Taliban nehmen Masar-i-Scharif ein | Aktuell Welt | DW

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Die radikalislamischen Taliban haben nach Aussage von Einwohnern die Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans eingenommen. Der Vorsitzende des örtlichen Provinzrats, Afsal Hadid, bestätigte entsprechende Berichte. Soldaten der Regierung seien in Richtung der Grenze zu Usbekistan geflohen. In einem Feldlager am Rande der Stadt hatte die Bundeswehr bis zu ihrem Abzug im Juni ihr Hauptquartier für den Afghanistan-Einsatz.

Für die Zentralregierung ist dies ein weiterer herber Rückschlag, galt Masar-i-Scharif doch lange als Bollwerk gegen die militanten Islamisten. Diese rücken nun immer näher an die Hauptstadt Kabul heran. Inzwischen lagern Taliban-Kämpfer rund 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt. Nach dem Fall der zweit- und der drittgrößten Stadt des Landes – Kandahar und Herat – ist Kabul de facto die letzte Bastion der Regierungstruppen, die anderswo kaum oder gar keinen Widerstand leisteten.

Kämpfe und Kapitulationen

Während in einigen Provinzhauptstädten gekämpft wurde, ergaben sich die Regierungssoldaten andernorts ohne Gegenwehr, wie Einwohner berichteten. Am Morgen habe es Gefechte um Maidan Schar gegeben, Hauptstadt der rund 35 Kilometer von Kabul gelegenen Provinz Maidan Wardak, sagte die Abgeordnete Hamida Akbari der Deutschen Presse-Agentur.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan DE

Auch in Masar-i-Scharif, dem wirtschaftlichen Zentrum der Region im Norden, hatte es zunächst Schusswechsel gegeben. Der berüchtigte Kriegsherr Abdul Raschid Dostum hatte dort zuletzt seine Milizen versammelt. Doch schließlich gewannen die Taliban die Oberhand. “Sie paradieren mit ihren Fahrzeugen und Motorrädern und schießen in die Luft, um zu feiern”, sagte ein Anwohner.

Die Islamisten konnten mittlerweile mehr als 20 Provinzhauptstädte übernehmen. Die einzigen größeren Städte, die noch nicht von den Taliban kontrolliert werden, sind Dschalalabad, Gardes und Chost. Mit heftigem Widerstand gegen die Islamisten wird dort aber nicht gerechnet.

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UN-Generalsekretär António Guterres wies auf die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hin. “Angriffe auf Zivilisten sind eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts und sind gleichbedeutend mit Kriegsverbrechen.” Es sei zudem “besonders entsetzlich und herzzerreißend, Berichte zu sehen, wonach den afghanischen Mädchen und Frauen ihre hart erkämpften Rechte entrissen werden”.

Der afghanische Staatschef Ashraf Ghani spricht von der Remobilisierung der Streitkräfte und politischen Beratungen

Der afghanische Staatschef Ashraf Ghani spricht von der “Remobilisierung” der Streitkräfte und politischen “Beratungen”

Präsident Aschraf Ghani kündigte derweil eine “Remobilisierung” der Streitkräfte an. Dies habe “oberste Priorität”, sagte er in einer Fernsehansprache. Zudem liefen “Beratungen” mit politischen Verantwortungsträgern und internationalen Partnern über eine politische Lösung, um dem Land “Frieden und Stabilität” zu sichern, versicherte der Präsident.

USA ordnen Zerstörung von sensiblem Material in Kabul an

Deutschland und andere Länder wie Großbritannien und Spanien kündigten die Ausreise von Botschaftspersonal an. Die USA sagten das Ausfliegen Tausender Menschen täglich zu und veranlassten die Zerstörung sensiblen Materials in ihrer Botschaft in Kabul. Aus Washington hieß es dennoch, Kabul befinde “sich im Moment nicht in einer unmittelbaren Bedrohungslage”. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums räumte jedoch ein, dass “die Taliban-Kämpfer versuchen, die Stadt zu isolieren”.

In Online-Netzwerken waren zahlreiche Fotos und Videos zu sehen, in denen Kämpfer der Islamisten mit erbeutetem Kriegsmaterial posierten. Den Aufständischen fielen demnach zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge, schwere Waffen und andere hochwertige Ausrüstung in die Hände.

jj/sti (dpa, afp, ap, rtr)




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