Libysche Sicherheitskräfte nehmen bei Großrazzia 4000 Migranten fest | Aktuell Afrika | DW

Libysche Sicherheitskräfte nehmen bei Großrazzia 4000 Migranten fest | Aktuell Afrika | DW

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Libysche Sicherheitskräfte haben bei einer Großrazzia westlich der Hauptstadt Tripolis nach eigenen Angaben rund 4000 Migranten festgenommen. Sie seien zunächst in ein Sammellager gebracht worden und sollten später auf andere Lager verteilt werden, teilte das libysche Innenministerium mit. Es handele sich um „illegale Flüchtlinge“ verschiedener Nationalitäten.

Bilder in den sozialen Medien zeigen, wie bewaffnete und teils vermummte Sicherheitskräfte die Menschen in der Stadt Gargaresch festnehmen und auf Pick-ups in das Lager transportieren. Dem Ministerium zufolge richtete sich die Razzia gegen „Drogenhändler, Alkoholschmuggler und illegale Migranten“. Unterkünfte der Einwanderer wurden dem Erdboden gleichgemacht.

Größte Razzia in Gargaresch überhaupt 

Gargaresch, ein bekannter Umschlagplatz für Migranten und Flüchtlinge, liegt etwa zwölf Kilometer westlich von Tripolis. In dieser Stadt gab es im Laufe der Jahre mehrere Wellen von Razzien gegen Migranten, aber die jüngste wurde von Aktivisten als die bisher größte beschrieben.

Aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge harren an der Küste der libyschen Stadt al-Chums ihres weiteren Schicksals (Archivbild)

Aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge harren an der Küste der libyschen Stadt al-Chums ihres weiteren Schicksals (Archivbild)

Ein libyscher Menschenrechtsaktivist sagte der Nachrichtenagentur Associated Press (ap), bei den Razzien sei es zu Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Migranten gekommen, insbesondere durch die Art und Weise, wie einige Frauen und Kinder festgehalten worden seien. Viele der Festgenommenen seien beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR als Flüchtlinge oder Asylsuchende registriert worden.

„Wir sollten uns nicht wundern, wenn die Menschen Angst haben“

Vincent Cochetel, der UNHCR-Sonderbeauftragte für das zentrale Mittelmeer, ergänzte, dass ersten Berichten zufolge mindestens eine Person bei der Razzia getötet und 15 verletzt worden seien. In einigen Fällen hätten die Sicherheitskräfte übermäßige Gewalt angewendet und die Menschen aus ihren Häusern vertrieben. „Wir sollten uns nicht wundern, wenn die Menschen Angst haben und versuchen, über das Meer zu fliehen“, so Cochetel weiter.

Vincent Cochetel, der Sonderbeauftragte des UN-Flüchtlingshilfswerks für das zentrale Mittelmeer

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Vincent Cochetel, der Sonderbeauftragte des UN-Flüchtlingshilfswerks für das zentrale Mittelmeer

In Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi vor rund zehn Jahren Bürgerkrieg. Das nordafrikanische Land hat sich seitdem zur wichtigsten Transitroute für Flüchtlinge entwickelt, die nach Europa wollen. Immer wieder sterben viele Menschen auf der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer. Die von der EU unterstützte libysche Küstenwache fing in der ersten Hälfte dieses Jahres rund 15.000 Menschen auf See ab und brachte sie zurück in das Bürgerkriegsland.

Migranten sind Menschenrechtlern zufolge in Libyen weiterhin Gewalt, Erpressung und Zwangsarbeit ausgesetzt. In Internierungslagern, die dem Innenministerium unterstellt sind, würden Migranten weiter ausgehungert und ausgebeutet, heißt es etwa bei Amnesty International. Bei Fluchtversuchen seien einige durch Schüsse von Wachleuten teils verletzt oder sogar getötet worden.

sti/qu (dpa, afp, ap)




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