Mutiertes Coronavirus löst Verunsicherung aus | Aktuell Welt | DW

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Besonders auf Flughäfen in Europa hat die Sorge vor einer Ausbreitung der neuen Variante des Erregers SARS-CoV-2 für Chaos gesorgt. Vielerorts saßen Reisende, die noch kurz vor dem Stopp der Flugverbindungen das Vereinigte Königreich verlassen hatten, fest. Deutschland hatte, wie auch andere EU-Länder, am Sonntag die Flugverbindungen mit Großbritannien eingestellt. Hunderte Reisende, die mit den letzten Flügen in Hannover, Stuttgart, München oder Frankfurt am Main angekommen waren, mussten daraufhin die Nacht am Flughafen verbringen, um sich einem Corona-Test zu unterziehen.

Zu den EU-Mitgliedern, die an diesem Montag die Verbindungen nach Großbritannien kappten, gehören Spanien und Portugal. Auch die Kontrollen an der Grenze zur britischen Enklave Gibraltar sollen verschärft werden, wie Spaniens Regierung mitteilte.

Briten wegen Corona-Mutation vielerorts nicht willkommen

Weltweit stellten inzwischen als Vorsichtsmaßnahme zahlreiche weitere Staaten ihre Flugverbindungen mit Großbritannien ein, oder kündigten Abschottungsmaßnahmen an. Art, Zeit und Dauer der Beschränkungen sind allerdings unterschiedlich. Russland und Indien gehören zu den Staaten, die für Briten nicht mehr erreichbar sind. Die indische Regierung erklärte, alle Flüge von Großbritannien nach Indien würden bis zum Jahresende ausgesetzt. Das Ministerium für Zivilluftfahrt bezeichnete die Regelung als “Vorsichtsmaßnahme” und fügte hinzu, Transit-Passagiere aus Großbritannien müssten sich nach ihrer Ankunft verpflichtenden Corona-Tests unterziehen.

Israel und einige arabische Staaten reagierten in seltener Einmütigkeit noch restriktiver. Sie stellen als Reaktion auf die in Großbritannien entdeckte Variante des Coronavirus den gesamten internationalen Flugverkehr über ihre Airports ein, verhängen Quarantäne-Maßnahmen oder schließen ihre Grenzen gleich komplett.

Saudi-Arabien und das arabische Sultanat Oman haben alle Grenzen für eine Woche geschlossen. Die Regierung in Riad hatte zusätzlich Quarantäne-Auflagen für alle Menschen verhängt, die nach dem 7. Dezember aus Europa und einigen anderen Gebieten eingereist waren. Kuwait setzt bis zum 1. Januar alle kommerziellen Flüge vom Internationalen Flughafen in Kuwait-Stadt aus, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte.

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In Israel hat das sogenannte Corona-Kabinett entschieden, Ausländern aus allen Ländern die Einreise zu verbieten. Ausnahmen gelten für Diplomaten. Israelische Staatsbürger müssen laut der neuen Entscheidung ab Mittwoch um 14.00 Uhr nach ihrer Einreise zur Quarantäne in eigens dafür bereitgestellte Hotels. Dort müssen sie mindestens zehn Tage bleiben, wenn zwei Corona-Tests negativ ausfallen. Ohne Tests müssen sie sogar 14 Tage dort bleiben. Die neuen Vorschriften gelten zunächst für zehn Tage, können aber noch verlängert werden.

Virologen nicht sonderlich besorgt über neue Corona-Variante

Der Infektiologe und Virusexperte Peter Kremsner von der Universität Tübingen sagte der DW, dass er keinen Grund sehe, Reisen nach oder aus Großbritannien zu beschränken. “Es gibt bereits Hunderte von Mutationen und Varianten, wenn man so will. Dies ist eine neue. Und ob sie wirklich ansteckender oder infektiöser ist, wie [der britische Premierminister Boris] Johnson gestern sagte, weiß ich nicht.” Der Beweis müsse hier noch erbracht werden. Er könne nicht verstehen, warum die neue Variante so beängstigend wirke. Aus seiner Sicht gebe es dafür keinen Begründung. Er sehe zudem nicht, warum zum Beispiel Impfstoffe nicht funktionieren sollten.

Auch der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité ist wegen der neuen Coronavirus-Variante wenig besorgt. Ob sie tatsächlich deutlich ansteckender sei, könne noch gar nicht bewertet werden.

Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, bezweifelte die britischen Aussagen zu der neuen Corona-Variante ebenfalls. “Man sollte alle Angaben von Herrn Johnson mit außerordentlicher Vorsicht behandeln”, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Großbritanniens Premier Johnson hatte am Wochenende erklärt, die in Südostengland aufgetretene Mutation sei “bis zu 70 Prozent ansteckender” als die Ursprungsvariante des Coronavirus. Drosten nannte diese Angabe im Deutschlandfunk einen “Schätzwert”.

Großbritannien Folkestone | Grenzschließung Frankreich | Verkehr in

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Auch wenn der Warenverkehr offiziell nicht eingeschränkt ist, lange Warteschlangen gibt es beiderseits des Eurotunnels

Johnson äußerte sich optimistisch, dass zumindest die aktuellen Probleme im Warenverkehr mit der EU “in den nächsten Stunden” gelöst werden können. Es müsse sichergestellt werden, dass Lastwagen in beide Richtungen “COVID-frei” fahren könnten. Er versuchte, die Bevölkerung zu beruhigen. “Die große Mehrheit von Lebensmitteln, Medikamenten und Versorgungsgütern erreichen uns wie immer”, sagte Johnson. 

Frankreich hatte am Sonntagabend wegen der raschen Ausbreitung der neuen Variante des Coronavirus die Grenzen zu Großbritannien geschlossen. Das betrifft auch die Fährverbindungen zwischen Dover und dem französischen Calais sowie den Eurotunnel.

qu/gri (dpa, afp, rtr, dw)




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