Taliban erobern sechste Provinzhauptstadt | Aktuell Asien | DW

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Die radikalislamischen Taliban haben die sechste afghanische Provinzhauptstadt binnen weniger Tage erobert. Die Miliz habe nunmehr die „volle Kontrolle“ über Aibak in der nordafghanischen Provinz Samangan, sagte Vize-Gouverneur Sefatullah Samangani. Die Islamisten rückten laut einem Taliban-Sprecher zudem auf Masar-i-Scharif vor, den langjährigen Stützpunkt der Bundeswehr im Norden Afghanistans.

Seit Freitag haben die Taliban gleich mehrere Provinzhauptstädte eingenommen. Ihr größter militärischer Erfolg war am Sonntag der Fall der strategisch wichtigen Stadt Kundus, die ebenfalls lange Zeit Bundeswehrstandort war. Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai hat die Miliz bereits weite Teile des Landes überrannt.

Offensive zur Rückeroberung

Die afghanischen Truppen starteten nach Angaben des Verteidigungsministeriums inzwischen eine Offensive zur Rückeroberung wichtiger Einrichtungen in Kundus. Die Stadt befinde sich im „totalen Chaos“, berichtete ein Einwohner. Bilder in Online-Medien zeigten, wie Taliban-Kämpfer Häftlinge aus dem Gefängnis freiließen.

Afghanistan | Konflikte | Kundus in Händen der Taliban

Schwere Zerstörungen nach Kämpfen zwischen Taliban und der Armee in Kundus

Ebenfalls am Sonntag hatten die Aufständischen Sar-i-Pul, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordwesten, sowie Talokan, die Hauptstadt der Provinz Tachar im Nordosten des Landes, eingenommen. Regierungsbeamte und die verbliebenen Streitkräfte hätten sich in eine Kaserne rund drei Kilometer vor der Stadt Sar-i-Pul zurückgezogen, berichtete die Frauenrechtsaktivistin Parwina Asimi. Ein Einwohner von Talokan sagte, Beamte und Sicherheitskräfte hätten die Stadt in langen Fahrzeugkonvois verlassen.

Bisher größter Erfolg der Taliban

Die Taliban haben seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen im Mai bereits weite Teile des Landes erobert. Die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kundus gilt als ihr bislang größter Erfolg. Die Regierung in Kabul macht für die militärischen Erfolge der Taliban auch den Abzug der internationalen Truppen verantwortlich. Die USA wollen bis Ende August all ihre Soldaten aus Afghanistan zurückholen. Lediglich 650 US-Soldaten sollen zum Schutz der Botschaft in Kabul bleiben.

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Während des internationalen Kampfeinsatzes in Afghanistan war die Bundeswehr rund ein Jahrzehnt lang in Kundus stationiert. Von 2003 bis 2013 überwachten deutsche Soldaten vom großen Feldlager Kundus aus die Sicherheit im Norden des Landes. Bis Ende November 2020 waren noch rund 100 Bundeswehrsoldaten im „Camp Pamir“ als Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte vor Ort, Ende April wurde der Standort offiziell an das afghanische Militär übergeben.

Der Vormarsch der radikalislamischen Miliz im Norden Afghanistans könnte sich als Wendepunkt im Kampf mit den Regierungsstreitkräften erweisen. Der Norden galt lange als Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten. Die Region ist Heimat mehrerer Milizen und ein wichtiges Rekrutierungsgebiet für die afghanische Armee.

Weiter auf dem Vormarsch

Erst am Freitag hatten die Taliban mit der südwestlichen Stadt Sarandsch die erste Provinzhauptstadt eingenommen, am Samstag brachten sie Scheberghan, die Hauptstadt der nördlichen Provinz Dschausdschan, unter ihre Kontrolle. Auch vom Stadtrand der Provinzhauptstädte Herat nahe der Grenze zum Iran sowie Laschkar Gah und Kandahar im Süden wurden Gefechte gemeldet.

Afghanistan | Luftangriffe in der Stadt Lashkar Gah

Luftangriffe haben die Stadt Laschkar Gah in der Provinz Helmand getroffen

Die Geschwindigkeit, mit der die Islamisten vordringen, hat das afghanische Militär offenkundig überrumpelt. Unterstützung erhielt die Armee am Samstag durch das US-Militär, das Taliban-Stellungen in Scheberghan bombardierte. Scheberghan ist die Bastion des berüchtigten Kriegsherrn Abdul Raschid Dostum. Er stand in den neunziger Jahren einer der größten Milizen im Norden Afghanistans vor, seine Kämpfer gingen mit extremer Brutalität gegen die Taliban vor.

Sollte sich Dostums Miliz aus der Region zurückziehen, wäre dies für die Regierung in Kabul ein herber Schlag. Sie setzt in ihrem Kampf gegen die Taliban auch auf die Unterstützung durch örtliche Kriegsherren. Die Regierung in Kabul äußerte sich zunächst nur zurückhaltend zum Fall der Provinzhauptstädte. Sie erklärte lediglich, die Armee werde die Städte zurückerobern.

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kle/jj (afp, rtr, dpa)  




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