Tunesischer Aufruhr gegen Corona, Regierung und Islam-Partei | Aktuell Nahost | DW

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In Tunesien haben Tausende Menschen wegen eines starken Anstiegs der Corona-Infektionen im Land protestiert und den Rücktritt der Regierung, die Auflösung des Parlaments sowie vorgezogene Wahlen gefordert. In der Hauptstadt Tunis drangen Hunderte auch bis zum Parlamentsgebäude vor.

Büros der Ennahda gestürmt

Demonstranten stürmten zudem Büros der islamisch-konservativen Partei Ennahda, der dominierenden Kraft im Parlament. Im Internet kursierende Videos zeigten, wie Rauch aus dem Ennahda-Gebäude drang. Die Angreifer beschädigten Computer und andere Geräte im Gebäude und warfen Dokumente auf die Straßen.

Bei den Protesten stellen junge Tunesier eine deutliche Mehrheit

Bei den Protesten stellen junge Tunesier eine deutliche Mehrheit

Teils kam es zu Rangeleien zwischen den meist jungen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Polizei blockierte auch alle Straßen, die zur Hauptschlagader der Hauptstadt, der Avenue Bourguiba, führen. Sie setzte Tränengas ein, um Demonstranten zu vertreiben, die Wurfgeschosse auf Beamte warfen, und nahm mehrere Personen fest. 

Zu den Protesten am 64. Jahrestag der Unabhängigkeit Tunesiens hatte eine neue Gruppe namens “Bewegung des 25. Juli” aufgerufen. Zusammenstöße gab es auch in mehreren anderen Städten, insbesondere in Nabeul, Sousse, Kairouan, Sfax und Tozeur. Berichte über Verletzte gibt es bislang nicht.

Sieben Prozent der Bevölkerung geimpft

Tunesien erlebt derzeit einen starken Anstieg der Corona-Fallzahlen. Bisher wurden 555.000 Corona-Infektionen und etwa 18.000 Todesfälle gemeldet, bei einer Bevölkerung von rund zwölf Millionen Menschen. Frankreich, Italien, Spanien sowie Länder im arabischen Raum lieferten Impfstoff, Beatmungsgeräte und anderes medizinisches Material, um das kleine Mittelmeerland zu unterstützen.

Auch mit recht anschaulichen Plakaten äußerten die Demonstranten in der Hauptstadt Tunis ihre Meinung

Auch mit recht “anschaulichen” Plakaten äußerten die Demonstranten in der Hauptstadt Tunis ihre Meinung

Die Impfungen kommen dennoch nur langsam voran. Der Statistik-Website “Our World in Data” zufolge wurden bisher nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Der Slogan “Das Volk will den Sturz des Regimes”, der bei den Protesten zu Beginn der arabischen Aufstände vor zehn Jahren populär wurde, war an diesem Sonntag erneut in Tunis zu hören.

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Tunesien hat seit den Aufständen von 2011 als einziges Land der Region den Übergang in die Demokratie geschafft, Langzeitherrscher Zine El Abidine Ben Ali musste ins Ausland fliehen. Das Mittelmeerland leidet aber unter einer schweren Wirtschaftskrise, die vor allem die Jüngeren trifft. Die Corona-Pandemie hat die Lage verschärft. Das Misstrauen vieler Tunesier gegen die herrschende Elite ist groß. Seit Januar kommt es immer wieder zu Protesten im Land. Sie richten sich unter anderem gegen die hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption.

sti/qu (ap, dpa, rtr)




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