Streitkräfte von Tigray feuern Raketen auf Nachbarregion Amhara | Aktuell Afrika | DW

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In Äthiopien haben Streitkräfte der Region Tigray im Konflikt mit der Zentralregierung die Hauptstadt der Nachbarregion Amhara beschossen. In Bahir Dar seien Raketen eingeschlagen, teilte die dortige Regionalregierung per Facebook mit. Opfer habe es nicht gegeben. Augenzeugen berichteten von zwei Explosionen, mindestens eine Rakete sei in der Nähe des Flughafens von Bahir Dar eingeschlagen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Kämpfe zwischen Soldaten der Zentralregierung in Addis Abeba und den Streitkräften in Tigray ausweiten.

Tigray und Amhara auch im Grenzstreit

Flüchtlinge berichteten, Milizionäre aus Amhara unterstützten die von Ministerpräsident Abiy Achmed entsandten Truppen im Kampf gegen die Tigray Volksbefreiungsfront (TPLF). Zudem liegen Tigray und Amhara seit längerem im Streit über den Verlauf ihrer Grenze.

Äthiopische Soldaten auf Panzerfahrt im Grenzgebiet zu Tigray und Amhara (Foto: (Ethiopian News Agency via AP) |

Äthiopische Soldaten auf Panzerfahrt im Grenzgebiet von Tigray und Amhara

In den mittlerweile über zwei Wochen anhaltenden Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und Streitkräften der TPLF sind bereits Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen getötet worden. Zehntausende sind auf der Flucht. Abiy wirft der in Tigray regierenden TPLF vor, einen bewaffneten Aufstand angezettelt zu haben. Die Partei dagegen hält Abiy vor, er verfolge sie und vertreibe ihre Politiker von Regierungs- und Sicherheitsposten. Auslöser der Kämpfe war nach Darstellung der Regierung in Addis Abeba ein bewaffneter Angriff von TPLF-Kräften auf in Tigray stationierte Regierungstruppen.

In dem Konflikt spielen ethnische Gruppen eine große Rolle. Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde jahrzehntelang von Tigray dominiert, bis Abiy vor zwei Jahren Ministerpräsident wurde. Er selbst gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara.

UNICEF: 2,3 Millionen Kinder brauchen Hilfe

Wegen der Eskalation in Äthiopien sind nach Angaben von UNICEF rund 2,3 Millionen Kinder dringend auf Hilfe angewiesen. Die Kinder in Tigray seien wegen des “eingeschränkten Zugangs und des anhaltenden Kommunikationsstillstands” für humanitäre Hilfe unerreichbar, erklärte die Chefin der UN-Kinderhilfsorganisation, Henrietta Fore.

UNICEF-Chefin Henrietta Fore (Foto: Sanitation and Hygiene Fund/news aktuell via AP Images)

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UNICEF-Chefin Henrietta Fore will verhindern, dass Kinder als Kämpfer rekrutiert werden

In Flüchtlingslagern und Registrierungszentren im benachbarten Sudan seien weitere rund 12.000 teils unbegleitete Kinder in Gefahr. Es müsse alles unternommen werden, um die Kinder zu schützen und zu verhindern, dass sie als Kämpfer rekrutiert würden, sagte Fore. Sie forderte die Konfliktparteien auf, einen Zugang für humanitäre Organisationen zu ermöglichen.

UNHCR: 200.000 Flüchtlinge im Sudan möglich

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen rechnet mit Blick auf notwendige Hilfsmaßnahmen mit rund 200.000 äthiopischen Flüchtlingen im Sudan. Diese müssten nach jetziger Einschätzung mindestens sechs Monate versorgt werden, erklärter ein UNHCR-Vertreter in Genf. Derzeit hielten sich etwa 31.000 Flüchtlinge in dem Nachbarland Äthiopiens auf. Das
UNHCR fordere einen sofortigen vorübergehenden Waffenstillstand, um Korridore für Hilfen zu ermöglichen. 

Flüchtlinge aus Tigray warten im Schatten eines Baumes auf ihre Registrierung im UNCHR-Zentrum in Hamdayet im Sudan )(Foto: Marwan Ali/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk)

Flüchtlinge aus Tigray warten im Schatten eines Baumes auf ihre Registrierung im UNCHR-Zentrum in Hamdayet im Sudan.

Die Bundesregierung will angesichts der humanitären Notlage in Tigray ihre Hilfe aufstocken. Weitere fünf Millionen Euro würden Helfern vor Ort zur Verfügung gestellt, um Menschen zu versorgen, die ihre Häuser verloren hätten oder vor den Kämpfen auf der Flucht seien, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin.

“Äthiopien und seine Nachbarländer hatten dieses Jahr bereits schwer mit Überschwemmungen, Heuschrecken und COVID-19 zu kämpfen”, so Maas. Hinzu komme nun der Konflikt in Tigray. “Er spaltet das Land, er schadet den Menschen und er zieht die Nachbarstaaten in Mitleidenschaft. Das ist brandgefährlich”. Für eine Lösung des Konflikts brauche es einen politischen Prozess, der mit Deeskalation und Dialog beginne und den Reformkurs von Premier Abiy fortsetze.

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sti/wa (afp, rtr, kna)




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