Tränengas und Schüsse gegen Demonstranten im Sudan | Aktuell Afrika | DW

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In mehreren Stadtteilen der sudanesischen Hauptstadt Khartum kamen Menschen zusammen, um gegen den Staatsstreich zu demonstrieren. „Dutzende versammelten sich, skandierten gegen die Militärherrschaft und marschierten weiter, um sich mit anderen Versammlungen zu treffen“, sagte ein Zeuge aus dem Bezirk Al-Shajarah im Süden Khartums. „Nein, nein zur Militärherrschaft“ und „Nieder mit dem gesamten Rat“, riefen dort einige Demonstranten. Trotz der Unterbrechung der Kommunikationsnetze versammelten sich auch Hunderte in der Zwillingsstadt der Hauptstadt, Omdurman. Auch dort trieb die Polizei die Demonstranten mit Tränengas auseinander, wie Augenzeugen berichten. Nach Berichten von Ärzten wurde ein Kundgebungsteilnehmer erschossen, weitere Demonstranten erlitten Schussverletzungen.

In Khartum verfolgten Sicherheitskräfte an verschiedenen Stellen der Stadt Demonstranten und versuchten sie vom Marsch ins Stadtzentrum abzuhalten. „Die Leute sind überrascht, dass die das Tränengas so früh einsetzen“, sagte ein Demonstrant der Nachrichtenagentur Reuters. Die Protestierer zogen sich vielfach in Nebenstraßen zurück und errichteten Straßenbarrikaden. Weitere Demonstrationen werden aus der Stadt Wad Madani im Süden sowie aus der Küstenstadt Port Sudan und aus dem Bundesstaat Kassala im Osten gemeldet.

Sudan Port Sudan | Proteste gegen Militärregierung

Auch in Port Sudan bildete sich ein langer Protestzug

Zu den landesweiten Massenprotesten hatten pro-demokratische Aktivisten aufgerufen. Eine Rückkehr des nordostafrikanischen Staates zu einer neuen „Militärdiktatur“ müsse verhindert werden, schrieben sie in Textnachrichten.

Brücken in der Hauptstadt blockiert

Die Militärmachthaber entsandten daraufhin am frühen Morgen ein Großaufgebot an Soldaten und Paramilitärs in die Straßen der Hauptstadt Khartum. Alle Verbindungsbrücken zu den Vororten wurden gesperrt. Auch die Umgebung des Präsidentenpalastes und der Flughafen wurden abgeriegelt. Gewerkschaften und pro-demokratische Gruppierungen berichteten von weiteren Festnahmen.

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Das Militär hatte vor knapp drei Wochen die Macht im Sudan übernommen. Soldaten nahmen die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung fest. Der Anführer der Putschisten, General Abdel Fattah al-Burhan, rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die Bildung einer neuen Regierung an. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell forderte die sofortige Freilassung der inhaftierten Politiker der Übergangsregierung und die Aufhebung des Hausarrests des gestürzten Ministerpräsidenten Abdallah Hamdok.

Neues Übergangskabinett vorgestellt

Am Donnerstag hatte al-Burhan einen neuen Souveränen Rat ernannt, dem die Führung des Landes obliegt. Ihm gehören auch einige wenig bekannte Zivilisten an – aber kein Vertreter mehr des Bündnisses „Kräfte für Freiheit und Wandel“ (FFC), das vor zwei Jahren erfolgreich den Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Omar al-Baschir organisiert hatte.

Übernahme des Militärs im Sudan

General Mohamed Hamdan Dagalo (2. von rechts) legte am Donnerstag in Khartum den Amtseid ab

Der frühere Chef einer Miliz in der Konfliktregion Darfur, Mohamed Hamdan Dagalo („Hemeti“), bleibt dagegen der zweite starke Mann in dem 14-köpfigen Gremium. Präsident des Rats und damit de facto-Staatschef bleibt General al-Burhan, der am Donnerstag den Amtseid ablegte. Al-Burhan ist bereits seit 2019 Präsident des Übergangsrats aus Militärs und Zivilisten, hätte das Amt jedoch an einen Zivilisten abgeben sollen.

Viele Tote und Verletzte

Seit dem Putsch kam es mehrmals zu Massenprotesten gegen die Machtübernahme des Militärs, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden. Nach Angaben einer Ärzteorganisation wurden bisher mindestens 14 Menschen getötet und rund 300 Demonstranten verletzt. Hunderte Aktivisten und Demonstranten wurden festgesetzt.

Die Vereinten Nationen riefen die sudanesischen Sicherheitskräfte auf, an diesem Samstag auf Gewalt zu verzichten. Der UN-Sondergesandte für den Sudan, Volker Perthes, appellierte auf Twitter erneut an die Streitkräfte, „äußerste Zurückhaltung“ zu üben und das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit zu respektieren.

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kle/uh (afp, rtre, ape, epd)




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