Österreichs Innenminister: Terrorattacke hat islamistisches Motiv | Aktuell Europa | DW

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Die Terrorattacke von Wien geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Karl Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz “Islamischer Staat” gewesen, sagte Nehammer am frühen Morgen. Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen. Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. “Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt”, sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Noch am Abend hatte  Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz im Sender ORF von einem “widerwärtigen Terroranschlag” und Innenminister Nehammer vom schwersten Tag in Österreich seit vielen Jahren gesprochen.  

Zwei Passanten und ein Attentäter tot

Der Minister appellierte auch am Morgen an die Bevölkerung das Stadtzentrum von Wien zu meiden und auch an diesem zu Hause zu bleiben. Die Schulpflicht in der Hauptstadt werde für diesen Tag ausgesetzt. “Die schwere Situation kann man nur gemeinsam stemmen, indem wir uns diszipliniert verhalten und der Polizei die Möglichkeit geben, die Täter zu verfolgen”, sagte Nehammer. Eines müsse klar sein: “Wer einen von uns angreift, der greift uns alle an.” 

Den Spezialeinheiten der Polizei sei es gelungen, einen schwer bewaffneten Terroristen, ausgestattet mit einem Sturmgewehr, auszuschalten. Nach Angaben der Polizei starben zudem drei Passanten, zwei Männer und eine Frau durch Schüsse der Angreifer. 

Kurz: antisemitischer Hintergrund nicht auszuschließen

Zuvor hatte die österreichische Nachrichtenagentur APA von mindestens 15 Menschen berichtet, darunter sieben Schwerverletzte, die in Krankenhäuser gebracht worden seien. Unter den Schwerverletzten ist auch ein Polizist, der nach Angaben von Kanzler Kurz mittlerweile außer Lebensgefahr ist. 

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Ob die Wiener Hauptsynagoge Ziel des Angriffs war, lasse sich noch nicht bestätigen, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. Sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an derselben Adresse seien zum Zeitpunkt der ersten Schüsse aber bereits geschlossen geschlossen gewesen, so Deutsch.

Sechs verschiedene Tatorte

Der Angriff hatte gegen 20.00 Uhr in einem Ausgehviertel begonnen, wo kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs waren. Die ersten Schüsse fielen laut Polizeiangaben in der Seitenstettengasse, einer belebten Straße im Zentrum. Dort befindet sich auch die jüdische Hauptsynagoge Wiens. Insgesamt gab es laut Polizei sechs Tatorte. An dem Angriff seien mehrere Täter mit “Langwaffen” beteiligt gewesen.

 Die Angreifer zielten nach Darstellung von Augenzeugen wahllos auf Menschen in den Lokalen und den Gastgärten. Auf Videos, die der Privatsender “Oe24” ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

Auch Stunden nach der Tat war das gesamte Zentrum der österreichischen Hauptstadt weiträumig abgesperrt. Neben der Polizei waren auch Soldaten zum Objektschutz im Einsatz. 

Kurz: “Werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen”

Kanzler Kurz und Bundespräsident Alexander Van der Bellen verurteilten den Angriff scharf und sicherten den Opfern Beistand zu. “Wir werden uns durch Terrorismus niemals einschüchtern lassen und diese Angriffe mit allen Mitteln entschieden bekämpfen”, erklärte Kurz. Die Polizei werde entschlossen gegen die Täter vorgehen.

“Wir alle sind tief betroffen”, schrieb Van der Bellen auf Twitter. Gedanken und Mitgefühl seien bei den Opfern, Verletzten und deren Angehörigen. Der Bundespräsident betonte: “Wir werden unsere Freiheit und Demokratie gemeinsam und entschlossen mit allen gebotenen Mitteln verteidigen.” Zugleich bedankte sich Van der Bellen für den Beistand anderer Staats- und Regierungschefs.

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Auswärtiges Amt: “Dem Hass nicht weichen”

Die Bundesregierung reagierte entsetzt auf den mutmaßlichen Terroranschlag. Es kämen “erschreckende, verstörende Meldungen” aus der österreichischen Hauptstadt, twitterte das Außenministerium. In seinen Reisehinweisen für Österreich warnte das Ministerium vor der unklaren Lage nach dem mutmaßlichen Terrorangriff.

Französischer Präsident bietet Hilfe an

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach Österreich sein Mitgefühl aus. Die Franzosen teilten den Schock und die Trauer der Österreicher, schrieb Macron auf Deutsch und Französisch auf Twitter. Nach Frankreich werde nun ein weiteres befreundetes Land angegriffen.

Macron habe Österreichs Kanzler Sebastian Kurz volle Solidarität und Unterstützung Frankreichs zugesagt und Hilfe angeboten, falls diese notwendig sei, hieß es aus Kreisen des Präsidentenpalastes in Paris. In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen drei Anschläge gegeben. Die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

EU verurteilt Tat als “feigen Akt”

EU-Ratspräsident Charles Michel verurteilte die mutmaßliche Terrorattacke als feigen Akt gegen das Leben und die menschlichen Werte. “Meine Gedanken sind bei den Opfern und den Menschen in Wien nach dem schrecklichen Anschlag”, teilte Michel mit. Europa stehe an der Seite Österreichs. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich “schockiert und traurig über den brutalen Angriff in Wien”. Europa stehe “in voller Solidarität an Österreichs Seite”, erklärte auch sie auf Twitter. 

Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte den Angriff in Wien. Er verfolge die Entwicklung mit großer Sorge, schrieb er ebenfalls auf Twitter. 

as/ww/cw (dpa, rtr)




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