Taliban nehmen Kabul immer stärker in die Zange | Aktuell Welt | DW

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Die radikalislamischen Taliban haben die afghanische Hauptstadt Kabul weitgehend umstellt. Inzwischen lagern Taliban-Kämpfer rund 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Nach dem Fall der zweit- und der drittgrößten Stadt des Landes – Kandahar und Herat – ist Kabul de facto die letzte Bastion der Regierungstruppen, die anderswo kaum oder gar keinen Widerstand leisteten.

Kämpfe um Masar-i-Scharif

Am Morgen habe es Gefechte um Maidan Schar gegeben, Hauptstadt der rund 35 Kilometer von Kabul gelegenen Provinz Maidan Wardak, sagte die Abgeordnete Hamida Akbari der Deutschen Presse-Agentur. Die Taliban beherrschten bereits einen Großteil der Bezirke in der Provinz.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan DE

Berichte über heftige Kämpfe gab es auch aus dem nördlichen Masar-i-Scharif. Die Stadt, wo die Bundeswehr zuletzt ihr größtes Feldlager hatte, ist das wirtschaftliche Zentrum der Region im Norden, die immer als Bollwerk gegen die Taliban galt. Der berüchtigte Kriegsherr Abdul Raschid Dostum hatte dort zuletzt seine Milizen versammelt.

19. Provinzhauptstadt erobert 

Die Islamisten konnten zudem die mittlerweile 19. Provinzhauptstadt Afghanistans übernehmen. Scharana mit seinen geschätzt 66.000 Einwohnern in der Provinz Paktika im Südosten des Landes sei nach Vermittlung Ältester kampflos an die Taliban gegangen, bestätigten drei lokale Behördenvertreter. Im Osten wurden Gefechte um die Provinzhauptstädte von Paktia und Kunar gemeldet. 

So können auch Sieger aussehen: Taliban patrouillieren auf kleinen Motorrädern in der Stadt Ghasni

Auch so können Sieger aussehen: Taliban patrouillieren auf kleinen Motorrädern in der Stadt Ghasni

Die einzigen größeren Städte, die noch nicht von den Taliban eingenommen wurden, sind Dschalalabad, Gardes und Chost. Mit heftigem Widerstand gegen die Islamisten wird dort aber nicht gerechnet.

Seit Beginn des vollständigen Abzugs der NATO-Truppen aus Afghanistan im Mai haben die Taliban weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Seit Freitag vergangener Woche nahmen die Islamisten mehr als die Hälfte der 34 afghanischen Provinzhauptstädte ein.

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UN-Generalsekretär António Guterres wies auf die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hin. “Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und sind gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen.” Es sei zudem “besonders entsetzlich und herzzerreißend, Berichte zu sehen, wonach den afghanischen Mädchen und Frauen ihre hart erkämpften Rechte entrissen werden”.

Der afghanische Staatschef Ashraf Ghani spricht von der Remobilisierung der Streitkräfte und politischen Beratungen

Der afghanische Staatschef Ashraf Ghani spricht von der “Remobilisierung” der Streitkräfte und politischen “Beratungen”

Präsident Aschraf Ghani kündigte derweil eine “Remobilisierung” der Streitkräfte an. Dies habe “oberste Priorität”, sagte er in einer Fernsehansprache. Zudem liefen “Beratungen” mit politischen Verantwortungsträgern und internationalen Partnern über eine politische Lösung, um dem Land “Frieden und Stabilität” zu sichern, versicherte der Präsident.

USA ordnen Zerstörung von sensiblem Material in Kabul an

Deutschland und andere Länder wie Großbritannien und Spanien kündigten die Ausreise von Botschaftspersonal an. Die USA sagten das Ausfliegen tausender Menschen täglich zu und veranlassten die Zerstörung sensiblen Materials in ihrer Botschaft in Kabul. Aus Washington hieß es dennoch, Kabul befinde “sich im Moment nicht in einer unmittelbaren Bedrohungslage”. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums räumte jedoch ein, dass “die Taliban-Kämpfer versuchen, die Stadt zu isolieren”.

In Online-Netzwerken waren zahlreiche Fotos und Videos zu sehen, in denen Kämpfer der Islamisten mit erbeutetem Kriegsmaterial posierten. Den Aufständischen fielen demnach zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge, schwere Waffen und andere hochwertige Ausrüstung in die Hände.

sti/mak (afp, ap, rtr)




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