Taliban starten Angriff auf Kabul | Aktuell Asien | DW

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Die militant-islamistischen Taliban haben nun auch die wichtige Großstadt Dschalalabad im Osten Afghanistans übernommen. Das bestätigten zwei Provinzräte sowie Bewohner von Dschalalabad und ein afghanischer Behördenvertreter gegenüber mehreren Nachrichtenagenturen. Damit verliert die afghanische Regierung die vorletzte Großstadt. Ein möglicher Angriff auf die letzte Bastion Kabul könnte bald erfolgen.

Afghanistan Taliban in Dschlalalabad

Militärs der Taliban in Dschalalabad zeigen ihre Flagge

Angesichts des raschen Vorrückens der Taliban-Miliz auf Kabul hat US-Präsident Joe Biden die Zahl der US-Soldaten erhöht, die jetzt bei der Evakuierung der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt helfen. Statt der ursprünglich vorgesehenen 3000 Soldaten sollen nun „etwa 5000 Soldaten“ eingesetzt werden, um die Ausreise des Botschaftspersonals und unzähliger ziviler Ortskräfte zu sichern, erklärte Biden. Die US-Botschaft begann mit der Evakuierung. Erste Mitarbeiter hätten die Botschaft verlassen, der Großteil des Personals sei zum Abzug bereit, teilten US-Vertreter mit.

Evakuierung der deutschen Botschaft 

Auch die Bundeswehr plant derzeit unter Hochdruck eine Rettungsaktion von Botschaftsmitarbeitern und weiteren deutschen Staatsbürgern. Bereits am Montag sollen mehrere Transportmaschinen vom Typ A400M der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt Kabul fliegen, um Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Sicherheit zu bringen. Das berichtet die „Bild am Sonntag“.

Kanzlerin Angela Merkel beriet am Samstag nach Angaben eines Regierungssprechers mit mehreren Ministern über die Lage. Eine Beteiligung des Deutschen Bundestags an einer solchen Entscheidung werde erfolgen.

Deutschland | Bundesaußenminister Heiko Maas

Außenminister Heiko Maas: „Wir sind für alle Szenarien vorbereitet“ (Archivbild)

Bundesaußenminister Heiko Maas bezeichnet die Sicherheit des Botschaftspersonals als oberstes Gebot. „Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet“, sagt der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“. Der Zeitung zufolge wird in Taschkent in Usbekistan eine Drehscheibe für die Evakuierung errichtet.

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US-Außenminister Antony Blinken telefonierte derweil mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Dabei sei es um Bemühungen gegangen, die Gewalt in Afghanistan einzudämmen. Die Frage ist, ob Ghani noch die Mittel dazu hat – ungeachtet der inzwischen in Kabul zu beobachtenden Präsenz von Regierungstruppen. 

Afghanistan Taliban

Hat Präsident Ghani (Bildmitte) noch die Mittel, um die Taliban zu stoppen?

Ghani kündigte eine „Remobilisierung“ der Streitkräfte an. Dies habe „oberste Priorität“, sagte er in einer Fernsehansprache. Zudem liefen „Beratungen“ mit politischen Verantwortungsträgern und internationalen Partnern über eine politische Lösung, um dem Land „Frieden und Stabilität“ zu sichern, versicherte der Präsident.

Die radikalislamischen Taliban hatten zuletzt die Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans eingenommen. Der Vorsitzende des örtlichen Provinzrats, Afsal Hadid, bestätigte entsprechende Berichte. Soldaten der Regierung seien in Richtung der Grenze zu Usbekistan geflohen. In einem Feldlager am Rande der Stadt hatte die Bundeswehr bis zu ihrem Abzug im Juni ihr Hauptquartier für den Afghanistan-Einsatz.  

Afghanistan - Taliban-Kämpfer

Taliban-Kämpfer in der Stadt Herat

Für die Zentralregierung ist dies ein weiterer herber Rückschlag, galt Masar-i-Scharif doch lange als Bollwerk gegen die militanten Islamisten. Nach dem Fall der zweit- und der drittgrößten Stadt des Landes – Kandahar und Herat – ist Kabul de facto die letzte Bastion der Regierungstruppen, die anderswo kaum oder gar keinen Widerstand leisteten.

Während in einigen Provinzhauptstädten gekämpft wurde, ergaben sich die Regierungssoldaten andernorts ohne Gegenwehr, wie Einwohner berichteten. Die Islamisten konnten mittlerweile mehr als 20 Provinzhauptstädte übernehmen. Die einzigen größeren Städte, die noch nicht von den Taliban kontrolliert werden, sind Gardes und Chost.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan DE

ml/wa/pg/nob (rtr, dpa, ap, afp)

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