Merkel: Entwicklung in Afghanistan ist ″überaus bitter″ | Aktuell Deutschland | DW

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Jetzt gehe es erst einmal darum, Menschen in Sicherheit zu bringen, sagte die Bundeskanzlerin auf einer Pressekonferenz in Berlin. Deutschland setze alles daran Landsleute und afghanische Ortskräfte, aber auch Menschen, die mit dem Entwicklungsministerium und Nichtregierungsorganisationen zusammengearbeitet haben, außer Landes zu bringen.

Etwa 1900 der von der Bundeswehr in einer ersten Gruppe identifizierten Ortskräfte seien bereits in Deutschland oder sicheren Drittländern. Nun versuche man unter anderem auch, rund 1500 Mitarbeiter der Entwicklungszusammenarbeit und von NGOs aus Afghanistan zu bekommen. Zugleich räumte Angela Merkel ein, ob die Evakuierungen ausgeführt werden können, hänge “von der Lage in Kabul ab. “Das haben wir leider nicht mehr in der Hand.” Die Bedingungen in Kabul seien extrem schwierig.

Klare Worte der Kanzlerin: “bitter, dramatisch und furchtbar”

Die Kanzlerin zog ein kritisches Fazit des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan. Der fast 20 Jahre währende Einsatz sei “nicht so geglückt, wie wir uns das vorgenommen haben”. Das sei eine Erkenntnis, “die überaus bitter ist”, fügte sie hinzu. Die Bündnispartner müssten sich eingestehen, dass das keine erfolgreichen Bemühungen waren, daraus müsse man Lehren ziehen “und seine Ziele auch kleiner fassen” bei solchen Einsätzen.

Die Schnelligkeit des Vormarschs der Taliban habe man völlig unterschätzt: “Wir haben alle – da übernehme ich auch die Verantwortung – die Entwicklung falsch eingeschätzt.” Seit dem Abzug der ausländischen Truppen habe die internationale Gemeinschaft erleben müssen, wie die Taliban in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit Provinz für Provinz, Stadt für Stadt wiedererobert und das ganze Land erneut unter ihre Kontrolle gebracht haben.

“Bitter, dramatisch und furchtbar ist diese Entwicklung insbesondere für die Menschen in Afghanistan”, betonte die Kanzlerin. Die Lage sei “furchtbar für die Millionen Afghanen, die sich für eine freie Gesellschaft eingesetzt haben”.

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Maas: “Es gibt nichts zu beschönigen”

Zuvor hatte bereits Außenminister Heiko Maas mit Blick auf die unerwartet schnelle Machtübernahme durch die Taliban am Hindukusch eingeräumt: “Es gibt nichts zu beschönigen: Wir alle – die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft – wir haben die Lage falsch eingeschätzt.” Dass sich die afghanischen Truppen den Taliban entgegenstellen würden, sei eine Fehleinschätzung der Alliierten gewesen. Daraus müssten auch die notwendigen Konsequenzen gezogen werden.

Statement Heiko Maas zu aktuellen Entwicklungen in Afghanistan

Außenminister Heiko Maas und die Kanzlerin stimmen in ihrer Lageeinschätzung überein

Die Bilder von verzweifelten Menschen am Flughafen der Hauptstadt Kabul bezeichnete der SPD-Politiker als außerordentlich schmerzhaft. Deutschland werde nichts unversucht lassen, so viele Menschen wie möglich aus der katastrophalen Lage zu retten. 

Noch vor wenigen Tagen hatte es in einer Einschätzung der US-Geheimdienste geheißen, Kabul könne noch mindestens drei Monate gehalten werden. Doch dann rückten die Extremisten fast ohne Gegenwehr der afghanischen Streitkräfte vor. Am Sonntag eroberten sie Kabul und besetzten nach eigenen Angaben auch den Amtssitz von Präsident Aschraf Ghani, der zuvor ins Ausland geflohen war.

Flughafen-Rollfeld von Zivilisten gestürmt

Nach der Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan versuchen westliche Mächte fieberhaft, ihre Staatsbürger und ehemaligen Ortskräfte aus der Hauptstadt Kabul auszufliegen. Drei Militärtransporter der Bundeswehr vom Typ Airbus A400M befanden sich am Montag auf dem Weg nach Afghanistan. Es blieb aber zunächst unklar, wann sie in Kabul landen können. Am Flughafen von Kabul finden nach US-Angaben aus Sicherheitsgründen derzeit keine Starts oder Landungen statt. Es sei unklar, wann diese wieder aufgenommen würden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Auf dem Flughafen harren nicht nur Angehörige westlicher Botschaften aus, sondern auch viele Afghanen. Dort spielten sich dramatische Szenen ab, teilweise wurde das Rollfeld von panischen Menschen mit dem Ziel gestürmt, einen Platz in einer Maschine zu ergattern. Teilweise kletterten sie auf Flugzeuge, um ihre Mitnahme zu erwirken. Nach Augenzeugenberichten kamen mindestens sieben Menschen bei den Tumulten ums Leben.

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qu/sti (dpa, rtr, afp, Phoenix-live)




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