagenturen übereinstimmend unter Berufung auf die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit. Zuvor hatte Präsident Tokajew das von Russland geführte Militärbündnis „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“ (OVKS) zu Hilfe gerufen. Ihm gehören neben Russland Belarus, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan an.

AR/kle (afp, dpa)




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