Trump: Ein Mann, der keine Steuern zahlt? | Aktuell Amerika | DW

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Wer die politische Situation seit der Amtsübernahme von Donald Trump etwas länger beobachtet, erinnert sich womöglich an jene Szene in der Redaktion der “New York Times” (NYT): Chefredakteur Dean Baquet verfolgt zusammen mit engen Mitarbeitern die Vereidigung des neuen Herrn im Weißen Hauses im Fernsehen. “I think, it’s going to be a huge test”, sagt Baquet. “Das wird eine schwere Prüfung.” Und dann fordert Baquet seine Reporter auf, an die Arbeit zu gehen. Festgehalten hat die Szene die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Liz Garbus für die Showtime-Serie “The Fourth Estate”.

Einkommensteuer:
750 Dollar

Nun hat die “New York Times” eine Story veröffentlicht, die man als Höhepunkt des publizistischen Kampfes der NYT gegen Trump ansehen kann. “The President’s Taxes”, eine Exklusivrecherche der Redaktion, die weltweit aufgegriffen werden dürfte. Sie zeichnet ein Bild des Präsidenten, der seit vielen Jahren kaum Einkommensteuer gezahlt hat und den man als jemanden ansehen kann, der den eigenen Staat ausnimmt. Trump reagierte kurz nach der Veröffentlichung in einer Pressekonferenz im Weißen Haus, wie er immer reagiert: “It’s Fake-News. Totally Fake-News.” Falschmeldung, frei erfunden. Er wisse ja, dass die “New York Times” ihn schlecht behandele. In einem vom Weißen Haus über Twitter veröffentlichten Video ist die Entgegnung des Präsidenten nach 25 Minuten zu hören und zu sehen.

 

Dem fraglichen Bericht zufolge hat Trump im Wahljahr 2016 nur 750 Dollar Einkommensteuer auf Bundesebene gezahlt. In Worten: siebenhunderfünzig. Auch 2017, also in seinem ersten Jahr im Weißen Haus, habe er nur 750 Dollar Bundeseinkommensteuer gezahlt, schreibt die NYT unter der Überschrift “The President’s Taxes”. Die Steuern des Präsidenten: Das Blatt hat nach eigener Darstellung die Steuerunterlagen Trumps aus mehr als 20 Jahren eingesehen.

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Demnach hat Trump in zehn der zurückliegenden 15 Jahren gar keine Steuern gezahlt, weil er mehr Verluste als Gewinne angegeben habe. Die Steuererklärungen des Republikaners waren bereits ein Thema im Wahlkampf 2016: Der einstige Immobilienmogul hatte als erster US-Präsident seit Richard Nixon (1969 bis 1974) die Offenlegung seiner Steuererklärungen verweigert. Trump hält sich bei seinen Finanzen höchst bedeckt, was immer wieder für Spekulationen darüber sorgt, ob er etwas zu verbergen habe.

Nach der höchst umstrittenen Nominierung der erzkonservativen Bundesrichterin Amy Coney Barrett für den Obersten Gerichtshof durch Trump hat der US-Wahlkampf nun ein weiteres Top-Thema. Nach Überzeugung der Demokraten und vieler Beobachter legt Trump die Grundlage für einen weiteren Rechtsruck

Biden und Trump werden über Finanzielles reden

Die NYT hat seit der erwähnten Amtseinführung von Trump am 20. Januar 2017 kaum eine Gelegenheit ausgelassen, über den Präsidenten kritisch zu berichten. So ist es auch seine Aufgabe als “The Fourth Estate”, die vierte Gewalt: Das Blatt verfügt über die weltweit führenden Meinungsseiten, aber auch in den Nachrichten- und politischen Spalten des Blattes werden immer wieder Versäumnisse und Verfehlungen des ersten Mannes im Staat aufgegriffen. Neben dem Nachrichtensender CNN und der “Washington Post” ist die NYT damit das wichtigste Hass-Objekt Trumps geworden. Es steht auch für die politische und kulturelle Elite, die viele Trump-Wähler in der Provinz bei der letzten Wahl “abgestraft” haben. Wie wird es bei der bevorstehenden Präsidentenwahl am 3. November sein?

USA | New York Times Chefredakteur Dean Baquet (Ted Anthony/AP Photo/picture-alliance)

Dean Baquet, Chefredakteur der “New York Times”

In dieser Woche wird sich Trump erstmals in einem TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden messen, mit dem Mann, den der Präsident auch wegen dessen fortgeschrittenen Alters unablässig als “Sleepy Joe” denunziert, den “schläfrigen Joe”. Die beiden Herren werden sich, davon kann man sicher ausgehen, auch über finanzielle Angelegenheiten unterhalten. NYT-Chefredakteur Baquet schreibt in einem Kommentar zur Exklusivrecherche seiner Redaktion: “Wir veröffentlichen diesen Bericht, weil wir glauben, dass die Bürgerinnen und Bürger so viel wie möglich über ihre Führer und Repräsentanten wissen sollten.”

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