Neue schwere Explosion im Libanon | Aktuell Nahost | DW

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Der Süden des Libanon ist von einer heftigen Explosion erschüttert worden. Videos aus der Region um das Bergdorf Ain Kana, östlich der Hafenstadt Sidon, zeigen eine dunkle Rauchwolke. Bislang ist unklar, ob es Tote und Verletzte gibt – die Zeitung “Daily Star” berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, vier Menschen seien getötet worden.

Vieles ist ungeklärt

Auch die Ursache wirft bislang noch Fragen auf: Das Pressebüro der Hisbollah teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, die Explosion habe sich in einem Lager für Minen und andere Überreste des Libanonkriegs von 2006 ereignet. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr aus Sicherheitskreisen, es habe ein technisches Problem in einem Waffenlager gegeben. Im Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar hieß es hingegen, die Ursache sei noch nicht klar.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA verlautbarte, den ganzen Tag über habe es viele Überflüge israelischer Militärflugzeuge gegeben, die “den Himmel nicht verlassen” hätten. Die israelische Armee lehnte gegenüber der Agentur AP eine Stellungnahme ab. Israel und Libanon befinden sich formell weiter im Kriegszustand: Der eigentliche Krieg, den sich Israel mit der schiitischen Hisbollah-Miliz geliefert hatte, endete im August 2006 lediglich mit einem Waffenstillstand. Bis heute kommt es immer wieder zu kleineren Zwischenfällen.

Libanon in der Krise

Die Explosion von Ain Kana trifft den Libanon in seiner schwersten Krise seit Jahrzehnten: Zuletzt hatten sich Korruptionsskandale gehäuft, während die Wirtschaft in immer schlechterer Verfassung ist. Seit rund einem Jahr gehen Menschen im Land immer wieder gegen Vettern- und Misswirtschaft der Regierung und der Eliten auf die Straße. Die Kritik wächst auch am unflexiblen Proporzmodell, dass den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen Teilhabe an der Macht garantieren sollte. Auch die Corona-Krise hat das Land hart getroffen, sowohl in Bezug auf Fallzahlen als auch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen.

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Die verheerende Explosion in Beirut am 4. August hat die Lage noch einmal verschärft: In einer Lagerhalle im Hafen gelagertes Ammoniumnitrat löste eine gewaltige Druckwelle aus, die zahllose Gebäude in der gesamten Hauptstadt beschädigte; mehr als 190 Menschen wurden getötet und mehr als 6000 weitere verletzt. Die Regierung trat daraufhin zurück und die verschiedenen Machtzirkel sagten zu, rasch eine neue Regierung unter der Führung des bisherigen libanesischen Botschafters in Berlin, Mustapha Adib, zu bilden. Bislang konnten sie sich jedoch noch nicht auf ein komplettes Team verständigen.

ehl/haz (dpa, ap, rtr)




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