Taliban dringen in afghanische Provinzhauptstadt vor | Aktuell Asien | DW

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Erstmals seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die radikal-islamischen Taliban eine Provinzhauptstadt angegriffen. Es gebe Gefechte in Kala-e Nau, der Hauptstadt der Provinz Badghis im Westen des Landes, bestätigten die Behörden. Verteidigungsminister Bismillah Mohammadi sprach in Kabul von “einer sehr angespannten militärischen Situation”.

Berichten zufolge nahmen die Taliban mehrere Polizeireviere und Stützpunkte des Geheimdienstes ein. Provinzräte sagten, dass Taliban-Kämpfer sich völlig frei auf Motorrädern in der Stadt bewegten. Vor allem Familien von Regierungsvertretern seien in Richtung Herat geflüchtet, Taxifahrer hätten Wucherpreise verlangt. Hunderte Gefangene konnten aus einem Gefängnis der Stadt entkommen.

Taliban-Offensive in Afghanistan | Qala-i- Naw

Angespannte militärische Situation: Örtliche Sicherheitskräfte machen sich kampfbereit

Später erklärten die Sicherheitskräfte, sie seien auf dem Vormarsch. Zudem hieß es, es habe Luftangriffe der Regierungstruppen gegeben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kabul brachten die Regierungstruppen das Polizeihauptquartier und auch die Zentrale der Nationalen Sicherheitsdirektion wieder unter Kontrolle.

Wenige Stunden vor dem Sturm auf Kala-e Nau hatte das US-Militär bekannt gegeben, dass der Rückzug aus Afghanistan zu 90 Prozent vollzogen sei. Seit Beginn des Abzugs der US- und NATO-Truppen im Mai haben sich die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Taliban massiv verstärkt. Beobachter befürchten, dass die Islamisten-Miliz nach dem vollständigen Abzug der internationalen Streitkräfte wieder die Macht in dem Land übernehmen könnte.

Bislang haben die Islamisten rund ein Viertel der Bezirke erobert. Dabei wurden Hunderte Regierungskräfte getötet, verwundet, gefangen genommen oder überredet aufzugeben. Von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 hatten die Taliban Afghanistan beherrscht und die Menschenrechte, vor allem die Rechte der Frauen, massiv beschnitten.

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Die USA intervenierten an der Spitze eines NATO-Bündnisses kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die damalige Taliban-Regierung in Kabul hatte sich geweigert, gegen die Al-Kaida von Osama bin Laden, dem Drahtzieher der Anschläge in den USA, vorzugehen und wurde rasch gestürzt. Allerdings zogen sich ihre Kämpfer unter anderem ins Nachbarland Pakistan zurück und formierten sich neu.

uh/sti (dpa, rtr, afp)




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