Tote bei Bombenanschlägen am Flughafen von Kabul | Aktuell Asien | DW

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Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, schrieb auf Twitter, eine der Detonationen habe sich am Abbey-Tor des Flughafens ereignet. Zudem habe es eine zweite Explosion in der Nähe des Hotels Baron gegeben, das nicht weit entfernt liegt. Durch die “komplexe Attacke” sei eine bislang unbekannte Zahl an Opfern zu beklagen. Unter den Toten sind auch US-Soldaten, wie das Pentagon bestätigte.

Die Lage ist weiter unübersichtlich. Laut einem Vertreter der radikalislamischen Taliban, die seit kurzem in Afghanistan an der Macht sind, wurden mindestens 13 Menschen bei der Detonation getötet. Mindestens 52 weitere seien verletzt worden, sagte der Sprecher des politischen Büros der Taliban in der katarischen Hauptstadt Doha, Suhail Schahin. Man verurteile diesen grausamen Vorfall aufs Schärfste und werde alles unternehmen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Nichtregierungsorganisation Emergency spricht von mindestens sechs, das russische Außenministerium von mindestens zwei Toten.

Afghanistan I Explosion am Flughafen in Kabul

Die Rauchschwaden nach den Detonationen waren weithin sichtbar

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf ungenannte Quellen aus der US-Regierung, die USA verdächtigten das Khorasan-Netzwerk, einen Ableger der Terrororganisation “Islamischer Staat”, als Urheber des Anschlags. Die Gruppe, auf deren Konto zahlreiche tödliche Angriffe in der Region gehen, ist mit den Taliban verfeindet. Auch abtrünnige Taliban sollen zu ihren Mitgliedern zählen.

Bundeswehr-Evakuierungseinsatz beendet

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte, es seien keine eigenen Kräfte betroffen. Während des Attentats seien die deutschen Evakuierungsmaschinen gerade beladen worden. Der deutsche Kommandeur habe daraufhin den Notfallplan ausgelöst. Bis auf zwei Soldaten, die sich gerade im US-amerikanisch kontrollierten Teil des Flughafens befanden, konnten alle Bundeswehrangehörigen in Kabul abfliegen.

Die verbliebenen zwei Soldaten gingen später an Bord eines Airbus A400M-Medevac, der noch einmal in der afghanischen Hauptstadt gelandet war. Dieses Sanitätsflugzeug ist auf dem Weg nach Taschkent. Die usbekische Hauptstadt dient als Drehkreuz für die Rettungsmission, deren militärischer Teil von deutscher Seite damit beendet ist. Die fliegende Intensivstation werde bei Bedarf aber weiter für die Behandlung von Verletzten zur Verfügung stehen, so Kramp-Karrenbauer.

Karte Kabul Airport_Map Blast EN Abbey Gate Baron Hotel DE

Insgesamt flog die Bundeswehr nach Angaben der Verteidigungsministerin 5347 Menschen außer Landes, darunter mehr als 4200 Afghanen. Alle deutschen Soldaten sowie sämtliche Angehörige des Auswärtigen Amts und der Bundespolizei hätten Afghanistan verlassen.

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Kramp-Karrenbauer: Mehr Evakuierungsflüge “unmöglich”

Die Bundesregierung bemühe sich aber weiter um die Ausreise der noch verbliebenen Ortskräfte, sagte Kramp-Karrenbauer. Dies geschehe auch in direkten Gesprächen mit den Taliban. Deren Weigerung, einer Verlängerung der Evakuierungsmission über das Monatsende hinaus zuzustimmen, aber auch die Sicherheitslage hätten es “unmöglich” gemacht, weitere Flüge zu unternehmen. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen rund um den Flughafen in Kabul gegeben. 

Afghanistan | Kabul Airport Explosion

Kämpfer der Taliban vor einem Krankenhaus in Kabul, in dem Verletzte versorgt werden

Bundesaußenminister Heiko Maas bekräftigte vor der Presse, Deutschland werde “alles daransetzen”, den einheimischen Helfern der Bundeswehr, die noch in Afghanistan sind, die Ausreise zu ermöglichen. Er werde daher am Sonntag in die Region reisen, um mit seinen Amtskollegen in Usbekistan, Tadschikistan und Pakistan sowie in der Türkei und Katar über die Lage zu beraten.

Merkel: “Absolut niederträchtiger Anschlag”

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in einer ersten Reaktion: “Die Terroristen haben auf Menschen gezielt, die vor den Flughafentoren gewartet hatten.” Es habe ein oder mehrere Selbstmordattentate gegeben. Merkel sprach von einem “absolut niederträchtigen Anschlag” und versicherte Betroffene und deren Angehörige ihres Mitgefühls.

Die Kanzlerin erklärte, das Zeitfenster für die Luftbrücke schließe sich. Diejenigen, die noch nicht in Sicherheit gebracht werden konnten, “werden wir nicht vergessen”. Deutschland bemühe sich weiterhin um ihre Ausreise, auch in direkten Gesprächen mit den Taliban.

Merkel sagte eine geplante Reise nach Israel wegen der Krise in Afghanistan ab, wie Regierungssprecher Steffen Seibert zuvor mitgeteilt hatte. Der Besuch soll nachgeholt werden. Ein für diesen Donnerstag angesetztes Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett mit US-Präsident Joe Biden in Washington verzögerte sich durch den Anschlag in Kabul. Möglicherweise müsse die Begegnung im Weißen Haus auch ganz entfallen, hieß es.

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Krisentreffen der UN-Vetomächte

UN-Generalsekretär António Guterres lud die Vetomächte des UN-Sicherheitsrats zu einem Krisentreffen ein. Laut Diplomatenkreisen sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen.

jj/uh (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.




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