Lokführer-Streik lähmt Bahnverkehr in ganz Deutschland | Aktuell Deutschland | DW

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Wegen des Streiks der Lokführergewerkschaft GDL ist der Zugverkehr in Deutschland derzeit massiv eingeschränkt. Seit zwei Uhr in der Nacht zu Mittwoch werden Personenzüge der Deutschen Bahn bundesweit bestreikt, für 48 Stunden. Zuvor hatte schon im Güterverkehr der Streik begonnen.

Viele Zugverbindungen fallen aus

“Nach unserer Beobachtung ist der Streik bundesweit wirksam”, sagte ein Konzernsprecher. Die Bahn versuche im Fernverkehr ein Viertel der IC und ICEs auf die Schiene zu bringen und zwischen den großen Metropolen zumindest einen Zwei-Stunden-Takt sicherzustellen. Im Regional- und Nahverkehr wolle die Bahn ein Grundangebot anbieten, das aber je nach Intensität des Streiks regional unterschiedlich sein werde. “Wir tun unser möglichstes dafür, die Menschen heute noch ans Ziel zu bringen”, sagte der Sprecher. Reisende sollten aber auf nicht notwendige Fahrten verzichten.

Die Gewerkschaft GDL will die Deutsche Bahn mit dem zweitägigen Streik zu einem verbesserten Angebot im Tarifstreit bringen. “Das Angebot ist unakzeptabel”, sagte GDL-Chef Claus Weselsky im ZDF-Morgenmagazin. Weil zu einem Streit immer zwei gehörten, trage der Bahn-Konzern die Verantwortung, “dass die Auseinandersetzung jetzt auch auf dem Rücken von Reisenden stattfindet”. Über eine mögliche Fortsetzung des Streiks werde die Gewerkschaft in der kommenden Woche entscheiden.

Streit um Laufzeit des Tarifvertrages

Der Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat sich seit Wochen zugespitzt. Kernforderung der GDL sind 1,4 Prozent Lohnerhöhungen und eine Corona-Prämie von 600 Euro für das Jahr 2021 sowie eine Erhöhung um weitere 1,8 Prozent für 2022. Das jüngste Angebot der Bahn liegt bei 3,2 Prozent Lohnerhöhung auf 40 Monate verteilt sowie weitere Leistungen etwa bei Altersvorsorge und ein besserer Kündigungsschutz.

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Insbesondere der Zeitpunkt der Lohnerhöhungen und die Laufzeit des Tarifvertrags sind jedoch strittig. Das Bahn-Angebot mit einer Laufzeit von 40 Monaten bedeute eine Entwertung des Tarifs über die Länge der Laufzeit von unter einem Prozent im Jahr, sagte Weselsky. “Das ist für uns nicht verhandelbar. Das haben wir klar und deutlich gemacht.” 

GDL-Chef Claus Weselsky

​​​​​​​​Gewerkschafter Claus Weselsky führt die GDL an

Schon zuvor hatte er der Bahn-Konzernführung “Tricksen und Täuschen” vorgeworfen. Angesichts hoher Managerhälter sprach Weselsky von einem “Selbstbedienungsladen” und forderte den Bund als Eigentümer auf, Verantwortung zu übernehmen.

Bahn kritisiert Zeitpunkt des Streiks

Die Bahn kritisierte die Gewerkschaft scharf: “Die GDL-Spitze eskaliert zur Unzeit. Gerade in einem systemrelevanten Bereich wie der Mobilität gilt es jetzt, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und nicht unsere Kunden zu belasten”, sagte Personalvorstand Seiler. “Gerade jetzt, wenn die Menschen wieder mehr reisen und die Bahn nutzen, macht die GDL-Spitze den Aufschwung zunichte, den wir in Anbetracht der massiven Corona-Schäden dringend brauchen.” Die Bahn halte eine Einigung weiter für möglich.

Tarifstreit im Überlebenskampf der Gewerkschaften

Parallel zum Tarifstreit entfaltet sich auch ein Machtkampf zwischen der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgemeinschaft (EVG). Die GDL gilt unter der Führung Weselsky als kompromissloser Hardliner und hatte in der Vergangenheit gegenüber der größeren EVG an Boden gut gemacht. Die Bahn muss das sogenannte Tarifeinheitsgesetz anwenden, das sie dazu verpflichtet, in ihren rund 300 Betrieben stets den Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft anzuwenden. Vor diesem Hintergrund versucht die GDL, der EVG-Konkurrenz Mitglieder abzujagen. Ein möglichst guter Tarifvertrag könnte dabei helfen. 

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In den westdeutschen Flutgebieten wurden – wie hier im Ahrtal – viele Bahnstrecken zerstört (Archivbild)

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Milliarden-Minus in der Bilanz

Die bundeseigene Deutsche Bahn steckt angesichts der Corona-Pandemie tief in den roten Zahlen: Die Zugverbindungen wurden selbst während der Lockdowns weitgehend aufrecht erhalten, sodass Milliardenverluste erwirtschaftet wurden. Dazu kommen hohe Wiederaufbaukosten in den westdeutschen Flutgebieten, wo Bahnstrecken und weitere Infrastruktur auf vielen Kilometern zerstört wurden. Ende Juli vermeldete der Konzern einen Halbjahresverlust von 1,4 Milliarden Euro, gleichzeitig aber steigende Fahrgastzahlen und einen wachsenden Gütertransport. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn coronabedingt 5,7 Milliarden Euro Verlust gemacht.

wo/ml/ehl/hb/jj (rtr, dpa, afp, Tagesschau24)




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