Taliban stehen vor der Machtübernahme in Kabul | Aktuell Asien | DW

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Taliban-Kämpfer hätten die Außenbezirke der afghanischen Hauptstadt Kabul erreicht und stießen von allen Seiten vor, teilte das afghanische Innenministerium mit. Ein Taliban-Sprecher erklärte hingegen, die Kämpfer hätten Anordnung, an den Toren der Stadt zu halten und nicht nach Kabul vorzudringen. 

Bewohner von Außenbezirken Kabuls sagten jedoch, Taliban-Kämpfer seien bereits im Stadtgebiet. “Es gibt bewaffnete Taliban-Kämpfer in unserer Nachbarschaft, aber es wird nicht gekämpft”, sagte ein Bewohner eines östlichen Vororts der Hauptstadt. 

Innenminister kündigt “Übergangsregierung” an

Die Islamisten sind nach eigenen Angaben in Gesprächen mit der afghanischen Regierung über eine friedliche Übergabe der Hauptstadt Kabul. Man werde keine Rache üben, sagte ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen.

Infografik - Kabul vor dem Fall? - DE

Auch Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal kündigte eine “friedliche Machtübergabe” an eine “Übergangsregierung” an.

Eine Delegation der afghanischen Regierung soll noch an diesem Sonntag zu Verhandlungen mit den Taliban über eine Machtübergabe nach Katar fliegen. Dies teilte ein Mitglied des Verhandlungsteams der Regierung mit. Auch US-Vertreter würden daran beteiligt sein.

In einer Videobotschaft hat sich Präsident Aschraf Ghani an die Regierungstruppen gewandt. Die Soldaten sollten in der Hauptstadt weiterhin für “die Sicherheit aller Bürger” sorgen. Die Verbreitung von “Chaos” oder Plünderungen würden nicht geduldet, sagte Ghani. Die Loyalität vieler Soldaten ist zweifelhaft. Militärischen Widerstand gegen die Taliban gab es nur vereinzelt.

Zuvor hatten die Taliban die wichtige Großstadt Dschalalabad im Osten Afghanistans an der Grenze zu Pakistan übernommen. Die Extremisten rückten nach Angaben eines Behördenvertreters kampflos in die Hauptstadt der Provinz Nangarhar ein. Damit verlor die afghanische Regierung die vorletzte Großstadt.

Angesichts des Vorrückens der Taliban-Miliz auf Kabul hatte US-Präsident Joe Biden die Zahl der US-Soldaten erhöht, die jetzt bei der Evakuierung der Botschaft in der afghanischen Hauptstadt helfen. Statt der ursprünglich vorgesehenen 3000 Soldaten sollen nun “etwa 5000 Soldaten” eingesetzt werden, um die Ausreise des Botschaftspersonals und unzähliger ziviler Ortskräfte zu sichern, erklärte Biden. Die US-Botschaft begann mit der Evakuierung. Erste Mitarbeiter hätten die Botschaft verlassen, der Großteil des Personals sei zum Abzug bereit, teilten US-Vertreter mit.

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Russland will seine Botschaft in der afghanischen Hauptstadt vorerst nicht räumen. Eine Evakuierung sei nicht geplant, sagte der Afghanistan-Beauftragte des russischen Außenministeriums, Samir Kabulow, der Agentur Interfax. “Der Botschafter und unsere Mitarbeiter nehmen ihre Aufgaben in aller Ruhe wahr.”

Deutsche Botschaft an Kabuler Flughafen verlegt

Deutschland hat seine Botschaft wegen des Vorrückens der Taliban auf Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas mit: “Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dort inzwischen eingetroffen und stellen ihre Arbeitsfähigkeit her”, erklärte Maas. Er habe den Krisenstab der Bundesregierung erneut einberufen. Es gehe darum, “Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan auf den Weg zu bringen”. 

Maas bezeichnete die Sicherheit des Botschaftspersonals als oberstes Gebot. “Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet”, sagt der SPD-Politiker der “Bild am Sonntag”. In Taschkent in Usbekistan soll eine Drehscheibe für die Evakuierung errichtet werden.

Bundeswehr plant Rettungsaktion

Die Bundeswehr plant derzeit unter Hochdruck den bislang größten Evakuierungseinsatz. Bereits am Montag sollen Fallschirmjäger der Bundeswehr in mehreren Transportmaschinen vom Typ A400M nach Kabul fliegen, um Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Sicherheit zu bringen. Noch können die Zahlen sich verändern, aber es müssen wohl mindestens 57 Botschaftsangehörige und 88 weitere Deutsche ausgeflogen werden. Dazu kommt eine größere Anzahl bedrohter afghanischer Ortskräfte.

Deutschland | Bundesaußenminister Heiko Maas

Außenminister Heiko Maas: “Wir sind für alle Szenarien vorbereitet” (Archivbild)

US-Außenminister Antony Blinken telefonierte derweil mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Dabei sei es um Bemühungen gegangen, die Gewalt in Afghanistan einzudämmen. 

Afghanistan Taliban

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Hat Präsident Ghani (Bildmitte) noch die Mittel, um die Taliban zu stoppen?

Die radikalislamischen Taliban hatten am Samstag die Stadt Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans eingenommen. Der Vorsitzende des örtlichen Provinzrats, Afsal Hadid, bestätigte entsprechende Berichte. Soldaten der Regierung seien in Richtung der Grenze zu Usbekistan geflohen. In einem Feldlager am Rande der Stadt hatte die Bundeswehr bis zu ihrem Abzug im Juni ihr Hauptquartier für den Afghanistan-Einsatz.  

Afghanistan - Taliban-Kämpfer

Taliban-Kämpfer in der Stadt Herat

Für die Zentralregierung ist dies ein weiterer herber Rückschlag, galt Masar-i-Scharif doch lange als Bollwerk gegen die militanten Islamisten. 

Während in einigen Provinzhauptstädten gekämpft wurde, ergaben sich die Regierungssoldaten andernorts ohne Gegenwehr, wie Einwohner berichteten.

Infografik Wer kontrolliert Afghanistan DE

qu/sti (rtr, dpa, ap, afp)

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