Polizeirücktritte nach Tötung von Afroamerikaner | Aktuell Amerika | DW

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In der 300.000-Einwohner-Stadt Brooklyn Center im Norden von Minneapolis war am Sonntag eine Polizeikontrolle aus dem Ruder gelaufen. Der unbewaffnete 20-jährige Daunte Wright wurde erschossen. Die Beamten stoppten sein Auto wegen einer abgelaufenen Zulassung. Bei der Überprüfung von Wrights Personalien stellte sich dann heraus, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorliegt. Beim Versuch, den unbewaffneten Mann festzunehmen, verwechselte die verantwortliche Polizistin offenbar ihre Dienstwaffe mit einem Elektroschocker (“Taser”).

Kann man Taser und Pistole überhaupt verwechseln?

Auf einer Pressekonferenz hatte der örtliche Polizeichef Tim Gannon von einem “tragischen Tod” durch eine “versehentliche Schussabgabe” gesprochen und Bodycam-Aufnahmen vom Versuch der Festnahme veröffentlicht. Wenige Stunden später reichten er und die Polizistin, die den Schuss abgegeben hat, ihren Rücktritt ein. Der Bürgermeister der Kleinstadt im US-Bundesstaat Minnesota, Mike Elliott, nannte es “einfach unfassbar”, dass erneut ein Schwarzer durch die Polizei getötet worden sei.

Untersucht wird nun, wie es zu dem mutmaßlichen Fehler kam. Die weiße Beamtin ist seit 26 Jahren im Polizeidienst. Elektroschocker und Dienstwaffe sind durch Gewicht und Farbe deutlich voneinander zu unterscheiden.

USA I Proteste nach dem Tod an Daunte Wright

Trauer bei den Angehörigen des getöteten jungen Mannes

Der Chef der Bürgerrechtsorganisation NAACP, Derrick Johnson, erklärte: “Ob es sich um Nachlässigkeit und Fahrlässigkeit handelt oder um einen unverhohlenen modernen Lynchmord, das Ergebnis ist das gleiche. Ein weiterer schwarzer Mann ist durch Polizistenhand gestorben.” Einer Datenbank der “Washington Post” zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 243 Schwarze von der Polizei erschossen.

USA Minneapolis Proteste nachdem die Polizei einen Schwarzen erschossen hat

Polizeichef Tim Gannon in Erklärungsnot. Wie kann man Taser und Dienstwaffe verwechseln?

In Brooklyn Center kommt es seit dem Tod des 20-Jährigen zu teils gewaltsamen Protesten. Auf Plakaten stand unter anderem: “Bin ich der Nächste?”, “Mord, Mord, Mord” und “Black Lives Matter”. Trotz nächtlicher Ausgangssperre waren in der Nacht zum Dienstag Hunderte auf den Straßen. Die Polizei setzte US-Medien zufolge Tränengas, Gummigeschosse und Blendgranaten ein, um die Proteste aufzulösen. Auch die Nationalgarde war im Einsatz. Rund 40 Menschen seien festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Demonstranten hätten Beamte mit Steinen beworfen und auch Knallkörper eingesetzt.

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Ebenfalls in Minneapolis – der George-Floyd-Prozess

Minneapolis war bereits vor knapp einem Jahr von heftigen Protesten erschüttert worden. Auslöser war die Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz am 25. Mai. Die Welle der Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt erfasste das ganze Land – und wurde zur größten Protestbewegung in den USA seit Jahrzehnten. In Minneapolis findet derzeit unter massiven Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin statt. Er muss sich wegen der Tötung Floyds verantworten.

qu/gri (dpa, rtr, ap)




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