Myanmars Tag der Armee wird zu Sterbetag für 64 Demonstranten | Aktuell Welt | DW

Myanmars Tag der Armee wird zu Sterbetag für 64 Demonstranten | Aktuell Welt | DW

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In Myanmar eskaliert bei den Protesten gegen den Militärputsch die Gewalt: Mindestens 64 Menschen starben allein an diesem Samstag, wie Augenzeugen und Medien berichteten. Nach Informationen des Nachrichtenportals Myanmar Now sollen sogar mehr als 90 Menschen in 40 Städten ums Leben gekommen sein. 

In der Metropole Yangon (früher Rangun) wurden laut Myanmar Now vier Menschen vor einer Polizeistation getötet, als Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten. In einem anderen Bezirk der Stadt gab es Augenzeugen zufolge drei Tote. 

Schüsse auf US-Kulturzentrum in Yangon

Aus Yangon wurden zudem Schüsse auf das US-Kulturzentrum gemeldet.  Es habe keine Verletzten gegeben, der Vorfall werde nun untersucht, teilte ein Sprecher mit. Die Vereinigten Staaten haben die Militärjunta in Myanmar wegen des Putschs scharf kritisiert. 

Nördlich von Yangon endete eine Kundgebung vor dem berüchtigten Insein-Gefängnis noch vor dem Morgengrauen in Chaos und Panik, als Soldaten auch dort gezielt auf Demonstranten schossen. Mindestens ein Demonstrant wurde getötet. Dabei handelte es sich um einen 21-jährigen Polizisten, der sich der Protestbewegung angeschlossen hatte.

Widerstand gegen die Sicherheitskräfte mit Pfeil und Bogen in der Wirtschaftsmetropole Yangon

Widerstand gegen die Sicherheitskräfte mit Pfeil und Bogen in der Wirtschaftsmetropole Yangon

In Mandalay starben Myanmar Now zufolge bei diversen Vorfällen 13 Menschen.

“Armee und Polizei schossen ohne Vorwarnung los”

In der Stadt Lashio an der Grenze zu Thailand und China eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer auf demonstrierende Studenten und töteten nach Angaben eines Sanitäters mindestens drei junge Menschen.

In Mandalay versuchen Demonstranten, einen Verletzten vor weiter angreifenden Polizisten in Sicherheit zu bringen

In Mandalay versuchen Demonstranten, einen Verletzten vor weiter angreifenden Polizisten in Sicherheit zu bringen

Sein Team habe die Toten wegen der vielen Schüsse nicht bergen können, berichtete er. “Die Armee und die Polizei kamen einfach und schossen ohne Vorwarnung los”, sagte ein Lokaljournalist.

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Mindestens drei weitere Tote wurden in Meiktila im Zentrum des Landes sowie in Nyaung-U gemeldet, unter ihnen ein 14-jähriges Mädchen.

Das Militär reagierte nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme. Der Chef der Junta, General Min Aung Hlaing, erklärte im staatlichen Fernsehen zum Tag der Armee, das Militär wolle das Volk schützen und strebe nach Demokratie.

General Min Aung Hlaing

General Min Aung Hlaing: Das Militär will das Volk schützen und strebt nach Demokratie

Gewalthandlungen, die die Stabilität und Sicherheit Myanmars beeinträchtigen würden, seien aber unangebracht. Hlaing wiederholte sein Versprechen Wahlen abzuhalten, nannte aber kein Datum.

Vertreter Chinas und Russlands bei Armeeparade

Myanmars Militär feiert am Tag der Armee mit einer großen Parade seine Stärke. Soldaten mit Fackeln und Flaggen marschierten, flankiert von Militärfahrzeugen, durch die Hauptstadt Naypyidaw. Mit dem Gedenktag erinnert das südostasiatische Land an den Beginn des Widerstands gegen die japanische Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Bunte Uniformen in trister Zeit: Teilnehmer der Militärparade in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw

Bunte Uniformen in trister Zeit: Teilnehmer der Militärparade in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw

Normalerweise nehmen an der Parade auch ausländische Regierungsvertreter teil. Die Militärjunta wird aber von vielen Staaten nicht anerkannt, sodass diesmal nur acht ausländische Delegationen teilnehmen, darunter Vertreter von China und Russland.

“Gefahr, in Kopf und Rücken geschossen zu werden”

“Heute ist ein Tag der Schande für die Armee”, erklärte der Sprecher einer Gruppe abgesetzter Abgeordneter. Die Generäle feierten, nachdem zuvor mehr als 300 unschuldige Zivilisten ums Leben gekommen seien. Am Freitag hatte es im staatlichen Fernsehen eine Drohung gegen die Demonstranten gegeben. “Sie sollten lernen, dass man Gefahr läuft, in den Kopf und den Rücken geschossen zu werden”, hieß es über den Sender MRTV.

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Die Hilfsorganisation für politische Gefangene AAPP schätzt die Zahl der Getöteten seit dem Putsch Stand Freitagabend auf mindestens 328. Ihren Angaben zufolge starben mindestens ein Viertel davon durch Kopfschüsse. Mit den Vorfällen von diesem Samstag beläuft sich die Zahl der Getöteten auf fast 380.

sti/qu (afp, dpa, rtr)




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