Taliban erobern Kundus und weitere Provinzhauptstädte in Afghanistan | Aktuell Asien | DW

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Kundus sei “nach heftigen Kämpfen” in ihrer Hand, erklärten die Taliban. Abgeordnete und Bewohner bestätigten die Einnahme. Die afghanischen Truppen starteten nach Angaben des Verteidigungsministeriums eine Offensive zur Rückeroberung wichtiger Einrichtungen in Kundus. Die Stadt befinde sich im “totalen Chaos”, berichtete ein Einwohner. Bilder in Online-Medien zeigten, wie Taliban-Kämpfer Häftlinge aus dem Gefängnis freiließen.

Am selben Tag nahmen die Aufständischen Sar-i-Pul, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordwesten, sowie Talokan, die Hauptstadt der Provinz Tachar im Nordosten des Landes, ein. Regierungsbeamte und die verbliebenen Streitkräfte hätten sich in eine Kaserne rund drei Kilometer vor der Stadt Sar-i-Pul zurückgezogen, berichtete die Frauenrechtsaktivistin Parwina Asimi. Ein Einwohner von Talokan sagte, Beamte und Sicherheitskräfte hätten die Stadt in langen Fahrzeugkonvois verlassen.

Afghanistan | Konflikte | Kundus in Händen der Taliban

Schwere Zerstörungen nach Kämpfen zwischen Taliban und der Armee in Kundus

Bisher größter Erfolg der Taliban

Die Taliban haben seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai bereits weite Teile des Landes erobert. Die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus gilt als ihr bislang größter Erfolg. Die Regierung in Kabul macht für die militärischen Erfolge der Taliban auch den Abzug der internationalen Truppen verantwortlich. Die USA wollen bis Ende August all ihre Soldaten aus Afghanistan zurückholen. Lediglich 650 US-Soldaten sollen zum Schutz der Botschaft in Kabul bleiben.

Während des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan war die Bundeswehr rund ein Jahrzehnt lang in Kundus stationiert. Von 2003 bis 2013 überwachten deutsche Soldaten vom großen Feldlager Kundus aus die Sicherheit im Norden des Landes. Bis Ende November 2020 waren noch rund 100 Bundeswehrsoldaten im “Camp Pamir” als Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte vor Ort, Ende April wurde der Standort offiziell an das afghanische Militär übergeben.

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Der Vormarsch der radikalislamischen Miliz im Norden Afghanistans könnte sich als Wendepunkt im Kampf mit den Regierungsstreitkräften erweisen. Der Norden galt lange als Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten. Die Region ist Heimat mehrerer Milizen und ein wichtiges Rekrutierungsgebiet für die afghanische Armee.

Fünf Hauptstädte verloren

Mit dem Fall von Kundus fielen innerhalb von drei Tagen fünf der 34 Provinzhauptstädte in die Hände der Islamisten. Erst am Freitag hatten die Taliban mit der südwestlichen Stadt Sarandsch die erste Provinzhauptstadt eingenommen, am Samstag brachten sie Scheberghan, die Hauptstadt der nördlichen Provinz Dschausdschan, unter ihre Kontrolle. Auch vom Stadtrand der Provinzhauptstädte Herat nahe der Grenze zum Iran sowie Laschkar Gah und Kandahar im Süden wurden Gefechte gemeldet.

Afghanistan | Luftangriffe in der Stadt Lashkar Gah

Luftangriffe haben die Stadt Laschkar Gah in der Provinz Helmand getroffen

Die Geschwindigkeit, mit der die Islamisten vordringen, hat das afghanische Militär offenkundig überrumpelt. Unterstützung erhielt die Armee am Samstag durch das US-Militär, das Taliban-Stellungen in Scheberghan bombardierte. Scheberghan ist die Bastion des berüchtigten Kriegsherrn Abdul Raschid Dostum. Er stand in den neunziger Jahren einer der größten Milizen im Norden Afghanistans vor, seine Kämpfer gingen mit extremer Brutalität gegen die Taliban vor.

Sollte sich Dostums Miliz aus der Region zurückziehen, wäre dies für die Regierung in Kabul ein herber Schlag. Sie setzt in ihrem Kampf gegen die Taliban auch auf die Unterstützung durch örtliche Kriegsherren. Die Regierung in Kabul äußerte sich zunächst nur zurückhaltend zum Fall der Provinzhauptstädte. Sie erklärte lediglich, die Armee werde die Städte zurückerobern.

kle/wa (afp, rtr, dpa)  




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