Taliban verkünden in Kabul ihren Sieg | Aktuell Asien | DW

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Zwei Jahrzehnte nach ihrem Sturz sind die Taliban ins Zentrum der Macht in Kabul vorgerückt und haben Agenturberichten zufolge die Kontrolle auch in Afghanistans Hauptstadt übernommen. Nach ihrem blitzartigen Vormarsch feierten bewaffnete Kämpfer der radikalislamischen Miliz im Präsidentenpalast in Kabul ihren “siegreichen” Feldzug gegen die afghanische Regierung. Der Politbüro-Chef der Extremisten, Mullah Abdul Ghani Baradar, erklärte in einer Videobotschaft, dieser unerwartete Erfolg sei beispiellos in der Welt. Nun aber folge die wirkliche Bewährungsprobe, nämlich die Erwartungen der Menschen zu erfüllen und ihre Probleme zu lösen.

“Der Krieg ist vorbei”

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira veröffentlichte Bilder, die dem Bericht zufolge Taliban-Kommandeure und Dutzende Kämpfer im Präsidentenpalast zeigten. Ein Sprecher der Aufständischen sagte dem Sender, der Krieg sei vorbei.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hatte zuvor die Flucht ergriffen. Ghani ließ auf Facebook erklären, er habe Afghanistan verlassen, um Blutvergießen zu vermeiden. Zu seinem Aufenthaltsort äußerte er sich nicht. Wie Al Dschasira unter Berufung auf einen Leibwächter des Politikers berichtete, machte sich Ghani unter anderem mit seinem Stabschef auf den Weg in die usbekische Hauptstadt Taschkent. “Die Taliban haben gesiegt”, konstatierte Ghani in seiner Erklärung. Wenn er geblieben wäre, wären “zahllose Patrioten” getötet und Kabul zerstört worden.

Afghanistan Wandgemälde von Präsident Ashraf Ghani am internationalen Flughafen Hamid Karzai in Kabul

Nur noch als Wandgemälde in Kabul: Präsidet Ghani hat das Land verlassen

Szenen auf dem Flughafen von Kabul

Auf dem internationalen Flughafen von Kabul spielten sich am Sonntagabend chaotische Szenen ab, wie auf Videos zu sehen ist, die auf Twitter veröffentlicht wurden. Viele Menschen versuchten augenscheinlich, Flugzeuge zu erreichen, die die Stadt verlassen würden. 

Deutschland und andere westliche Staaten räumten ihre Botschaften, die ersten deutschen Botschaftsmitarbeiter sollten noch am Sonntag ausgeflogen werden.

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Die Bundeswehr auf dem Weg 

In der Nacht zum Montag sollten Transportflugzeuge A400M der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt starten, um bei der weiteren Evakuierung zu helfen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) erklärte, Ziel sei es, “dass wir solange es die Möglichkeiten vor Ort erlauben, so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan rausbringen”.

Bundeswehr bereitet Evakuierung von Deutschen in Afghanistan vor

Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M am Abend auf dem Fliegerhorst Wunstorf in Hannover

Die USA brachten bereits “hunderte” ihrer Botschaftsmitarbeiter außer Landes, wie ein Regierungsvertreter in Washington sagte. US-Präsident Joe Biden kündigte an, tausend weitere Soldaten nach Kabul zu schicken, um die Evakuierungen zu unterstützen. Insgesamt werden sich somit 6000 US-Soldaten an dem Einsatz beteiligen. Auf Bildern aus Kabul war ein Hubschrauber am Botschaftsgebäude zu sehen.

Die “friedliche Machtübergabe”

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” waren am Sonntag noch rund 20 Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul. Hinzu kommen demnach Entwicklungshelfer sowie rund 80 weitere Deutsche, die sich noch in dem Land aufhalten. Zudem sollen rund 300 afghanische Ortskräfte, die in Afghanistan für Deutschland gearbeitet haben, samt ihren Familien ausgeflogen werden.

Afghanistan | Innenminister Abdul Sattar Mirzakwal in Kabul

Innenminister Abdul Sattar Mirzakwal kündigt die Machtübergabe an

Nach einem zehntägigen Eroberungsfeldzug durch Afghanistan war die radikalislamische Miliz am Sonntag zunächst bis an den Stadtrand von Kabul und in die Außenbezirke vorgerückt. Die afghanische Regierung hatte sich bereits zur Machtübergabe bereiterklärt. Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal sagte eine “friedliche Machtübergabe” an eine “Übergangsregierung” zu. Ein Taliban-Sprecher sagte dem britischen Sender BBC, die Miliz strebe einen “friedlichen Machttransfer” innerhalb der “kommenden Tage” an.

Eine Stadt nach der anderen

Die Islamisten hatten in den vergangenen Tagen eine afghanische Stadt nach der anderen eingenommen, zuletzt auch das strategisch wichtige Dschalalabad im Osten und den früheren Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif im Norden. Unter den Bewohnern von Kabul breitete sich am Sonntag Panik aus, vor den Banken bildeten sich lange Schlangen. Vielerorts herrschte Angst davor, dass die Hauptstadt im Chaos versinken könnte.

Afghanistan I Lage in Kabul spitzt sich zu I 15.08.2021

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Auch das britische Verteidigungsministerium schickte zusätzliche Truppen nach Kabul

Die Geschwindigkeit des Taliban-Vormarsches seit dem Beginn des Abzugs der NATO-Truppen im Mai löste international Fassungslosigkeit aus. Die USA waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington an der Spitze einer internationalen Militärkoalition in Afghanistan einmarschiert und hatten die damals dort herrschenden Taliban von der Macht vertrieben. Begründet wurde der Einsatz damit, dass Afghanistan ein Rückzugsort für Extremisten des Terrornetzwerks Al-Kaida war, das die Anschläge auf Befehl von Osama bin Laden verübt hatte.

ml/wa (afp, rtr, dpa, ap)

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